Dormitz

Kreis Forchheim: Baufirmen picken sich lukrativste Ausschreibungen heraus

Die hohe Auslastung führt zu überhöhten Preisen bei den Angeboten der Baufirmen. Dies bekommt die Gemeinde Dormitz aktuell zu spüren bei einer notwendigen Kanalsanierung.
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Die neue Aussegnungshalle war in der ablaufenden Legislaturperiode eines von vielen Projekten, das der Gemeinderat auf  den Weg gebracht hat.   Foto: Karl Heinz Wirth
Die neue Aussegnungshalle war in der ablaufenden Legislaturperiode eines von vielen Projekten, das der Gemeinderat auf den Weg gebracht hat. Foto: Karl Heinz Wirth

Der flächendeckende Ausbau mit Glasfaser bis ins Haus sei eine der zentralen Herausforderungen in der Gemeinde Dormitz, sagte Bürgermeister Holger Bezold (FW) in der Gemeinderatssitzung. Bereits 2019 hatte Bezold Kontakt mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser aufgenommen in Bezug auf einen eigenwirtschaftlichen Ausbau für die Gemeinde. Wie genau eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Deutsche Glasfaser aussieht und welche Voraussetzungen dafür erforderlich sind, erläuterten die Vertreter des Unternehmens, Isabell Scherer und Gernot Nürnberger, im Gremium. Um die Gemeinde möglichst flächendeckend mit einem Glasfasernetz zu versorgen, werde zuerst ein Gesamterschließungskonzept erstellt, erklärte Gernot Nürnberger. Die Bürger würden in Veranstaltungen informiert, um eine Mindestzahl von Verträgen für einen wirtschaftlichen Ausbau zu erzielen. Für die Bürger, die sich während der Nachfragebündelung für einen Glasfaseranschluss entscheiden, sei der Anschluss kostenfrei, sagte Scherer. "Durch den privatwirtschaftlichen Ausbau", ergänzte Bezold, "vermeiden wir lange Förderverfahren, Risiken und finanzielle Eigenanteile." Voraussetzung ist, dass 40 Prozent der Haushalte die Internetversorgung über die Deutsche Glasfaser beziehen. Das Gremium wird sich zeitnah mit der "Vereinbarung zur Wegenutzung" in einer nichtöffentlichen Sitzung befassen.

Maroder Regenwasserkanal

In der Kirchenstraße ist der Regenwasserkanal derart marode, dass eine Reparatur unwirtschaftlich ist, wurde mittels einer Kamerabefahrung durch das Planungsbüro Gaul festgestellt. In der Ratssitzung im April 2019 war die Planungsleistung für den Kanalbau aufgrund einer Kostenschätzung in Höhe von 100.000 Euro vergeben worden. Da dort auch die Wasserleitung durch die Stadtwerke Erlangen erneuert werden muss, erfolgte nun, um Synergieeffekte zu nutzen, eine gemeinsame Ausschreibung für den Kanal- und Wasserleitungsbau. Es wurden acht Unternehmen angefragt und zwei Angebote wurden abgegeben. Bei der Nachprüfung betrug das wirtschaftlich günstigste Angebot 284.540 Euro für circa 60 Meter Kanal- und Wasserleitungsbau. Damit liegen die Kosten 66 Prozent über der Kostenberechnung von 180.000 Euro der Planer. "Wie kommt eine solche Kostenmehrung zustande", fragte Karlheinz Thaler (ÜWB). "Die hohe Auslastung der Unternehmen führt zu überhöhten Preisen bei den Angeboten der Baufirmen", berichtete der Bürgermeister. Die wenigen Firmen, die noch ein Angebot abgeben, würden sich die lukrativsten Ausschreibungen heraussuchen. Der Gemeinderat stand somit vor der Entscheidung, den Auftrag zu vergeben oder die Ausschreibung aufzuheben. Bei einer Aufhebung würde sich die Bauzeit verlängern, und niemand kann sagen, ob sich die Marktsituation zeitnah ändern würde. So beschlossen die Räte einstimmig, die Kanalsanierung an den wirtschaftlichsten Anbieter, das Unternehmen Rotec-Rohrtechnik aus Erlangen, zu vergeben.

Irritation über Schützenverein

Zu Irritationen führte der Antrag der Schützenfreunde auf Nachbezuschussung für den Umbau des Schützenstands. Die Vereinsführung hatte die Erhöhung der Bezuschussung damit begründet, dass sich der Sachkostenaufwand, die Berechnungsgrundlage, auf 75.868 Euro erhöht habe und man von der Gemeinde den Betrag von 7568 Euro bekomme. Da die Gemeinde für die Vereine keine Förderrichtlinie hat, soll, um in Zukunft einheitlich und der Mitgliederzahl entsprechend zu entscheiden, eine Förderrichtlinie erarbeitet werden, beschloss das Gremium. Mehrheitlich befürworteten die Räte unter Berücksichtigung der bereits erfolgten Auszahlung von 5000 Euro den Betrag von 2568 Euro gegen Nachweis der beglichenen Rechnungen.

Rückblick des Gremiums

"Die Arbeit des Gemeinderats in den letzten fünf Jahren kann sich sehen lassen", meine Karlheinz Thaler, als das Gremium die vergangenen Jahre Revue passieren ließ. Er erinnerte an die Sanierung der Nepomukbrücke und an die Friedhofsgestaltung, die mit der Fertigstellung und Einweihung der neuen Aussegnungshalle einen vorläufigen Abschluss fand. Der Erhalt und die Pflege von Kindergarten und Krippe werden auch weiterhin ein Anliegen des Gemeinderats sein, ebenfalls der Neubau des Kindergartens im Veilchenweg. Ein besonderes Ereignis der vergangenen Jahre war das Ortsjubiläum 875 Jahre Dormitz 2017. Nicht zu vergessen so Bezold, sei die Anschaffung des Feuerwehrautos, die Erweiterung der Ferien- und Mittagsbetreuung, das Gewerbegebiet Langenau und ein enormer Abbau der Schulden. "Wir haben in den fünf Jahren circa 30 Millionen Euro umgesetzt und acht Millionen Euro investiert", berichtete der Bürgermeister. "Wir haben eine Pro-Kopf-Verschuldung von 160 Euro. Der Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden liegt bei circa 600 Euro", verkündete der Gemeindechef und bilanzierte: "Trotz aller Widrigkeiten haben wir im Gemeinderat gut zusammengearbeitet. Die Beschlüsse wurden zu 90 Prozent einstimmig gefasst und damit in der vergangenen Legislaturperiode vieles bewegt."

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