Weißenohe
Hochwasserschutz

Kreis Forchheim: Gemeinde sauer auf den Abwasserzweckverband

Der Weißenoher Bürgermeister hat provisorische Hochwasserschutzmaßnahmen in Auftrag gegeben. Der Gemeinderat ist sauer, weil der Abwasserverband nichts unternommen habe.
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Unlängst wurde die Dorfhauser Straße in Weißenohe überschwemmt.  Foto: privat
Unlängst wurde die Dorfhauser Straße in Weißenohe überschwemmt. Foto: privat

Sehr verärgert waren Bürgermeister Rudolf Braun (WGA) und seine Gemeinderäte über die Außenwirkung der Diskussion um den Hochwasserschutz. Ihren Unmut brachten sie deutlich zum Ausdruck. Letztlich waren es die drei Überschwemmungen kurz hintereinander in der Dorfhauser Straße, die das Fass zum Überlaufen und Unwahrheiten ans Licht brachten. Denn wie sich herausgestellt hatte, war von dem Weißenoher Antrag auf Bau eines Regenüberlaufbeckens an den Abwasserzweckverband (AZV) Obere Schwabach nur wenig umgesetzt worden. Die Gemeinde Weißenohe jedenfalls will sich den Schwarzen Peter nicht unterschieben lassen. Für Braun ist es ganz klar die Aufgabe des AZV, der bislang auch alle anderen Maßnahmen in Auftrag gegeben und bezahlt hatte. "Der Mesnergraben ist ein Gewässer, das nur Regenwasser führt", sagte Braun. Allerdings sei die Drossel bei dem Regenüberlaufbecken nicht funktionsfähig. Wenn das Regenwasser dann hineinlaufe, mache das Becken komplett auf, und das Wasser stürze nach Weißenohe hinunter. "Wir hatten nie Hochwasser - erst seit das Becken III oben gebaut wurde, das nie funktioniert hat. Deshalb ist dieser Antrag dringend notwendig", erklärte Braun.

Baustahlmatten

Als Ersatz habe er nach dem dritten Starkregenereignis mit Überschwemmung in der Dorfhauser Straße das gemeinsame Kommunalunternehmen beauftragt, ein Provisorium mit Baustahlmatten zu bauen. Eine Situation wie beim Rückhaltbecken in der Sonnenleite wurde hergestellt. Dort verhindern die Matten ein Eindringen von Ästchen und Schlamm, so dass es zu keiner Verstopfung kommt. "Wegen Untätigkeit des Abwasserzweckverbands habe ich das beauftragt und auch so die Rechnung gestellt", betonte der Weißenoher Gemeindechef. Zuvor zeigte Bürgermeister Rudolf Braun in einer chronologischen Auflistung, dass bereits in der Januarsitzung 2015 der Abwasserzweckverband ein Sanierungskonzept an das Planungsbüro Schneeberg und Kraus beauftragt habe. Das bestritten weder das Planungsbüro Schneeberg und Kraus noch der Abwasserzweckverband. Auch die dafür in den Haushalt gestellten 30.000 Euro waren bestätigt worden. Bei einer Zweckverbandssitzung im Januar 2017 hieß es, dass für weitere Planungen ein hydrogeologisches Gutachten erforderlich sei, das gegen Kostenersatz vom Wasserwirtschaftsamt erstellt würde. Weißenohes Bürgermeister Rudolf Braun ging davon aus, dass alles am Laufen sei, nur lag dort nichts vor. "Gibt es nun das Gutachten oder nicht?", fragte Norbert Weber (Grüne). "Nein, aber mir wurde es so erzählt", bekräftigte Braun. "Fünf Jahre lang wurde nichts getan. Das ist eine Riesensauerei und ist keine Zusammenarbeit", schimpfte Dritter Bürgermeister Thomas Windisch (UWG). Vor allem verdeutlichte er, dass den neuen Sollenberger Baugebieten der Stadt Gräfenberg nur vorbehaltlich dieser Regenüberlaufmaßnahmen zugestimmt wurde. "Weil wir hier absaufen. Wir werden auch von Bürgern angesprochen, dass man hier mit der Gefahr der Kontaminierung spielt. Es muss etwas passieren und kann nicht sein, dass wir Maßnahmen durchführen sollen, die andere tun müssen", ärgerte sich Windisch. Er will den Sachverhalt aufgeklärt haben, akzeptiert das "Nichttätigwerden" anderer und ein Abschieben auf die Gemeinde Weißenohe nicht. "Ich will auch einen Umsetzungsplan mit Terminvorgaben. Wir zahlen beim AZV Geld ein. Ich will nicht die Behörden hertreiben müssen", sagte Windisch.

Das Wasserwirtschaftsamt

Auch die Aussage des Leiters des Wasserwirtschaftsamts, dass die Gemeinde ihren Aufgaben nicht nachkomme, wurde als grenzwertig empfunden. Der Bürgermeister bat Gemeinderat Norbert Weber, sich mit seinem Cousin auszutauschen. Die beiden wohnen am Ende des Mesnergrabens. Eine Rückhaltung dort wäre die beste Lösung. Als i-Tüpfelchen empfand Braun die Aussage des Zweckverbandsvorsitzenden Wolfgang Rast. Diese war, dass der Zweckverband alle ihn betreffenden Maßnahmen ergriffen habe und weitere Maßnahmen die Kommune treffen müsse, da der Mesnergraben ein Gewässer dritter Ordnung sei. "Ich bin sehr traurig, das über die Öffentlichkeit erfahren zu müssen. Diese Aussage kann von einem Mann, der zwölf Jahre den Zweckverband leitet, nicht sein", schimpfte Braun. Einig waren sich die Räte deshalb, den AZV aufzufordern, unverzüglich die Planungen für den Ausbau des Mesnergrabens in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt zu aktualisieren und die festgelegten Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Die Gemeinde Weißenohe lehnt jegliche Haftung für Schäden aus der nicht ordnungsgemäßen Ableitung von Oberflächenwasser durch den Abwasserzweckverband ab.

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