Neunkirchen am Brand
Jubiläum

Kolpingsfamilie in Neunkirchen am Brand blickt auf 70 Jahre zurück

Die Kolpingsfamilie St. Josef Neunkirchen am Brand blickt auf 70 Jahre zurück. Sie ist eine lebendige Gemeinschaft, in der viele Verantwortung übernehmen.
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Der Gottesdienst zur 70-Jahr-Feier  der Kolpingsfamilie in der Pfarrkirche St. Michael in Neunkirchen am Brand  Foto:  Laura Grau
Der Gottesdienst zur 70-Jahr-Feier der Kolpingsfamilie in der Pfarrkirche St. Michael in Neunkirchen am Brand Foto: Laura Grau

Mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael begann die Feier zum 70. Gründungsjubiläum der Kolpingsfamilie in Neunkirchen am Brand. Der Präses Joachim Cibura konnte dazu den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und mehrere Mitbrüder begrüßen. Der Bischof war gekommen, um mit den Kolpingschwestern und -brüdern die Eucharistie zu feiern. In seiner Ansprache betonte Schick die Bedeutung der Kolpingsfamilie im Leben der Pfarr- und Marktgemeinde Neunkirchen. Kolpingsfamilien seien Geschwister-, Gebets- und Glaubensgemeinschaften. "In allen Lebenslagen leisten sie Hilfe und teilen Freud und Leid, sie feiern gemeinsam Gottesdienste und beten im Alltag. Als Glaubensgemeinschaft sind Kolpingschwestern und -brüder in der Liebe tätig. Ihr Glaubenszeugnis ist Werbung für Jesus Christus", erklärte der Erzbischof. Kolpingsfamilien seien heute so wichtig wie vor 170 Jahren, als der selige Adolph Kolping seine Gesellenvereine gründete. Er selbst sei seit über 50 Jahren Kolpingsbruder. Die Kolpingsfamilie Neunkirchen, die mitgliederstärkste in der Erzdiözese, solle auch in Zukunft für die Werte des Christentums stehen.

Weitere Ehrengäste

Im Anschluss an den Gottesdienst begrüßte der Vorsitzende Rainer Obermeier im katholischen Pfarrgemeindehaus Adolph Kolping viele Mitglieder und weitere Ehrengäste: den Forchheimer Landrat Hermann Ulm (CSU), Bürgermeister Heinz Richter (FW), Diözesanpräses Wilfried Wittmann, Abt Beda Maria Sonnenberg, Ehrenpräses Veit Dennert und den ehemaligen Präses Peter Brandl.

Nach einem gemeinsamen Abendessen bot die Kolpingjugend eine Gesangseinlage. Die Saxofongruppe der Jugend- und Trachtenkapelle umrahmte das Programm musikalisch.

Rückblick auf die Geschichte

Der Ehrenvorsitzende Wilhelm Geist ließ in seiner Jubiläumsansprache die Historie der Neunkirchener Kolpingsfamilie Revue passieren. Bereits 1857 trat der Seilergeselle Konrad Körber dem Gesellenverein in Bamberg bei. Bei seiner Wanderschaft begegnete er im Jahr 1859 dem Gesellenvater Adolph Kolping in Köln persönlich, dies ist durch den Eintrag in seinem Wanderbuch nachgewiesen.

Auch das katholische Vereinswesen in Neunkirchen hat eine lange Tradition. Bereits im Jahr 1907 wurde der Katholische Arbeiterverein aus der Taufe gehoben. 1913 ist unter dem damaligen Pfarrer Georg Lochner daraus der Katholische Männerverein St. Josef hervorgegangen. Der Josefsverein entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der stärksten Vereine in Neunkirchen. Im Protokollbuch ist zu lesen, dass am Josefstag 1936 insgesamt , 382 Männer und Jungmänner zum Tisch des Herrn gingen.

Die NS-Zeit

Ein Jahr später, 1937, legte sich der Frost des NS-Regimes über das katholische Vereinswesen in Neunkirchen. Der Verein wurde auf staatliche Anordnung aufgelöst. Der Vorstand musste am Zweiten Weihnachtsfeiertag den Auflösungsbeschluss fassen. Das Vereinsinventar, eine Fahne, ein Harmonium und die Kasse wurden an die Kirchenstiftung übergeben.

Bereits 1948 wollten die ehemaligen Vorstände den Josefsverein wiederbeleben. Doch nach langer Diskussion und unter großem Einsatz von Pfarrer Adam Henkel und Domkapitular Franz Rathgeber wurde bei einer Zusammenkunft beschlossen, eine Kolpingsfamilie zu gründen mit dem Namen "St. Josef". Die Gründungsversammlung fand am 19. März 1949, dem Josefstag, nach dem Festgottesdienst im Saal des "Gasthofs zur Post" statt. Dabei sind 120 Männer der neuen Kolpingsfamilie St. Josef beigetreten.

Das Hauptaugenmerk war auf die Jugendarbeit gerichtet. Als Treffpunkt der Jugend wurde das alte Pfarrheim reaktiviert und zur Anlaufstelle für die Gruppenstunden. Die erste öffentliche Veranstaltung des neuen Vereins war die Weihnachtsfeier am Zweiten Weihnachtsfeiertag im "Post-Saal". Seither gehört diese Feier zum Programm der Kolpingsfamilie. Die Kolpingsfamilie war in der Nachfolge der Gesellenvereine eine reine Männergemeinschaft, zu den Veranstaltungen waren aber auch immer Frauen eingeladen.

Der Josefstag (gesetzlicher Feiertag) war ein Festtag, mit Gottesdienst und Feierstunde und ist er seitdem ein Fixpunkt im Vereinsleben.

In die große Gemeinschaft des Kolpingwerkes fand die junge Familie schnell Zugang durch die Teilnahme an den Festen zu den Jubiläen in Bamberg (95 Jahre), in Forchheim (85 Jahre) und in Herzogenaurach (80 Jahre).

Schnell fester Bestandteil

Auch in Neunkirchen wurde der neue Verein schnell zum festen Bestandteil des Vereinslebens durch die Wiederbelebung einer langen Tradition des Josefsvereins, das Theaterspielen. Mehrere Jugendliche nahmen an Fortbildungen des Kolpingwerkes teil und spielten Theater.

1959 wurde das zehnte Jubiläum gefeiert, mit feierlichen Kirchenzug und Festgottesdienst am Josefstag. Die Festpredigt hielt Diözesanpräses Konrad Nicol aus Nürnberg. Für die neue Jugend- und Trachtenkapelle unter der Leitung von Alfons Maderer war es der erste öffentliche Auftritt.

Für den erkrankten Präses Adam Henkel übernahm der neue Kaplan Alfred Bayer 1962 das Präsesamt, Willi Geist wurde zum Senior gewählt. Im Mittelpunkt der Generalversammlung stand das Thema Neubau eines Jugendheimes. Bürgermeister Hemmerlein legte bereits Pläne vor und sagte seine großzügige Unterstützung zu.

Durch Präses Alfred Bayer erfuhr die Jugendarbeit neue Impulse. Filmvorführungen, Diskussionsabende, Besuche bei ausländischen Gastarbeitern, Aussöhnungskontakte mit Polen, Wanderungen, Fußballspiele bereicherten das Programm.

Die Raumfrage wurde immer dringender, der alte Kindergarten, die Brauhausschule, die Alte Post und der Wirtschaftsgarten am Forchheimer Tor waren über mehrere Jahre die Treffpunkte der Kolpingjugend. Nachdem Ehrenpräses Adam Henkel 1964 in den Ruhestand gegangen war, kam Matthäus Schmittlein als neuer Pfarrer in sein "geliebtes Neunkirchen" und wurde Präses der Kolpingsfamilie.

1970 gab es den ersten adventlichen Nachmittag für alle Senioren der Markt- und Pfarrgemeinde im "Merkel-Saal", bis auf den heutigen Tag gehört dieser Termin zum festen Programm der Kolpingsfamilie. Aus einer anfänglichen Privatinitiative entwickelte sich der traditionelle Martinszug, der auch bis auf den heutigen Tag von der Kolpingjugend in Zusammenarbeit mit dem katholischen Kindergarten durchgeführt wird.

Statuten geändert

1973 hat das Kolpingwerk seine Statuten geändert, für das Amt des Seniors wurde nun das Amt des Vorsitzenden eingeführt. Bei der Versammlung am 20. März 1973 wurde Willi Geist zum Vorsitzenden gewählt. Erstmals wurde ein Bauausschuss gebildet, um den Neubau eines Jugendheimes voranzubringen. Bürgermeister Hemmerlein erklärte, dass er den Rohbau spendieren werde.

1974 begann die Kolpingfamilie ihre Reisetätigkeit mit zwei Busfahrten nach Rom, bis auf den heutigen Tag bietet die Kolpingsfamilie Reisen an, Pilgerfahrten nach Israel, Rom, Lourdes, Fatima und Santiago de Compostela und vieles mehr. 1975 führte in eine neue Epoche: Aus dem Gesellenverein wurde eine Familie, nun gehörten endlich auch die Frauen zum Werk Adolph Kolpings. Neunkirchen nutzte die Chance sofort mit der Gründung eines Frauenkreises, der auch Mitglied im Katholischen Deutschen Frauenbund wurde. Mit Hanni Bail fand sich eine Leiterin, die mit ihren Mitstreiterinnen ein 14-tägiges Programm von hoher Qualität auf die Beine stellte. Auch ein Altenkreis wurde 1975 aus der Taufe gehoben und Gründungsmitglied Anton Grimm konnte als Leiter gewonnen werden. Seit dieser Zeit trifft sich der Seniorenkreis 14-tägig. Die Bemühungen um das neue Haus machten Fortschritte, der Architekt und Kolpingbruder Bruno Rehm hatte die Planung übernommen und die erzbischöfliche Finanzkammer hat den Finanzierungsplan genehmigt. Die Mitgliederzahl war auf 285 gestiegen, dazu hat das umfangreiche Programm beigetragen, welches seit 1973 halbjährlich in gedruckter Form aufgelegt wird und bereits mehrere Ordner füllt.

Die Bauarbeiten am neuen Haus an der Von-Hirschberg-Straße konnten beginnen, viele Mitglieder leisteten freiwilligen Arbeitseinsatz. Am Kolpinggedenktag 1977 erfüllte sich der Traum, und beim großen Weihefest 1978 erhielt das Gebäude seine kirchliche Weihe durch den Landespräses Josef Grabmaier.

Das neue Familien- und Jugendzentrum Adolf Kolping entwickelte sich rasch zu einem Mittelpunkt im Vereinsleben. Alle Kreise und Gruppen hatten nun ein Zuhause, Altes wurde wiederbelebt und Neues kam hinzu. Das Theaterspiel wurde wiederaufgenommen und unter der Regie von Erich Werwein bis auf den heutigen Tag weitergeführt.

1982 trat Präses M. Schmittlein aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Für ihn wurde sein Nachfolger Pfarrer Veit Dennert Präses der Kolpingsfamilie. Von Anfang an stellte der neue Präses die religiöse Komponente des Auftrages von Adolph Kolping in den Fokus seiner Arbeit. Vorträge, Seminare und die monatlichen Präsesabende bereicherten das Programm.

Auf Willi Geist folgten nach zwölf Jahren Gerhard Gaksch und nach weiteren drei Jahren Winfried Hoffmann als Vorsitzende. 1992 wurde mit Anni Werwein erstmals eine Frau zur Vorsitzenden gewählt, für den ehemals reinen Männerverein. Mit viel Begeisterung hat sie den Verein über elf Jahre geleitet.

Zwischenzeitlich hat sich ein neues Zentrum für die Pfarrgemeinde angeboten, das "Post"-Anwesen konnte von der Kirchenstiftung erworben werden. Die Scheune, der alte "Post-Saal", wurde abgerissen und das neue Katholische Pfarrgemeindehaus Adolph Kolping wurde errichtet und 2001 eingeweiht. Nun wieder an der Stelle, an der mit Kolping in Neunkirchen am Brand am Josefstag 1949 alles begann.

2002 trat Präses Veit Dennert nach 20 Jahren seines Wirkens in Neunkirchen am Brand in den Ruhestand. Pfarrer Peter Brandl übernahm das Amt als Präses. Eine neue Sparte wurde 2003 eingegliedert: "Kolping 60 plus". Unter dem Motto "Wer rastet der rostet" unternehmen die rüstigen Senioren immer am Donnerstag eine Wanderung. Winfried Hoffmann übernahm zum zweiten Mal den Vorsitz. Das Familien- und Jugendzentrum ist nun nach mehreren Zwischennutzungen im Besitz der Caritas und wird für die Tagespflege als "Haus Jakobus" genutzt.

2009 wurde Rainer Obermeier zum Vorsitzenden gewählt, bis auf den heutigen Tag leitet er die Kolpingsfamilie. 2017 ging Pfarrer Peter Brandl in den Ruhestand und Pfarrer Joachim Cibura ist der neue Präses.

Einige Höhepunkte im Leben der Gemeinschaft: Drei junge Männer aus der Kolpingjugend wurden zu Priestern geweiht. Norbert Geyer ist heute Pfarrer in Fürth und stellvertretender Diözesanpräses.

Beda Maria Sonnenberg ist Abt im Benediktinerkloster Plankstetten und Michael Polster ist zurzeit Kaplan in Berching.

Die Kolpingsfamilie ist heute eine lebendige Gemeinschaft, in der viele Jugendliche, Frauen und Männer Verantwortung übernehmen und mitarbeiten unter dem Leitwort von Adolf Kolping:

"Tut jeder in seinem Kreis das Beste, wird es auch in der Welt besser aussehen." So erfüllt die Kolpingsfamilie ihren Auftrag als lebensbegleitende christliche Weggemeinschaft, verwurzelt im christlichen Glauben, offen für jedermann, engagiert in Kirche und Gesellschaft.

Aber auch über den Tellerrand hinausschauen, dazu ist die Familie im Internationalen Kolpingwerk eingegliedert, darüber hinaus beteiligen sich die Neunkirchener an mehreren Hilfsprojekten in aller Welt.

Im Rhythmus des Kirchenjahres miteinander leben und feiern, mitarbeiten, helfen und trösten,

das Leben im neuen Seelsorgebereich Neubau und im Markt Neunkirchen am Brand mitgestalten, das kann die Aufgabe für die Zukunft sein.

Im Anschluss an den Jubiläumsvortrag hörten die Besucher ein Gedicht von Anni Werwein in fränkischer Mundart, in dem sie persönliche Erlebnisse mit der Kolpingfamilie vortrug.

Den Abschluss bildete das Kolpinglied sowie ein Dank und Segen von Präses Cibura.

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