Poxdorf

Biber-Dilemma in Franken: Bedrohte Tiere bedrohen ICE-Verkehr

Poxdorf in Mittelfranken hat ein Biber-Dilemma. Die Tiere sind geschützt. Doch das Aufstauen des Kreuzbachs durch ihre Dämme könnte das ICE-Gleis der Bahnstrecke Nürnberg - Bamberg gefährden.
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Der Biber hat in Mittelfranken einen Baum gefällt. Seine Dämme in einem Fluss bei Forchheim können zum Problem werden: Bei Überschwemmungen ist die ICE-Strecke München-Nürnberg betroffen. Foto: Dagmar Niemann
Der Biber hat in Mittelfranken einen Baum gefällt. Seine Dämme in einem Fluss bei Forchheim können zum Problem werden: Bei Überschwemmungen ist die ICE-Strecke München-Nürnberg betroffen. Foto: Dagmar Niemann
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ICE-Strecke München-Berlin durch Biber bedroht - Dämme können Zugverkehr lahmlegen: Die Biber dringen in das Wohngebiet von Poxdorf vor. Diese Mitteilung des Bürgermeisters rief bei Räten und Zuhörern Schmunzeln hervor. In einem ausführlichen Bericht fasste Paul Steins (CSU) dann zusammen, was er seit 2014 in der "Sache mit den Bibern" erlebt habe und wie er weiter vorzugehen gedenke. Der Biber droht die ICE-Strecke München-Berlin lahmzulegen.

Biber sind kluge, nachtaktive Nagetiere, die im 19. Jahrhundert fast ausgerottet worden sind. Dank intensiver Schutzmaßnahmen ist es inzwischen gelungen, ihre Population wieder zu erhöhen. In den Landkreisen achten die Umweltbehörden darauf, dass das geschützte Tier nicht erlegt wird und seiner die Landschaft gestaltenden Tätigkeit unbeeinträchtigt nachgehen kann.

Biber geraten mit Menschen in Konflikt

Biber bauen Burgen und Dämme, fällen Bäume und stauen Bäche auf. Dadurch schaffen sie für viele Pflanzen und Tiere einen geeigneten Lebensraum, geraten aber auch mit den Menschen in Konflikt, da sie Überschwemmungen, Straßenunterspülungen und Schwachstellen in Hochwasserschutzdeichen verursachen können.

Der Poxdorfer Bürgermeister kann davon ein Lied singen. Seit seinem Amtsantritt 2014 halten ihn die Biber in Trab. Inzwischen sei er, wie er selbst sagt, eine Art Biberspezialist geworden. Er betont, dass er nichts gegen die erfindungsreichen Tiere habe. Aber er wolle verhindern, dass sie in seiner Gemeinde Schaden anrichten.

Von der Regnitz in den Kreuzbach

Die Biber im Poxdorfer Kreuzbach sind aus der Regnitz zugewandert. Den Durchlass unter dem Bahndamm nutzend, arbeiten sie sich mit der Zeit immer näher an das Wohngebiet heran. Sie bewegen sich bachaufwärts, ganz entgegen ihrer sonst von den Naturschützern beobachteten Gewohnheit. Da sie - Greifvögel und wildernde Hunde ausgenommen - keine natürlichen Feinde mehr haben, vermehren sie sich stark.

Im Kreuzbach bauen sie emsig immer neue Dämme; zuletzt waren es auf Poxdorfer Flur elf Stück. Nachdem diese Mitte Oktober in viertägiger Arbeit und unter Einsatz eines gemieteten großen Baggers wieder einmal vom Bauhof der Gemeinde entfernt worden waren, musste Paul Steins am 1. Dezember feststellen, dass alle Dämme wieder neu errichtet worden waren. Zwar sagt der zuständige Biberbeauftragte der Unteren Naturschutzbehörde in Forchheim, Biber hätten in der Wohnbebauung nichts zu suchen, doch der Besitzer einer Baumschule im Aibweg stellte kürzlich fest, dass den Bibern seine jungen Bäumchen sehr gut munden; eine große Anzahl war angeknabbert oder durchgebissen worden. Der Baumschulbesitzer kann den Schaden anmelden und Entschädigung erwarten.

Biber-Dämme bedrohen ICE-Strecke

Die Gemeinde dagegen ist verpflichtet, die Biberdämme wegzuräumen; sie muss dafür pro Jahr circa 10.000 Euro berappen. Sie muss das tun, um zu verhindern, dass ein Aufstauen des Kreuzbachs unter Umständen das ICE-Gleis der Bahnstrecke Nürnberg - Bamberg gefährden könnte. Das war im März 2019 geschehen, als ein Biberdamm den Durchlass unter dem Bahndamm verstopfte, Signalleitungen abgerissen in der Luft hingen und der Bahnverkehr vorübergehend gestoppt werden musste. Ein Ausweg aus dem Biber-Dilemma ist vorerst nicht in Sicht; der Biberbeauftragte sagt, man müsse die Tiere weiter beobachten.

Nicht nur die Probleme mit den Bibern im Kreuzbach, sondern auch die Brandschutzsanierung der Schule waren die Themen, die die Gemeinderäte von Poxdorf in der letzten Sitzung des Jahres beschäftigt haben.

Altlast in der Schule

Eine Altlast ist die Brandschutzsanierung der Schule. 1994, als der Neubau der Schule für 6,4 Millionen DM errichtet wurde, hatte man die Decke des Obergeschosses über einer schon bestehenden Decke eingezogen, und zwar so, dass zwischen den beiden Decken ein circa 30 Meter langer Zwischenraum von 40 Zentimetern bis zu einem Meter Höhe entstand. Darin wurden Leitungen, Rohre und Kabel untergebracht. War dies schon Pfusch, wie der Bürgermeister sagt, so gilt dieses Urteil erst recht dafür, dass die diesen Zwischenraum durchziehenden Stahlträger nicht gegen Feuer geschützt wurden. Das muss jetzt nachgeholt werden. Die Stahlträger müssen mit einer Schutzlackierung gestrichen werden, und es müssen Brandschutzmelder installiert werden. Da sich ein Mensch normaler Größe in dem Zwischenraum nicht bewegen kann, um zu den Stahlträgern zu gelangen, bleibt nichts anderes übrig, als in die Wände der gerade neu gestrichenen Klassenzimmer Öffnungen einzulassen. Der Abschluss der Sanierung wird sich deshalb noch ein wenig verzögern, was den Bürgermeister einigermaßen frustriert.

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