Forchheim
Interview

Kostet in der Apotheke bald auch schon die Beratung?

Apotheker könnten künftig auch schon für die Beratung Geld vom Kunden verlangen. Der Forchheimer Christian Bleile verteidigt diese Überlegung.
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Künftig nicht mehr kostenlos? Der Forchheimer Apotheker Christian Bleile (l.) berät einen Kunden. Foto: Herbst/Archiv
Künftig nicht mehr kostenlos? Der Forchheimer Apotheker Christian Bleile (l.) berät einen Kunden. Foto: Herbst/Archiv
Mit der Neuordnung der Vergütung versucht der Deutsche Apothekerverband zu verhindern, dass auf dem Land immer mehr Apotheken dichtmachen. Kassen könnten künftig dafür bezahlen müssen, wenn ihre Mitglieder sich in einer Apotheke bezahlen lassen.

Ende September werden Vorschläge wie dieser auf dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf diskutiert werden. Christian Bleile ist Pressesprecher für den Apothekerverband im Landkreis Forchheim. Er rechtfertigt die Überlegungen des Verbands.

Kostet bald schon die Empfehlung eines bestimmten Kopfschmerzmittels Geld?
Christian Bleile: Diese Beratungen sind damit sicher nicht gemeint. Ich bin sicher, dass ein Apotheker auch weiterhin darüber aufklärt, wie ein Medikament wirkt. Aber die Apotheken befinden sich einfach im Wandel. Gerade viele ältere Leute benötigen mehr Medikamente. Und komplizierte Krankheitszustände erfordern komplexe Medikamente.

Was bedeutet das für Apotheker?
Bei dem Vorschlag des Apothelerverbands geht es mehr um ein Medikationsmanagement, um Wechselwirkungen zu erkennen und diesbezüglich richtig zu beraten. Das kann sehr zeitaufwendig sein und schon einmal 30 Minuten dauern.

Dafür erhält der Apotheker doch eine fixe Vergütung auf verschreibungspflichtige Medikamente. Reicht das nicht aus?
Alleine von der Vergütung, die bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sechs Euro pro Verpackung beträgt, zu leben, ist mittlerweile schwierig. Das geht nur dadurch, dass Apotheken heute auch freiverkäufliche Produkte verkaufen.

Geht es also nur darum, dass Apotheken besser verdienen?
Nehmen wir als Beispiel die Herstellung einer Salbe nach vorgegebener Rezeptur. Der Apotheker hat nun die Pflicht, einen Plausibilitätscheck der Inhaltsstoffe zu machen. Er muss seit vergangenem Jahr darüber einen Nachweis führen und zusätzlich ein Herstellungsprotokoll erstellen. Er muss aufzeigen, ob es sinnig ist, die angegebenen Inhaltsstoffe in einer Salbe zu verrühren, was eingerührt wird und wie lange.

Und?
Zeitaufwendiges Qualitätsmanagement wird zum Standard. Stellt man nun den Aufwand, die Laboreinrichtung und die Arbeitszeit der Mitarbeiter den sechs Euro Vergütung gegenüber, ist dies nicht stimmig. Sinnvolle Arbeit wird hier nicht sinnig vergütet. Der Apotheker hat die Pflicht, diese Aufgabe zu erledigen. Er darf sie nicht ablehnen.

Muss deshalb die Vergütung allgemein neu geregelt werden?
Der jetzige Weg führt in eine Sackgasse, da der Aufwand pro Rezept enorm gestiegen ist. Als Apotheker halte ich es für sinnvoll, den zementierten Weg der Pro-Verpackungs-Vergütung zu verlassen und nachzudenken, wie man eine Vergütung aufwandsgerechter festsetzen kann. Die 08-15-Beratung reicht in den meisten Fällen künftig nicht mehr aus.

Die Fragen stellte Petra Malbrich.
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