Burk
Naturschutz

Kreis Forchheim: Erholungsuchende sollen mehr Rücksicht nehmen

Mehr Verbote beziehungsweise Verhaltensgebote beim Aufenthalt in der Natur - dies war eine Forderung beim Treffen von Naturschützern im Wald bei Forchheim.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Heunhüttentreffen begann mit einem Geburtstagsständchen der Hornbläsergruppe der Jäger für Friedrich Oehme. Der 80-Jährige gehört zu den Teilnehmern von Anfang an. Viele seiner Projekte und ganz besonders das Fledermausmonitoring haben bei den Treffen ihre Gestalt gefunden. Foto: Pauline Lindner
Das Heunhüttentreffen begann mit einem Geburtstagsständchen der Hornbläsergruppe der Jäger für Friedrich Oehme. Der 80-Jährige gehört zu den Teilnehmern von Anfang an. Viele seiner Projekte und ganz besonders das Fledermausmonitoring haben bei den Treffen ihre Gestalt gefunden. Foto: Pauline Lindner
+1 Bild

"Wir spannen ein grünes Netz über den Landkreis", begrüßte Hans-Jürgen Dittmann, der Forchheimer Kreisvorsitzende im Bayerischen Jagdverband, die Runde aus haupt- und ehrenamtlich der Natur Verpflichteten auf der Heunhütte (Waldhütte zwischen Burk und Wimmelbach). "Jeder von uns hat einen Zipfel in der Hand", beschrieb er die unterschiedlichen Ansatzpunkte der Teilnehmer.

"Rettet die Bienen" - das erfolgreiche Volksbegehren und das von der Staatsregierung als Umsetzung auf den Weg gebrachte "Versöhnungsgesetz" waren zwangsläufig das Thema für alle. Hermann Greif, der Bezirkspräsident des Bauernverbands, betonte, dass es in diesem Gesetzeswerk nicht nur um die Landwirtschaft ginge. Obwohl es als Gesellschaftsvertrag gelten solle, nehme es die Gesellschaft nicht in die Pflicht.

Diesen Gedanken griffen mehrere Teilnehmer auf. Konrad Schneider, der stellvertretende Betriebsleiter der gastgebenden Staatsforsten, forderte mehr Verbote beziehungsweise Verhaltensgebote beim Aufenthalt in der Natur. Die, so Martin Erlwein von der Unteren Naturschutzbehörde, strafbewehrt und durchsetzbar sein müssen. Und: "Man kann nicht nur ein Kreuzchen machen, sondern muss auch sein Verhalten ändern."

Recht auf Betreten der Natur

Dazu ein Beispiel aus der Runde: Das verfassungsmäßige Recht auf Betreten der Natur, insbesondere der Wälder, war bis 1972 zeitlich eingeschränkt "bis auf eine Stunde nach Sonnenuntergang". Diese Regelung müsse zur Ruhe für die Tierwelt wieder eingeführt werden. Aus dem Betretungsrecht, dem freien Zutritt, leitete Bernhard Roppelt von der Waldbauernvereinigung Kreuzberg ab, dass die Gesellschaft insgesamt kostenmäßig in den Naturerhalt einzubinden sei.

Die Erholungsnutzung nimmt zu, beobachtet Andreas Niedling, der Schutzgebietsbetreuer im Landkreis Forchheim. Dabei werde wenig Rücksicht genommen, wenn der urban geprägte, in einer digitalisierten Welt Lebende jogge oder mit 30 km/h auf dem E-Bike sitze. "Sie wissen immer weniger, was draußen vorgeht", schloss sich Christof Hartel vom Landesbund für Vogelschutz an. Und Greif sah sie "ahnungslos auf der landwirtschaftlichen Fläche umeinanderturnen". Dass Felder und Wiesen während der Vegetationszeit nicht betreten werden durften, war früher jedem wegen der allgemeinen Nähe zur Landwirtschaft selbstverständlich. Jedem Geocacher heute auch?

Mehr Wissensvermittlung

Naturerhalt sei durch das Volksbegehren zu einem öffentlichen Thema geworden, sah es Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz erst einmal positiv. Daraus müsse aber "ein besseres Naturdenken, mehr Wissensvermittlung über die Natur im Unterricht" folgen, sagte Dittmann und verwies auf Oehmes Unterfangen, Schulklassen zu "Hummelfreunden" zu machen, indem er in diesem Jahr schon 16 Klassen mit der Lebensweise dieser Insekten vertraut machte. Der wiederum betonte die Ökoleistung der Bauern: "Die Bienen sind nur zu retten, wenn die Bauern gerettet werden."

Ein Weg dorthin führt nach Johannes Mohr, dem Verantwortlichen für die Kreisentwicklung, über eine zielführende Subventionierung der Landwirtschaft. Sie müsse zum Beispiel bei Äckern in Überschwemmungsgebieten entfallen, dafür müsse der Bauer mit Wässerwiesen für seinen Aufwand und Ertragsverlust mehr erhalten.

Für Mohr liegt das Problem tiefer. Wenn man einen längeren Zeitraum anschaue, habe der Naturschutz nach bestem Wissen gewerkelt. "Blühstreifen, Feldermauskästen - ist das die Lösung?", fragte er provokant und forderte mehr Ehrlichkeit in der Diskussion samt Abschied von liebgewonnenen Theorien, die das Grundgesetz der Natur vom stetigen Wandel, vom planvollen Chaos ausblenden würden. Man müsse den Naturschutz als Menschenschutz verstehen, immer im Hintergrund dabei: "Zerstörte Ökologie zerstört die Ökonomie."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren