LKR Forchheim
Gesundheit

Kreis Forchheim braucht Fachkräfte für die ambulante Pflege

Der Landkreis Forchheim ist im Bereich Pflege weitgehend gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen dringend Handlungsbedarf besteht. Das steht in einem Bericht des Bamberger Instituts "Modus".
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Quelle: Erhebung vom Modus-Sozialforschung zum 30.06.2012; Grafik: Tanja Friedrich, FT
Quelle: Erhebung vom Modus-Sozialforschung zum 30.06.2012; Grafik: Tanja Friedrich, FT
Wohin mit den Pflegebedürftigen? Damit diese Frage im Jahr 2030 kein unlösbares Problem darstellt, sind die Kommunen angehalten, den Bestand und den Bedarf an Pflege-Einrichtungen und -Diensten zu ermitteln. Und entsprechend zu handeln. Erstmals wurde ein solcher Bericht 2002 angefertigt, jetzt wurde ein zweiter erstellt. Manfred Zehe von der damit beauftragten Bamberger Einrichtung "Modus" (Institut für angewandte Wirtschafts- und Sozialforschung) präsentierte dieses "Seniorenpolitische Gesamtkonzept" in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses.

Sein Bericht offenbart, dass der Landkreis Forchheim im Bereich Pflege derzeit sehr ordentlich dasteht. Den größten Handlungsbedarf gibt es bei der ambulanten Pflege. "Hier ist ein weiterer Ausbau sinnvoll und notwendig", betont Zehe und verweist darauf, dass die Stellenzahl für ambulante Pflegekräfte (78,2) aktuell nur knapp über dem Mindestbedarf (77,9) liege und vom Maximalbedarf (140,7) weit entfernt sei. Die Lücke zu schließen, sei auf Grund des Mangels an Fachkräften sehr schwierig.

Überversorgung möglich
Ganz anders das Bild bei der Tagespflege, wo sich die Zahl der Pflegeplätze in den vergangenen fünf Jahren verneunfacht hat: Hier übertrifft der Ist-Wert an Pflegeplätzen (87) sogar den Maximalbedarf (59). Die Auslastung sei zwar mit 85 Prozent gut, doch in diesem Bereich könne es leicht zur Überversorgung kommen. Keine wesentliche Veränderung im Vergleich zu 2012 gab es bei der Kurzzeitpflege. Hier sind vier Plätze immer vorgehalten und bis zu 36 kommen hinzu, sofern sie nicht anderweitig belegt sind. Dies sei letztlich ausreichend.

Die Zahl der Plätze für stationäre Pflege hat sich in den letzten 16 Jahren verdreifacht, wobei der Landkreis Forchheim nicht mehr so viele Nachbarlandkreise mitversorgt wie früher. Der Bestand (1073) reicht hier an den Maximalbedarf (1077) heran, was laut Zehe auch notwendig sei, "weil gerade die Zahl an Hochbetagten ansteigen wird".

Über die Ergebnisse diskutierten die Kreisräte gemeinsam mit dem Fachbeirat für soziale Angelegenheiten leidenschaftlich. Der SPD-Fraktionssprecher Jürgen Kränzlein kritisierte Zehes Hinweis auf eine Effektivitätssteigerung, da die Zahl der Pflegenden nicht so stark gestiegen sei wie die der Pflegebedürftigen. Er habe das keineswegs euphemistisch gemeint, erklärte der "Modus"-Mann. "Das ist eben politisch so gewollt." Das Gleiche gelte für die Tatsache, dass es inzwischen deutlich weniger Menschen gibt, die in der Pflegestufe 2 und 3 eingruppiert sind. Zehe: "Das heißt nicht, dass der Pflegebedarf gesunken ist, sondern die Kriterien für die Einstufung wurden verschärft."

Konsequenzen fraglich
Mit vielen weiteren Einwänden (Karl Waldmann von den Grünen: "Es ist ja gar nicht klar, in welche Richtung es bei der Pflege geht, etwa was die Bedeutung von häuslichen Netzwerken betrifft") und allgemeiner Kritik (Awo-Geschäftsführerin Lisa Hoffmann: "Ich wünsche mir Konzepte von der Bundespolitik, die häufiger Pflege zu Hause ermöglicht") nahm der Ausschuss den Bericht letztlich zur Kenntnis. Welche praktischen Schlüsse daraus gezogen werden, bleibt abzuwarten.
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