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Neunkirchen am Brand
Kirche

Kreis Forchheim: Karfreitagsprozession abgesagt

Wegen der Corona-Krise findet in diesem Jahr keine Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand statt. Doch es gibt viele neue Ideen und ein Zeichen.
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Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand: Archivfoto: Petra Malbrich
Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand: Archivfoto: Petra Malbrich

Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand, deutschlandweit eine der wenigen mit lebensgroßen Figuren, fällt aus. Das war zu erwarten, denn die Corona-Krise lässt keine andere Möglichkeit zu. "Die Kirche hat klare Anweisung vom Erzbischof, alle Veranstaltungen abzusagen", erklärt Bürgermeister Heinz Richter (FW), der diese gemeindlich organisierte Veranstaltung am 10. April absagt. "Die Vorgaben sind richtig, und wir sollten als Kommune mit gutem Beispiel vorangehen", erklärt Neunkirchens Bürgermeister. Ob die Prozession zum ersten Mal in der 351 Jahre andauernden Tradition ausfällt, kann nicht genau recherchiert werden. "Einige ältere Bürger erinnern sich, dass sie während der Kriegsjahre ausgefallen ist. Möglicherweise wurde die Prozession auch in abgespeckter Form durchgeführt", erzählt Richter von Erinnerungen der Bürger.

Der Vorbeter

"Mit Gewalt etwas durchführen zu wollen und andere Menschen zu gefährden, davon halte ich nichts", betont auch Wilhelm Geist, der seit mehreren Jahrzehnten der Vorbeter der Karfreitagsprozession ist. Während die Gemeinde alle öffentlichen Plätze sperrt, Veranstaltungen abgesagt hat und auch für die Mitarbeiter im Rathaus oder im Wasserwerk Vorsorge trifft und die Arbeitsplätze räumlich auseinanderzerrt, macht die Kirche andere Beobachtungen. Zwar hält Pfarrer Joachim Cibura den Gottesdienst alleine, aber außer dieser Zeit sind die Kirchen offen. "Es sind über den Tag verteilt mehr Leute als früher in der Kirche und es werden viele Kerzen angezündet", berichtet Cibura. Die Situation sei ungewohnt, mache den Menschen zum Teil auch Angst. Schon deshalb wird vor allem die telefonische Seelsorge verstärkt angeboten. "Sie haben das Bedürfnis zu sprechen", weiß Cibura. Es werden auch neue Wege gesucht, um die Gläubigen zu erreichen. "Wir sind dabei, Texte und Impulse auf die Homepage zu stellen. Auch die Kinder sollen zur Karwoche Materialien bekommen", erklärt der leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Neubau. In den vergangenen Tagen fanden viele Beratungen statt, ebensoviele Vorschläge kamen aus Bamberg.

Kerze ins Fenster stellen

"Ein Vorhaben ist, dass jeder um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster stellt und betet", erklärt Andreas Hornung, stellvertretender Dekan des Dekanats Forchheim diese Aktion des Miteinanders und des gelebten Glaubens. "Die Zeit selbst ist ein Impuls", betont Andreas Hornung. In vielen Bereichen verlaufe das Leben langsamer. Die Situation sei anders als sonst. "Man ist mehr auf sich und die Familie bezogen. Die Menschen kommen zum Nachdenken. Sonst sind sie oft durch die Aktivitäten abgelenkt. Das ist auch eine Chance für den einzelnen, Gott tiefer zu erreichen", meint Hornung. Menschen, die mit Gott und der Kirche nichts zu tun hätten, würden sich wohl in dieser Zeit weniger an Gott wenden, dazu gebe es noch zu viel Zeitvertreib. "Das Menschliche wird verstärkt. Man hat Zeit für die Kinder und ist empfänglicher für die Leiden der Mitmenschen", sagt Hornung. "Diese gemeinsame Sorge kann verbinden", betont der Pfarrer und wünscht sich, dass diese vermehrte Aufmerksamkeit füreinander auch bleibt, wenn die Krise endet. Der Seelsorgebereich Neubau wird deshalb auch auf der Internetseite Querverweise setzen, über die neue Glaubensideen, Impulse und der Gottesdienst, der in der Kapelle im Dom in Bamberg gefeiert wird, zu sehen sind.

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