Neunkirchen am Brand
Schwimmen

Kreis Forchheim: Als sicherer Schwimmer den Sommerferien entgegen

Dass Kinder als sichere Schwimmer in die Sommerferien starten, das ist der Wunsch der Wasserwacht. Neunkirchen am Brand hat bei der bayernweiten Aktion doppeltes Glück.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Abschleppen wird im Neunkirchener Freibad geübt. Foto: Petra Malbrich
Das Abschleppen wird im Neunkirchener Freibad geübt. Foto: Petra Malbrich
+6 Bilder

Die Viertklässlerin stellt sich auf dem Ein-Meter-Sprungturm in Position. Leicht gebeugt, die Hände kopfüber ausgestreckt, bereit für den Köpfer im Schwimmerbereich des Neunkirchener Freibads. Ein Mann von der Wasserwacht steht neben ihr und gibt Hilfestellung. Dann springt sie und schwimmt sicher weiter. Zum Wochenbeginn hat das noch anders ausgesehen, doch nun hat das Mädchen seine Hemmungen überwunden. "Die Schüler sollen erleben, dass man trainieren kann", sagt Marianne Ascher-Mehl. Sie war Sportlehrerin und ist für die Ausbildung der Wasserwacht-Schwimmlehrer in Oberfranken verantwortlich. Auch das bayernweite Projekt der Wasserwacht "Bayern schwimmt", das in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium vom 15. bis 19. Juli durchgeführt wird, betreut Ascher-Mehl in Neunkirchen am Brand - hier aus organisatorischen Gründen schon eine Woche früher. Ziel der Aktion ist es, möglichst viele Viertklässler im Freistaat Bayern so zu unterstützen, dass sie ein Schwimmabzeichen ablegen können, bestenfalls das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Denn möglichst viele Viertklässler sollen als sichere Schwimmer in die Sommerferien starten.

Ertrinken verhindern

Tod durch Ertrinken soll verhindert werden, auch dadurch, dass man weiß, wie man einen anderen im Wasser retten kann. 70.000 aktive Wasserwachtler sind dafür in ganz Bayern im Einsatz. Jährlich leistet die Wasserwacht rund 7000 Einsätze und gut 10.000 Kinder lernen bei der Wasserwacht jährlich das Schwimmen. Auch die Neunkirchener Wasserwacht beteiligt sich an der Aktion. Diese Aktion flächendeckend durchzuführen, ist gar nicht so einfach. "Wer darf ein gesamtes Bad benutzen?", nennt Ascher-Mehl eine Schwierigkeit. Genug Personal für die Aktion zu finden, ist die zweite Hürde. Neunkirchen am Brand hat großes Glück: Denn der Markt unterstützt diese Aktion und überlässt das Bad vor den Öffnungszeiten den Rettungsschwimmern der Wasserwacht.

Beinbewegung wie ein Frosch

Drei von ihnen haben den Lehrschwimmschein und stehen Marianne Ascher-Mehl zur Seite, um mit den insgesamt 72 Schülern der drei vierten Klassen zu üben. Die Übungen sind in Stationen unterteilt. Im Nichtschwimmerbereich ist ein Schüler, der mit einer Schwimmnudel die richtigen Beinbewegungen übt. Thomas Merkt von der Wasserwacht erklärt ihm vom Beckenrand aus, wie das geht und nennt den Frosch als Beispiel für die richtige Beinarbeit. Zwei Mädchen und drei Jungen warten ebenfalls im Nichtschwimmerbecken, um das Abschleppen zu lernen. Wer das Schwimmabzeichen in Gold absolvieren will, muss abschleppen können. Die beiden Mädchen bekommen eine Abschleppübung, bei der sich eine um den Hals der anderen hängt. "Das geht nur, wenn das Mädchen noch nicht in Panik ist", erklärt die Schwimmlehrerausbilderin. Der Retterin würde sonst der Hals zugedrückt werden. Die meisten Schüler haben bereits ein Abzeichen und möchten das nächsthöhere erreichen. "Man sieht hier das Engagement der Lehrerin", lobt Ascher-Mehl die Sportlehrerin Bettina Lang, die als Sportbeauftragte auch die Schwimmlehrerberechtigung hat. Diese ist Voraussetzung, um den Schülern im Schulunterricht Schwimmen beizubringen. In ihrer Klasse gibt es nur einen Nichtschwimmer.

14 Schüler haben Defizite

In den anderen vierten Klassen der Grundschule in Neunkirchen sieht das anders aus. Da sind 14 Schüler dabei, die nicht alle durch das Nichtschwimmerbecken schwimmen können. Der Haken ist der Schwimmunterricht selbst. Nur zehn Mal im Jahr können die Neunkirchener Grundschüler das Hallenbad in Spardorf für den Sportunterricht nutzen. "Im Spaßbad toben die Kinder und schwimmen kleinere Strecken. Doch das ausdauernde Schwimmen trainieren sie nicht", sagt Ascher-Mehl. So sollten beispielsweise auch Kinder mit dem Seepferdchen-Abzeichen nicht unbeaufsichtigt im tiefen Becken schwimmen. Wenn das Kind Wasser schluckt und wild um sich schlagend in Panik gerät, droht Gefahr. "Wenn ein sicherer Schwimmer Wasser schluckt, gerät er nicht mehr in Panik", sagt Ascher-Mehl. Die Schüler haben inzwischen ihre nächste Station ausgesucht. Springen, Tieftauchen und Streckentauchen stehen auf dem Programm. "Diese Schüler sind super-sichere Brustschwimmer", lobt Thomas Merkt seine Gruppe.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren