Heroldsbach
Freizeit

Kreis Forchheim: Mit Autoscootern durch den Wilden Westen

VR-Brillen machen es möglich: Im Freizeitpark Schloss Thurn kann man neuerdings mit echten Autoscootern durch eine Scheinwirklichkeit fahren.
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Die VR-Brillen werden aufgesetzt. Foto: Pauline Lindner
Die VR-Brillen werden aufgesetzt. Foto: Pauline Lindner
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Es ist schon ein paar Jährchen her, da war das wechselseitige Rempeln mit dem Autoscooter das Vergnügen auf dem Volksfest für eine jugendliche Altersgruppe. Und der gute Mario mit seinem Autorennen auf den Anfängen der Spielekonsole hat auch schon Jahrzehnte auf dem Buckel. Wie gebannt drückte man damals die Knöpfchen. Diese zwei eher gegensätzlichen Erfahrungen gehen neuerdings zusammen - beim VR-Scooter (Virtual Reality/Scheinwirklichkeit), der mit der Saisoneröffnung des Freizeitsparks Schloss Thurn startet. Man kann Mario sein und gleichzeitig ein reales Fahrzeug lenken. Das Rempeln brächte allerdings Strafpunkte ein.

Seit 2016 kann man im Freizeitpark mit der Virtual-Reality-Brille Achterbahn fahren. "Wir sind hochzufrieden, wie das ankommt", sagt Benedikt Graf Bentzel bei der Präsentation der neuesten Attraktion des seit 1975 bestehenden Parks. "Echt mal ein Erlebnis", sei die häufigste Reaktion der Benutzer gewesen.

Kalifornier als Mitbegründer

Erlebnis, Erfahrung - das sind denn auch die häufigsten Wörter, die Jeff Burton bei der Präsentation benutzt. Der Kalifornier ist der Mitbegründer von Electric-Arts und Berater von Holodeck-VR, dem Entwickler des frei beweglichen VR-Erlebnisses im Schlosspark. Seit 35 Jahren widmet sich Burton der Weiterentwicklung der Spieleindustrie, um dem Wunsch nach einer imaginierten Zukunft oder Welt der "Milliarden von Nutzern" nachzukommen.

Eine Erweiterung von Fahrgeschäften, einen Mehrwert schaffen, nennt es Thomas Wagner, der Gründer der Entwicklungsfirma Holodeck-VR, die sich seit fast zehn Jahren mit Anwendungen von Virtual Reality befasst.

Testfahrer

Fast wörtlich wiederholten die Testfahrer der VR-Scooter nach den zweieinhalb Minuten mit Brille und echtem Lenker das Urteil der Achterbahn-Fahrgäste. Los geht es ganz konventionell. Der Eingang zur zwölf mal 24 Meter großen Scooter-Bahn ähnelt trotz der Dekoration mit Motiven altertümlicher Dampftechnik dem eines herkömmlichen Fahrgeschäfts - mit voll besetzter Warterampe. Auch die Form und Ausstattung der Fahrzeuge ist konventionell. Sie können auch in der Praxis so benutzt werden. Wenn etwa Eltern der Meinung sind, das Autoscooter-Erlebnis genüge für den Sprössling oder die 3-D-Erfahrung überfordere ihn noch, nennt der Hausherr als Beispiel.

Dampfloks auf Kollisionskurs

Doch dann wird die mächtige Brille über den Kopf gestülpt und der Fahrer fühlt sich in eine Wildwest-Landschaft versetzt, in der altmodische Dampfloks seinen Weg kreuzen, mit denen er und die anderen bis zu 20 Fahrer in ihren an Jules-Verne-Romane erinnernden Gefährten eben nicht kollidieren sollen. Das Gefühl des Mittendrin ist sehr intensiv, sagen einige der ersten Testfahrer. Sogar ein bisschen schummrig hätten sie sich gefühlt in den ersten Sekunden nach dem Ausstieg. Der Übergang von täuschend echt scheinendem zu gewöhnlichem Boden ist ja nicht so einfach. Denn dank Kamerasteuerung erlebt der bebrillte Fahrer die anderen an ihren realen Positionen, nur in einem virtuellen Umfeld, das mit dem Absetzen plötzlich wegbricht. Noch dazu, wenn das Gehirn eine Vorwärts-Erfahrung in die Zukunft mit einer scheinbaren Rückwärts-Erfahrung in eine imaginäre technische Vergangenheit verarbeiten muss.

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