LKR Forchheim
Gerechtigkeit

Kreis Forchheim: Funkstille im Tal der Abgehängten

Während andere jederzeit mobil telefonieren können, klaffen in einigen Kommunen im Kreis Forchheim weiterhin Funklöcher. Was viele nicht wissen: Die Versorgungs-Lücke verläuft nicht zwischen Stadt und Land sondern zwischen Hügel und Tälern.
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Mobiles Telefonieren in Wolfsberg - Fehlanzeige. Im Trubachtal leiden mehrere Gemeinden unter Funklöchern. Foto: Ronald Heck
Mobiles Telefonieren in Wolfsberg - Fehlanzeige. Im Trubachtal leiden mehrere Gemeinden unter Funklöchern. Foto: Ronald Heck

Wer ungestört das schöne Trubachtal genießen will, der ist in dem malerischen Dörfchen Wolfsberg genau richtig. Der Besucher muss auch nicht befürchten, dass ihn ungebetene Handy-Anrufer stören, denn beim Blick auf das "Wischkästla" wird klar: Kein Netz. Während die mobile Funkstille für Touristen unter Umständen noch angenehm sein kann, fühlen sich einige Menschen im Landkreis abgehängt. Und mit ihrem Mobilfunkloch ist der Obertrubacher Ortsteil in der Fränkischen Schweiz nicht alleine. Woran liegt die ungleiche Versorgung?

Mobilfunk im Landkreis Forchheim hat ein "Hügel-Tal-Problem"

"Wir haben im Landkreis Forchheim bei der Netzabdeckung weniger ein Stadt-Land-Gefälle sondern ein Hügel-Tal-Problem", erklärt Wirtschaftsförderer Andreas Rösch vom Landratsamt Forchheim. Während es auf den Hochflächen in der Region guten Handy-Empfang gebe, klafften einige Funklöcher in den niedriger liegenden Ortsteilen. Besonders betroffen sind die Gemeinden entlang der Trubach wie Pretzfeld, Egloffstein und Obertrubach. Aber auch in Weilersbach und Kirchehrenbach gibt es teilweise kein Handy-Netz.

Topografie verhindert Funkwellen

Die Topografie der Fränkischen Schweiz verhindert, dass die Funkwellen die betroffenen Dörfer und Gemeindeteile erreichen. Die einzige Abhilfe sind zusätzliche Sendemasten. Das Landratsamt habe bereits Gespräche mit Telekom und Vodafone geführt und die Unternehmen aufgefordert die Funklöcher in Zusammenarbeit mit den Kommunen zu schließen, so Rösch.

Seit Anfang Dezember können Gemeinden in Bayern Fördermittel vom Freistaat beantragen, um die Mobilfunkversorgung auszubauen. Der Freistaat unterstützt die Kommunen beim Bau von Masten in bisher unterversorgten Gebieten. Sie erhalten bis zu 90 Prozent Förderung.

Schwierige Suche nach Sendemast-Standorten

Wie schwierig es ist einen Standort für einen neuen Sendemasten zu finden, weiß der Obertrubacher Bürgermeister Markus Grüner (CSU). "Die Kommunen müssen vermitteln und einen Konsens zwischen den Bürgern und den Telekommunikationsanbietern finden, wo ein Mast gebaut wird." Im April vergangenen Jahres kam die Deutsche Telekom auf ihn zu mit dem Plan, zwischen Bärnfels und Geschwand einen neuen Mobilfunkmast zu errichten. Dagegen formierte sich Widerstand, die Initiative "Bürger von Geschwand" warnte vor allem wegen möglicher gesundheitlicher Gefahren durch Strahlung. Sowohl Telekom als auch der Bürgermeister sicherten zu, nicht gegen den Willen der Bürger den Mast zu errichten.

Aber Grüner betont: "Mobilfunk ist weiterhin ein wichtiges Thema und ein harter Standort-Faktor gerade für ländliche Gemeinden." Beim komplizierten Mobilfunk-Ausbau sei es wichtig "miteinander zu reden". Die Gemeinde Obertrubach hat im vergangenen Oktober parallel zur Landtagswahl eine Bürgerbefragung dazu durchführen lassen. Die erste deutliche Erkenntnis: Die Mehrheit in Wolfsberg, Dörfles, Sorg, Untertrubach und Haselstauden wünscht sich besseren Handyempfang. Die genauen Ergebnisse zur Mobilfunk-Bürgerbefragung sollen nun im Gemeinderat diskutiert werden und danach entschieden werden, wo Handlungsbedarf besteht.

"Alle wollen mobil sein und überall Handyempfang haben, aber einen Sendemast in der Nähe will keiner", fasst Wirtschaftsförderer Rösch das Dilemma zusammen. Mit den Wolfsberger Bürgern im Boot könnte die Funkstille in dem Trubachtal-Dörfchen nun aber ein Ende haben - und der Landkreis Forchheim ein Funkloch weniger.

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