Igensdorf
Energieversorgung

Kreis Forchheim: Balkonkraftwerk-Tester über Nacht

Um Mietern regenerative Stromerzeugung zu ermöglichen, gibt es Balkonkraftwerke. Über Nacht ist eine Igensdorferin zum Tester geworden.
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Thomasz und Kamil hieven das Modul auf das Dach. Foto: Petra Malbrich
Thomasz und Kamil hieven das Modul auf das Dach. Foto: Petra Malbrich
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"Probiere es aus! Kostenlos natürlich." Ein solches Angebot macht in der Regel nur jemand, der von einer Sache völlig überzeugt ist, und er hat auch mich davon überzeugt. Dieser Jemand ist Willi Harhammer, Chef der Firma Ikratos, und so wurde ich überraschend und quasi über Nacht zum Tester eines Balkonkraftwerks, eines Sunpower-320-Watt-Moduls. Seit gut zehn Jahren gibt es diese Balkonkraftwerke. Sie sind aber erst seit 2017 offiziell erlaubt und werden meist "schwarz" aufs Dach gebaut. Schwarz deshalb, weil auf der Fläche nicht wie bei den früheren Solarmodulen die silberfarbenen Gitter zu sehen sind, sondern das Modul ganzflächig schwarz schimmert. Das Solarmodul ist vor allem für Mieter die ideale Lösung, um die Sonnenstrahlung in Strom für den eigenen Hausgebrauch nutzen zu können - und zwar dann, wenn der Vermieter keine PV-Anlage auf dem Dach haben möchte. Das Modul wiegt 16 Kilo, kostet 500 Euro und kann durchaus von jedem selbst zum gewünschten Standort getragen werden. Das einzige, was benötigt wird, ist ein "unverwechselbarer" Stecker, ein sogenannter Wieland-Stecker. Deutschlandweit sind 60.000 dieser Balkonkraftwerke zur Stromerzeugung im Einsatz - seit vier Wochen auch meins.

Monteure auf dem Dach

Ikratos-Monteur Thomaz Gapsky und sein Sohn Kamil, der Azubi in der Firma ist, vollbrachten eine Meisterleistung. Bei Temperaturen um die 40 Grad stiegen sie mehrmals die Leiter hoch zum Dach. Der Zeitpunkt war insofern ideal: Die Sonne strahlte intensiv, die Digitalzahlen des ebenfalls gesponserten Power-Meters kletterten in die Höhe. 281 Watt zeigte das Messgerät an, und selbst vor einer Woche, als es am Himmel längst nicht nach Sonne aussah, blickten mir 240,2 Watt entgegen. Vor allem der erste Wert veranlasste Willi Harhammer zu einem anerkennenden Kopfnicken. "Das ist ein Spitzenwert", lobte Harhammer. Denn die angegebene Einheitsgröße 320 Watt auf dem Modul ist die Spitzenleistung ("Peak"). Das ist vergleichbar mit dem Tachometer eines Autos. Steht dort 320 km/h, kann oder wird man diese angegebene Maximalleistung nicht fahren. 270 Watt wäre dementsprechend die Normalleistung des Sunpowermoduls. Willi Harhammer prophezeite mir angesichts des hohen Wertes einen Wert über 300 Watt im Winter. Gerade weil es kälter ist. "Je kälter es ist, desto mehr liefert das Modul. Bei kaltem, klarem Wetter produziert es am meisten", sagt Harhammer. Denn Kälte macht die Siliziumscheiben leitfähiger, der elektrische Strom fließt bei Kälte besser.

Blick in den Keller

Ein Blick in den Keller zeigte beinahe einen Stillstand des Stromzählers an. Dort dreht sich in der Regel immer ein Rädchen gemächlich im Kreis - mal schneller, mal langsamer. Manche Geräte sind eben immer in der Steckdose und ziehen Strom - der Kühlschrank beispielsweise oder ein Dämmerungsschalter. Die Grundlast des Stromverbrauchs wird durch das Modul abgedeckt. Auch bei dem Igensdorfer Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) stand in diesen Tagen das Zählerrädchen still. Er hatte sich zwei dieser Balkonkraftwerke geholt. Bis 600 Watt ist es erlaubt, an die Steckdose anzuschließen. "Ich hatte schon befürchtet, dass es bald rückwärts läuft und ich zum Unternehmer werde", meint Rast. Doch Harhammer winkt ab. Das Balkonkraftwerk muss der Bundesnetzagentur und dem Energieversorger gemeldet werden. Dieser entscheidet, ob er den Zähler belässt oder austauscht. Rückwärtszählen wird der Zähler nicht, sondern man speist gegebenenfalls ins Netz ein.

Ins Netz einspeisen

"Sobald man ins Netz einspeist, aber kein Geld verlangt, ist man auch kein Unternehmer. Man schenkt den Strom her", erklärt Harhammer. Der Sonne hinterherlaufen und das Modul je nach Sonnenstand im Garten woanders aufzustellen, lohne sich nicht. Schon in kurzer Zeit hat sich das Modul amortisiert. Für Willi Harhammer ist es eine leichte Rechnung. Die 250 Kilowattstunden im Jahr mit 30 Cent multipliziert, macht 75 Euro. Die Gesamtkosten 500 Euro geteilt durch die 75 Euro, macht 6,6 Jahre, bis die Kosten des Moduls eingespart sind. Von da an sind die 75 Euro die tatsächliche jährliche Einsparung. Alleine in den vergangenen vier Monaten hat Harhammer 150 dieser Module verkauft. Nicht nur der Mieter hat mit dem Balkonkraftwerk den Vorteil, dass es auch in ein Umzugsauto passt. Vom Kofferraum aus wird das Modul auf den Balkon, das Garagendach oder aufs Hausdach gebracht.

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