Forchheim
Medizintechnik

Klinikum Forchheim: Roboterarm ist eine große Hilfe in der Chirurgie

Über 30 Knie- und Hüftoperationen wurden im Forchheimer Klinikum durchgeführt. Die Chirurgen ziehen eine durchweg positive Bilanz, trotz höherer Kosten.
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Während der Chirurg mit dem Roboterarm am offenen Gelenk fräst, überwacht ein Computer  die OP und hilft bei der hochpräzisen Arbeit mit.  Am Donnerstag machte sich auch SPD-MdB Andreas Schwarz (Mitte) eine Eindruck vom "Mako"-System. Foto: Klinikum Forchheim
Während der Chirurg mit dem Roboterarm am offenen Gelenk fräst, überwacht ein Computer die OP und hilft bei der hochpräzisen Arbeit mit. Am Donnerstag machte sich auch SPD-MdB Andreas Schwarz (Mitte) eine Eindruck vom "Mako"-System. Foto: Klinikum Forchheim
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Seit einem halben Jahr hilft ein Roboter im Klinikum Forchheim den Chirurgen bei Knie- und Hüftoperationen. Das Endoprothesezentrum Forchheim ist einer der ersten fünf Standorte in Deutschland, an dem mit einem computergesteuertem Roboterarm Prothesen implantiert werden. Über 30 OPs wurden in Forchheim bereits mit dem neuen "Mako"-System durchgeführt. Der Chirurgie-Chefarzt Uwe Lehmann ist vom neuen "OP-Kollegen Roboter" überzeugt. "Die Beweglichkeit unserer Patienten ist deutlich besser und sie sind mit ihrer Lebenssituation nach der OP zufriedener", erklärt Lehmann. Das habe eine Umfrage unter 50 Forchheimer Chirurgie-Patienten ergeben, bei der eine Hälfte mit und eine ohne Roboter-Hilfe operiert wurde.


Klinikum ist Vorreiter

Das Klinikum Forchheim ist damit Vorreiter auf dem Gebiet der Gelenk-Implantation. Doch die innovative Technologie ist nicht günstig: Der Roboterarm kostet rund 1,5 Millionen Euro, das Klinikum Forchheim hat das System vom amerikanischen Hersteller "Stryker" geleast. Die Klink gehe in "Vorleistung", um es allen Forchheimer Patienten anbieten zu können, betont Klinikdirektor Sven Oelkers. Er glaubt daran, dass die Roboter-gestützte Chirurgie zukunftsweisend ist. "Wir denken, dass dieses System künftig Standard werden könnte".

So funktioniert der "Mako"-Roboter: Als erstes wird eine spezielle Computertomographie (CT) des zu operierenden Gelenks und ein digitales 3-D-Modell erstellt. Anhand der Daten wird die individuelle Prothese gefertigt. Im OP-Saal analysieren Computer-Sensoren ständig das Knie oder die Hüfte, so dass die Bänder optimal gespannt werden können.

Diese Echtzeit-Überwachung ermöglicht es den Chirurgen die Prothese präzise anzupassen und während der OP nachzubessern. Zum Präparieren des Knochens greift der Arzt dann zum Roboterarm, der ihm beim millimetergenauen Fräsen und Sägen hilft.

Durch das digitale dreidimensionale Modell berechnet der Computer die optimale "Einflugschneise": Kommt der Chirurg nun zum Beispiel in die Nähe der Gelenkbänder stoppt die Fräse automatisch.


Mehr Personalaufwand

Ein speziell ausgebildeter Medizinproduktspezialist begleitet die Operation am Computer. Die innovative Hochpräzessions-Operation dauert etwa 20 Minuten länger, als ohne Roboter-Hilfe. Vor allem durch mehr Personalaufwand ist sie auch kostspieliger. Die Krankenkasse zahlen für die Gelenk-OPs aber den selben Satz wie ohne Roboter. "Wir hoffen deshalb auch, dass das System künftig besser vergütet wird", so Oelkers. Die so behandelten Patienten hätten statistisch anschließend weniger Schmerzen und müssten seltener wieder operiert werden, bekräftigt Chefarzt Lehmann.

Wie der Roboterarm live im OP-Saal funktioniert, davon überzeugte sich am Donnerstagmorgen Bundestagsmitglied Andreas Schwarz (SPD). "Es ist schon faszinierend zu sehen, wie das lebende Knie mit dem Computer kommuniziert", stellte Schwarz fest. Eine Botschaft, die er aus dem Klinik Forchheim mit nach Berlin nehmen möchte, sei, dass Qualität in der Medizin nun einmal Geld koste. "Hochinnovative Technik gibt es nicht zum Nulltarif. Dafür müssen auch Mittel bereitgestellt werden", sagte MdB Schwarz, der sich zurzeit auf Sommertour befindet.

Das Klinikum Forchheim stelle mit dem "Mako" die Weichen für die Zukunft in der Chirurgie, da Digitalisierung in der Medizin immer wichtiger werde, meinte Klinikdirektor Oelkers. Auch die operierenden Chirurgen müssten sich ständig hinsichtlich neuer digitaler Medizintechnik weiterbilden. Die Bereitschaft der Patienten, sich von einem Roboter operieren zu lassen, sei sehr unterschiedlich. "Gerade jüngere Patienten sind da sehr affin", erklärte der Orthopäde Jürgen Waibel von Medikon Forchheim.


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