Forchheim
Planung

Kolpinghaus-Umbau in Sparversion

OB Uwe Kirschstein (SPD) erläutert seine Vorstellungen zur kulturellen Zukunft des Kolpinghauses. Kein Geld für große Pläne. Verzicht auf Barrierefreiheit.
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Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe "Kulturpuls" ist für Oberbürgermeister Uwe Kirschstein ein Beispiel dafür, dass das Kolpinghaus auch ohne großen Umbau   nutzbar ist. Foto: Archiv Roepert, Graphik Heim
Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe "Kulturpuls" ist für Oberbürgermeister Uwe Kirschstein ein Beispiel dafür, dass das Kolpinghaus auch ohne großen Umbau nutzbar ist. Foto: Archiv Roepert, Graphik Heim
Totgesagte leben länger. Nachdem erst kürzlich der "Kultur-Puls" in ehrenamtlicher Initiative das Kolpinghaus mit einer beispielhaften Veranstaltungsreihe wiederbelebt hatte , schlägt das Herz für die Nutzung des Gebäudes wieder. Seine Vorstellungen zur "Zukunft des Kolpinghauses" erläuterte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) in einem Pressegespräch - und sorgte damit für eine Überraschung: Ja, ein Entwurf für einen Erbpachtvertrag mit Kolping liege vor und müsse nur noch hinsichtlich des Pachtzinses verhandelt werden, betätigt der OB. Nein sagt er jedoch zu einem großen Umbau. Dafür fehle das Geld. Sogar auf einen barrierefreien Ausbau müsse wohl verzichtet werden, erklärt Kirschstein.
Das Improvisationstheater um die Kultur geht also weiter. Zur Erinnerung: Im Wahlkampf 2008 war es die SPD, die sich die Forderung nach einer Stadthalle auf die Fahnen schrieb. Später machte sich der frühere städtische Kulturbeauftragte Dieter George für das Kolpinghaus als Konzert-, bzw. Kulturhalle stark. 2016 wurde der Umbau und die Erweiterung des Kolpinghauses zum Kulturzentrum im Stadtrat behandelt. Man diskutierte über ein Raumkonzept, ohne dass die Eigentumsfrage, ein Betreiberkonzept, geschweige denn die Finanzierung geklärt waren. Strittig war vor allem die Frage, ob Kauf des Gebäudes oder Erbpacht? Zu einem Verkauf des Hauses an die Stadt war der Kolpingverein nicht bereit - Oberbürgermeister riet seinerseits noch im April von einem Erbpachtvertrag ab, da ansonsten Fördermittel verloren gehen könnten. Kirschstein brachte Anfang des vergangenen Jahres die Idee eines Raumnutzerkonzeptes ins Spiel, bei dem die Kultur auf verschiedene Gebäude verteilt wird. Auf Vorschlag des FDP-Stadtrates Stefan Schick sprach man sich für die Empfehlung aus, "mit Kolping eine ähnliche Vereinbarung wie mit dem Jahn zu treffen und einen Betriebskostenzuschuss in Aussicht zu stellen".


Absage an Barrierefreiheit

Dass Oberbürgermeister Kirschstein in seinem aktuellen Pressegespräch jetzt von einem "Erbpachtvertrags-Entwurf " spricht, ist einigermaßen verwirrend. Aber das Impro-Theater ist immer wieder für Überraschungen gut: ganz besonders hinsichtlich der nun offensichtlich stark eingedampften Umbaupläne. Kirschstein bekräftigt zwar, dass das Kolpinghaus nie aus der Diskussion gewesen sei und Nutzungspotenzial biete, was der "Kultur-Puls" bewiesen habe - doch lehnt er teure Umbaumaßnahmen ab: "Ja, wir stehen zum Kolpinghaus als Kulturstätte - aber nicht mit aufwendigen Umbaumaßnahmen". Dafür habe man kein Geld. Dazu zähle auch die Barrierefreiheit. "Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass die beseitigt wird", erklärte Kirschstein unmissverständlich.
Mit Blick auf die vielen offenen Baustellen in der Stadt erklärte der Oberbürgermeister: "Ich kann nicht gleichzeitig ein Rathaus sanieren und ein Kolpinghaus umbauen". Es gehe darum Prioritäten zu setzen. Aus der Rathaussanierung sei eine Umgestaltung geworden - in ein Haus der Begegnung mit Raum für Kultur. Im Sommer 2022 sei die voraussichtliche Fertigstellung und dann habe man auch dort Platz für Veranstaltungen.
Der von der Stadt Beauftragte für Barrierefreiheit, Stadtrat Sebastian Körber (FDP) reagiert mit Unverständnis auf die Äußerungen Kirschsteins: "Kultur muss für alle Menschen erreichbar sein". Außerdem verweist der praktizierende Architekt auf die geltenden Vorschriften: "Wir haben Vorgaben, dass ein Gebäuden gewisse Mindestanforderungen für Barrierefreiheit erfüllen muss - das kann man nicht ignorieren".


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