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Wirtschaft

Kreis Forchheim: Hofladen sichert Zukunft des Betriebs und stärkt ländlichen Raum

Verbraucher wünschen regionale Produkte, von Tieren aus einer artgerechten Haltung. Ein neuer Hofladen im Kreis Forchheim kommt diesem Wunsch nach.
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Alfred Schaffer und seine Schwiegertochter Andrea im Hofladen in Görbitz Foto: Petra Malbrich
Alfred Schaffer und seine Schwiegertochter Andrea im Hofladen in Görbitz Foto: Petra Malbrich
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Andrea Schaffer nimmt Bierschinken, Schinkenwurst und Göttinger aus der gekühlten Theke für den gewünschten Aufschnitt. Das Angebot mit 40 verschiedenen Wurstsorten und Fleisch vom Schwein und Rind unterscheidet sich nicht von dem traditioneller Metzgereien. Und doch ist es keine Metzgerei im herkömmlichen Sinne, sondern ein Hofladen. Die Familie Schaffer hat einen Hofladen in Görbitz in der Gemeinde Hiltpoltstein eröffnet. "Wir begrüßen das, freuen uns und unterstützen, dass sich junge Familien das zutrauen. Sie investieren viel Zeit, Energie und Geld", lobt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Forchheim (BBV). Damit locke man nicht nur Wanderer und sorge für Stabilität für den ländlichen Raum, sondern komme vor allem dem Wunsch der Verbraucher nach mehr regionalen Produkten nach.

Direktvermarktung

Ein Hofladen bedeutet Direktvermarktung. Wie viele Hofläden es im Landkreis gibt, kann der Bauernverband nicht sagen. Aber es gibt inzwischen eine breite Palette mit vielfältigen Angeboten. Manche Landwirte verkaufen in den Hofläden nur Obst in allen Formen. Andere verkaufen ihre erzeugten Fleisch- und Wurstwaren in Automaten, gleich bei einer Milchtankstelle, wie die Familie Alt aus Seidmar, die den Automaten neben "Galsters Milchtankstelle" nutzen. Trotzdem sind Hofläden mit Wurst- und Fleischwaren eher weniger zu finden. Zugleich hoffen die Bauern, mit dem Hofladen ihren landwirtschaftlichen Betrieb zu sichern. Die Familie Schaffer hat sich jedenfalls entschieden, den Betrieb, der seit 1812 in Familienbesitz ist, zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Es begann mit Brot

Die Anfänge dieses Hofladens gehen aufs Jahr 1986 zurück. Es begann mit Brot. Der Seniorchef Alfred Schaffer hatte angefangen, Brot mit einem hohen Roggenanteil (90 Prozent) im Steinofen zu backen. Das Backen von Brot, Küchla und Zwiebelbrot ist eine Leidenschaft von ihm, für die er 2000 eine Befähigungsprüfung abgelegt hat. "Da ich Metzger bin, habe ich geräucherte Wurst und Wurstgläser mit dem Brot verkauft", erinnert sich Alfred Schaffer. Die Nachfrage stieg, so dass Schaffers in den 90er Jahren mit dem Straßenverkauf an der B 2 begannen. "Auf einem Tisch mit Schirm habe ich Geräuchertes verkauft", erzählt Schaffer. Im Sommer war das nicht ganz so unproblematisch, weshalb sich der Landwirt einen Verkaufsanhänger zulegte, damit die Wurstwaren vor Wind und Wetter geschützt und vor allem im Schatten lagen. 2004 kaufte die Familie ein Verkaufsauto mit Kühlung und Waschbecken, ganz nach den gesetzlichen Hygienevorschriften ausgestattet. Zunächst erfolgte der Verkauf noch immer an der Straße, dann auf den Bauernmärkten in Neunkirchen am Brand, am Paradeplatz in Forchheim und im 14-tägigen Wechsel sonntags in Creußen und in Pegnitz (Kreis Bayreuth). "Die Leute wollten dann wissen, wie es auf dem Bauernhof aussieht und wie die Tiere gehalten werden", sagt Alfred Schaffer. Immer mehr Verbraucher seien deshalb auf den Schafferhof nach Görbitz gekommen und hätten sich selbst davon überzeugt, dass die Schweine auf einer dicken Schicht Stroh sind und nicht auf Spaltböden laufen müssen. Dies gilt auch für die Rinder.

Keine Massentierhaltung

Vor allem aber konnten sie sich davon überzeugen, dass es hier keine Massentierhaltung gibt und die Tiere nur eigenes Getreide futtern. Auf dem Hof, in der kleinen Backstube, hatten Schaffers zuvor eine kleine Verkaufsfläche. Abgesehen davon, dass die eigene Produktpalette über die Jahre hinweg immer großer wurde und dementsprechend auch die Nachfrage, musste eine andere Lösung für den Verkauf gefunden werden. Alfreds Sohn Stefan und dessen Ehefrau Andrea war der Hof bereits übergeben worden. Dass die jungen Leute den Betrieb weiterführen, war wichtig für die Entscheidung für den Hofladen. "Aber ohne die Senioren geht es nicht", bekräftigt Andrea Schaffer. Dass Alfred und seine Ehefrau Marianne weiter anpacken und ebenso zeitig aufstehen, war die andere Entscheidung, den Entschluss Hofladen Wirklichkeit werden zu lassen. Im Herbst vor einem Jahr wurde dann der Bauantrag bei der Gemeinde Hiltpoltstein eingereicht. Nun ist der 40 Quadratmeter große Hofladen ohne Fördergelder gebaut und eingerichtet. Neben Schnäpsen und Likören vom eigenen Obstanbau sind Zusatzprodukte wie Müsli oder Honig von anderen regionalen Anbietern zu finden. In der Kühltheke ergänzen selbst gemachte Salate und Sülzen das Wurstangebot. Eine Käsevielfalt von dem Dorfhauser Milchbauern ist erhältlich. Die Schaffers bieten Partyservice, Gutscheine und auch Geschenkkörbchen an.

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