Honings
Landwirtschaft

Kreis Forchheim: Neubau eines Freilaufstalls für Kühe ist für kleine Betriebe oft unrealistisch

Immer lauter wird aber aus Kreisen der Verbraucherorganisationen und Umweltschützer der Ruf, den Anbindestall für Kühe generell zu verbieten.
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Kälber in sogenannten Iglus Foto: Franz Galster
Kälber in sogenannten Iglus Foto: Franz Galster
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Anbinden oder laufen lassen, den Bauern droht Streit hinsichtlich der Milchviehhaltung. Längst ist klar, dass keine neuen Anbindeställe mehr gebaut werden, dem Laufstall gehört die Zukunft. Immer lauter wird aber aus Kreisen der Verbraucherorganisationen und Umweltschützer der Ruf, den Anbindestall generell zu verbieten. Aufgrund einzelner Marktpartner sorgen sich bayerische Milchbetriebe mit Anbindehaltung, dass ihr Produkt in naher Zukunft mit Preisabschlägen versehen oder gar nicht abgeholt wird. Während die Politik die Gefahren erkannt und von einem Verbot Abstand genommen hat, treiben einzelne Lebensmittelhändler und Molkereien die Diskussion weiter und erhöhen den Druck auf den letzten in der Kette, den Milcherzeuger. Der Bayerische Bauernverband (BBV) versucht, die Problematik aus Sicht der Landwirte darzustellen. Der Konflikt wird auch auf der Grünen Woche (Messe) zu Demonstrationen der Hüter des Tierwohls führen, wie BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif bei einem Pressegespräch mit inFranken.de auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Thomas Müller in Honings sagt. Bei dieser Gelegenheit wird die Situation der überwiegend kleingliedrigen fränkischen Landwirtschaft, speziell auch im Landkreis Forchheim, diskutiert. Müller bearbeitet im Vollerwerb 75 Hektar, davon sind 22 Hektar Wiesen und 53 Ackerland, dazu kommt ein halbes Hektar Kirschen.

Maissilage als Futter

Thomas Müller benötigt 60 Prozent seines Futters als Maissilage, 40 Prozent als Gras. Eiweißfutter wird zugekauft. Getreide und Körnermais kommen aus eigener Produktion. Schon im Außenbereich des Stalles schauen vier Kühe neugierig über die Freilaufbox dem Besucher entgegen. Sie dürfen sich acht Wochen vor dem Kalben frei bewegen. Im stattlichen Stall, um 1970 gebaut und in sehr ordentlichem Zustand, werden 35 Kühe gemolken.

75 Betriebe mit Prüfung

Insgesamt, so Greif, gibt es im Landkreis 75 Betriebe mit Milchleistungsprüfung (MLP). 40 Freilaufställen mit 2002 Kühen - ein Schnitt von 75 - stehen 35 Anbindeställe mit 855 Tieren und einem Schnitt von 24 pro Hof gegenüber. Dazu kommen 58 Ställe ohne MLP mit insgesamt 623 Tieren. Der rechnerische Schnitt von elf Kühen pro Hof lässt im Wesentlichen auf Nebenerwerb mit Anbindehaltung schließen. Die Zahlen spiegeln die klassischen fränkischen Strukturen wider. Der Neubau eines neuen Freilaufstalls ist für die kleinen Betriebe oft unrealistisch, wie Greif betont. Dazu befinden sich die Ställe oft in der Ortschaft. Baurecht, Raum und Emissionen stehen einer Erweiterung oft im Weg. Eine Aussiedlung bei der gegebenen Hofgröße ist nicht denkbar. Man ist sich in der Gesprächsrunde bewusst, dass die kleinen Nebenerwerbsbetriebe auf längere Sicht auslaufen, spätestens dann, wenn es um die Nachfolge auf dem Hof geht. Ein Verbot der Anbindung würde das schnelle Aus vieler Betriebe bedeuten, die so wichtig sind für den Erhalt der kleinteiligen Struktur der Natur in der Fränkischen Schweiz. Eine Struktur, wie sie gewollt und ganz im Sinne des Naturschutzes ist.

Ziegen und Schafe reichen nicht

"Ein paar Ziegen, Schafe und Pferde werden die Hänge und Grünlandflächen der Fränkischen Schweiz nicht pflegen können, die Kühe sind die sinnvollsten Verwerter", sagt Greif. Eine begleitende Verbesserung des Tierwohl stellen bei räumlich gegebenen Voraussetzungen Kombilösungen dar, wo zur Anbindung ergänzend Laufboxen und für Kälber Iglus vorgesehen werden.

Im Gespräch sind Abschläge bis über zehn Prozent Preiskürzung für Milcherzeuger bei Anbindehaltung, schildert Greif - bei einem schon klammen Milchpreis von zurzeit rund 36 Cent ein empfindlicher Verlust.

Molkereien unter Druck

Die Molkereien stehen unter dem Druck der großen Lebensmitteldiscounter. Sie haben entsprechende Pläne in den Schubladen liegen. Am Ende der Kette steht der Landwirt als Milcherzeuger, dem der Preis diktiert wird. "Was würde ein Arbeiter sagen, wenn man seinen Lohn einfach um zehn Prozent kürzt?", fragt Thomas Müller. Die Milch aus Anbindeställen müsste separat abgeholt werden - ein schwer erklärbarer, hoher Aufwand bei gleicher Qualität. "Sage du einem Kfz-Meister, wie dein Auto in seiner Werkstatt zu warten ist: Er wird dich höflich hinausweisen. In der Landwirtschaft redet jeder mit, auch wenn er keinerlei Bindung zu ihr hat", meint Thomas Müller. Das oft fehlende Verständnis erzeugt Frust. Der BBV und die Landwirte versuchen dem mit zahlreichen Informationsveranstaltungen über das Jahr wie der Aktion "Offener Hof" entgegenzuwirken.

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