Forchheim
Klimawoche

Kreis Forchheim: Konzept der vier Baumarten soll die Wälder retten

Trockenheit und fehlender Regen setzen dem Wald auch bei Forchheim zu. Mindestens vier Baumarten sollten miteinander auf den Flächen wachsen und sukzessive die Monokulturen ersetzen.
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Exkursion in den Staatswald Foto: Sylvia Hubele
Exkursion in den Staatswald Foto: Sylvia Hubele
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Selbst den Zecken ist es zu trocken im Auerberg, einem Waldstück zwischen Forchheim, Serlbach und Bammersdorf. Dies verkündet der Revierleiter Peter Grumann. Gemeinsam mit dem Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz informiert er über den Wald und die Folgen des Klimawandels. Diese Waldexkursion im Rahmen der Klimawoche des Landkreises Forchheim fand auf Initiative der Energie- und Klimaallianz Forchheim statt. 20 Interessierte haben sich auf den Weg gemacht und lauschen dem, was Forstbetriebsleiter und Revierleiter berichten. Litt der Wald vor noch gar nicht so langer Zeit unter saurem Regen, sind es die heutigen Klimaveränderungen, die den Bäumen zu schaffen machen. Der Wald leide unter einem gewaltigen Wassermangel, zeigte Keilholz anhand von Diagrammen auf. Das gelte nicht nur für die Monokulturen, in denen Fichten in geraden Reihen wachsen, sondern auch für die Mischwälder, in denen selbst die ansonsten robusten Buchen unter der extremen Dürre leiden würden. "Wir liegen bereits zwei Grad über den üblichen mittleren Jahrestemperaturen", sagte der Betriebsleiter.

Wenig Niederschläge

Es wird aber nicht nur wärmer, sondern gleichzeitig trockener. Waren bisher 750 Niederschlagsmillimeter jährlich zu verzeichnen, sind es in diesem Jahr gerade einmal 390. Gibt es, wie prognostiziert, im Winter mehr und in der Wachstumsperiode im Frühjahr und Sommer deutlich weniger Niederschläge, kommt es nicht nur bei den Bäumen zu ausgeprägtem Trockenstress. So verkraften die Kiefern gerade die extrem heißen Tage, an denen die Temperaturen über 25 Grad Celsius erreichen, nur sehr schwer. "Der Baum verträgt zwar Trockenheit, aber keine Hitze", erläutert Keilholz. Gibt es im Winter weniger Frost- und Eistage, hat der Forst mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen, da dann die Rückegassen im Wald für die schweren Fahrzeuge nahezu unpassierbar sind.

Schädlinge und Pilze

Auch wenn alle Bäume unter dem Klimawandel leiden, haben es einzelne Baumarten besonders schwer. Sie werden von Schädlingen und Pilzen befallen. Das führte in den 80er Jahren zum Ulmensterben, jetzt sind Erlen und Kiefern betroffen. Auch wenn die Wissenschaftler versuchen, die möglichen Szenarien vorherzusagen und damit den Forstleuten Empfehlungen geben, wie sie den Wald klimaresistent umbauen können, bleibt ein erhebliches Risiko. Immerhin verändert sich durch die Kombination hoher Temperaturen mit Trockenheit das gesamte Ökosystem Wald.

Fichten, Kiefern und Lärchen müssen durch Stieleichen und Buchen ersetzt werden, ist sich Keilholz sicher. Damit jedoch der Wald als solcher für viele Szenarien gut gerüstet ist, sollte das Risiko durch Streuung minimiert werden: "Die Mischung macht es." Mindestens vier Baumarten sollten miteinander auf den Flächen wachsen und sukzessive die Monokulturen ersetzen. Auch wenn das Klima wärmer wird, bekomme die Region kein mediterranes Klima, weist Keilholz darauf hin, dass dafür das Mittelmeer einfach zu weit entfernt liegt. Daher ließen sich Erkenntnisse über dort wachsende Baumarten nicht einfach auf mitteleuropäische Standorte übertragen.

Am Auerberg

Seit zwölf Jahren ist Revierleiter Peter Grumann unter anderem für den Auerberg mit seinen gut 400 Hektar zuständig. Diese Fläche sei symptomatisch in Bayern, wie er sagt. Bis 2007 bildete der Wald noch eine geschlossene Fläche, auf der etwa 70- bis 80-jährige Fichten standen, so wie auf vielen Flächen, die in der Nachkriegszeit aufgeforstet wurden. Lediglich einzelne Eichen, Lärchen und Buchen durchsetzten diese monoton wirkenden Wald, der fast ganz ohne Unterholz daherkam.

Die ersten Borkenkäfer

Die ersten Borkenkäfer kamen 2007. Auch wenn sämtliche davon befallenen Bäume aus dem Wald geholt werden konnten, hinterließen sie jedoch ein Loch, das im Winter mit jedem Sturm ein wenig größer wurde und schon zwei Jahre später doppelt so viel Fläche einnahm. Im Jahr darauf kam der Borkenkäfer wieder, dieses Mal an einer etwas anderen Stelle. Das Spiel wiederholte sich mehrfach und jedes durch den Käfer entstandene Loch in der Walddecke wurde durch Windwurf bei Sturm vergrößert. Mittlerweile haben die einzelnen Löcher ein relativ großes Loch gebildet. Auch wenn der Revierleiter zuerst mit Eschen aufforstete, setzten sich Brombeeren, Espen und Birken als echte Pionierpflanzen an dieser Stelle durch. Daraufhin besann sich der Fachmann auf die Selbstheilungskräfte des Waldes. Dieser ist schon immer in der Lage, sich selbst zu verjüngen, schließlich werfen sämtliche Bäume ausreichend Samen ab.

Wie und ob ein Waldbau gelingt, wird dagegen unter anderem von der Dichte des Rotwildes bestimmt. Grumann wollte keinen Schutz um junge Bäume errichten: "Wenn ich Zäune baue, wäre ich nicht Förster, sondern Zaunkönig", sagt er humorvoll. Auch die Hüllen um jeden einzelnen jungen Baumstamm bezeichnet er eher als suboptimal.

Die Jagd

Damit der Wald alleine wachsen und sich verjüngen kann, muss die Jagd entsprechend organisiert werden. Dass es geglückt ist, können die Teilnehmer der Exkursion an einer Fläche sehen: Hier wachsen junge Buchen, Eichen, Vogelbeeren und andere Baumarten. Der Revierleiter pflanzte lediglich ein paar Esskastanien dazwischen, damit möglichst viele unterschiedliche Arten miteinander wachsen.

Im gesamten Gebiet der Bayerischen Staatsforsten komme das Konzept der vier Baumarten zum Tragen, erläutert der Forstbetriebsleiter. Schließlich sind die Monostrukturen überall anfällig: "Rund um Passau sterben ganze Berge ab, auch im Frankenwald sieht es stellenweise schlimm aus", weist Keilholz darauf hin, dass es nicht nur rund um das oberfränkische Forchheim Probleme gibt. "Wir haben keine Zeit mehr, zu experimentieren oder gar abzuwarten, wir müssen dringend handeln."

Großer Maschinenpark

Während der Staatsforst auf einen großen Maschinenpark und entsprechende Mitarbeiter zurückgreifen kann, sind private Waldbesitzer beispielsweise in Waldbauervereinigungen organisiert. Werden Schädlinge in Fichten festgestellt, gilt es schnell zu handeln: Damit sich die Weibchen des Borkenkäfers nicht vermehren können, müssen die davon befallenen Bäume binnen sechs Wochen aus dem Wald: "Hier ist es wichtig, den Entwicklungsprozess zu durchbrechen", erläutert der Fachmann. Während jedoch die Staatsforsten mit den Sägewerken Lieferkontrakte oft über Jahre hinweg vereinbaren konnten, sind die Festmeterpreise für private Waldbesitzer derzeit im Keller.

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