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Igensdorf
Marktgemeinderat

Kreis Forchheim: Gemeinde macht Weg für Stelzenhäuser und Chalets frei

In die Baupläne für ein Naturhotel in Igensdorf wurden Änderungen eingearbeitet. Für die Fledermäuse wird eine "Rennbahn" freigehalten, und ein Feldlerchenpaar erhält ein neues Heim.
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Vor der Baumreihe werden der Parkplatz und ein Gebäude entstehen, hinter dem  Bach und der Baumreihe werden die Chalets und Stelzenhäuser errichtet. Foto: Petra Malbrich
Vor der Baumreihe werden der Parkplatz und ein Gebäude entstehen, hinter dem Bach und der Baumreihe werden die Chalets und Stelzenhäuser errichtet. Foto: Petra Malbrich

Das Naturhotel in Igensdorf nimmt Formen an. Zumindest auf dem Papier. Bis die ersten kleinen Stelzenhäuser und Chalets und das Hotel mit Restaurant und Tagungsräumen beim Sportplatz und der Fläche hinter den Bäumen am Lindelbach stehen, vergehen wohl noch Monate. Um das Vorhaben durchführen zu können, war im März vergangenen Jahres beschlossen worden, den Flächennutzungsplan zu ändern. Die Einwendungen der Öffentlichkeit wurden eingearbeitet und nun dem Gemeinderat vom Planungsbüro Stadt und Raum aus Amberg und von Christoph Gressle, dem Landschaftsökologen, vorgelegt. Die Allee bleibt erhalten. Zusätzlich werden innerhalb des Vorhabengebietes Bäume gepflanzt. Auch die maximale Firsthöhe der zweigeschossigen Gebäude werde die Baumhöhen nicht überragen, erklärte Martina Dietrich vom Planungsbüro. Die Einfahrt zu den Parkplätzen ist mit einer Zufahrt vorgesehen, nicht mit einer Linksabbiegespur, wie vom Straßenbauamt gefordert. Der Spielplatz und der frequentierte Radweg müssen bei den Veränderungen berücksichtigt werden. Es sei eine kritische Stelle, merkte Gemeinderat Hans-Jürgen Röhrer (SPD) an. Das sei mit einfachen technischen Mitteln lösbar, meinte Stephan Dietrich von Stadt und Raum. Eine Linksabbiegespur, nur weil es sich um eine Kreisstraße handelt, findet Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) überzogen. "Wir müssen uns vom Landratsamt nicht alles gefallen lassen", meinte Rast.

Natur- und Artenschutz

Eingearbeitet in die neue Planung wurden auch die Forderungen für den Natur- und Artenschutz. Laut den umfangreichen biologischen Untersuchungen wären vom Naturhotel die Fledermaus und die Wildvögel, hier besonders die Feldlerche, betroffen. "Das muss berücksichtigt werden", erklärte Gressle. So wird am Bach entlang eine Schneise für Fledermäuse freigehalten. "Der Lindelbach und die Gehölze sind für die Fledermäuse ein wichtiger Lebensraum. Sie ziehen entlang des Gewässers und brauchen Flugraum", sagte Gressle. Drei Meter Abstand bis zu den ersten Gehölzen sind deshalb vorgeschrieben, den ganzen Bach entlang.

Ausgleichsflächen

Um die fürs Naturhotel notwendigen Ausgleichsflächen zu schaffen, zählt auch die Ortsumrandung als Ausgleichsmaßnahme. Um das Hotel herum, auch am Sportplatz, wo die Parkplätze entstehen, wird eine Hecke mit einheimischen Arten gepflanzt. "Diese Gehölze sind zugleich Lebensraum für die Heckenbrüter", erklärt Gressle. Doch diese beiden Ausgleichsflächen reichen nicht aus, um die geforderten Maßnahmen umzusetzen. Eine externe Fläche muss deshalb einbezogen werden. Laut dem Artenschutz muss jedes Lerchenbrutpaar mit 2000 Quadratmetern Fläche ausgeglichen werden. Ein Brutpaar wurde am Standort des Naturhotels gefunden. Die neue Heimat des Lerchenpaares könnte an der B 2 Richtung Einfahrt Ebach und dem Lindenhof sein. Diese Fläche würde extensiv bewirtschaftet und auch eine Blühfläche für die Feldlerche sein. Allerdings befindet sich die Fläche in der Mitte, also von landwirtschaftlicher Fläche umgeben. Für den Dritten Bürgermeister Hans-Jürgen Röhrer (SPD) war das unverständlich. Auch Bürgermeister Rast würde diese gemeindeeigene Fläche gerne mit dem Grundstücksbesitzer tauschen. Allerdings sei der Landwirt, der diese Fläche bearbeitet, nicht der Eigentümer. Diesen müsse man erst ausfindig machen, um die Flächen sinnvoll verschieben zu können. Ein anderes gemeindeeigenes Grundstück wäre in Waldnähe. "Dort aber fühlt sich die Feldlerche nicht wohl", merkte Bauamtsleiter Andreas Finkes an. Mit den eingefügten Änderungen war der Rat einverstanden. Der Plan für das Bauvorhaben wird nun im März erneut ausgelegt.

Vorkaufsrecht

Erweiterungsflächen ums Rathaus herum möchte sich die Gemeinde sichern. Immerhin meldet der Dorffunk bereits, dass Grundstücke verkauft werden sollen. Mit einer Vorkaufsrechtsatzung könnte die Gemeinde beteiligt werden, wenn Grundstücke veräußert werden. Die Kommune habe so die Möglichkeit, auf die Fläche zuzugreifen, erklärte Bürgermeister Wolfgang Rast. Auch das Grundstück Forchheimer Straße 14 soll in diese Satzung aufgenommen werden. Das war in einer nichtöffentlichen Sitzung besprochen worden und wurde nun bekannt gegeben. Ob der betroffene Grundstückseigentümer davon bereits in Kenntnis gesetzt wurde, wollte Edmund Ulm (CSU) wissen. Nein, zum Telefon habe man noch nicht gegriffen, erklärte der Bürgermeister. Edmund Ulm fand es nicht gut, wenn der Eigentümer das aus der Zeitung erfahre. Allerdings erinnerte Rast daran, dass die Gemeinde auch nicht gefragt wurde, als der Eigentümer das Grundstück mit meterhohen Bauzäunen abgegrenzt habe. Den Ball möchte er damit zurückspielen.

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