Muggendorf
Geschichte

Kleiner Mann hinterließ große Bibliothek mit 70.000 Blättern Kunstgrafik und 6000 Büchern

Das Werk "Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz" des Bambergers Joseph Heller von 1829 war für die Region bedeutend.
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Bild aus dem beschriebenen Buch: die erste Seite mit einer Lithographie  von Streitberg.  Repro: Reinhard Löwisch
Bild aus dem beschriebenen Buch: die erste Seite mit einer Lithographie von Streitberg. Repro: Reinhard Löwisch
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Er soll ziemlich klein von Statur gewesen sein, ein unscheinbarer Mitmensch, der dank eines kleinen Vermögens von seinem Vater vor allem seiner Leidenschaft frönen konnte. Joseph Heller, ein Bamberger Original, baute eine heimatkundliche Bibliothek auf, die sogar der damalige Landesherr König Ludwig I. sehen und besitzen wollte. Gott sei Dank war Heller nicht zu Hause, als der hohe Besuch anklopfte. Die Bücher und Schriften blieben in Bamberg und die Fränkische Schweiz konnte ihren 150. Geburtstag feiern.

Heller, ein gelernter Kaufmann, der in der Unteren Brücke 2 in Bamberg zu Hause war und dort am 4. Juni 1849 mit 51 Jahren starb, hinterließ rund 70.000 Blätter Kunstgrafik und 6000 Bücher. Sie bildeten die Grundlage für seine Forschungen, die in zahlreichen heute noch gültigen geschichtlichen Aufsätzen über Bamberg und die Fränkische Schweiz mündete. Für die Region bedeutend war sein Werk von 1829: "Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz". Diese Überschrift veranlasste die Tourismusoberen der Fränkischen Schweiz, die Landräte im gleichnamigen Gebietsausschuss, 1979 ein rundes Jubiläum zu feiern. Damals glaubt man noch, Heller sei der erste Schriftsteller gewesen, der den Begriff Fränkische Schweiz als Regionsname verwendete.

Teures Vorhaben

So kam es, dass ein sehr umfangreiches und 25.000 Mark teures Unternehmen in Angriff genommen wurde. In zahlreichen Veranstaltungen und Vorträgen, mit Autoaufklebern und Prospekten ließ man das "romantische" 19. Jahrhundert wiederauferstehen und lieferte damit der fünf Jahre vorher gegründeten Tourismuszentrale ein wichtiges Werbeargument, mit dem man auf Messen und durch Presse-Rundschreiben die überregionalen Medien auf das Thema aufmerksam machen konnte. Dabei wurde auch die Grundlage dafür gelegt, dass man in späteren Jahren die Felsfreilegungen durch den Naturparkverein forcierte. Vor allem Karl Theiler, der frühere Bürgermeister von Ebermannstadt und Chef des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV), glaubte, wenn man die Fränkische Schweiz wieder so kahl erscheinen lasse wie sie im 19. Jahrhundert teilweise war, dann kämen wieder mehr Urlauber in die dann wieder "romantische" Region.

Das Heller-Buch, das den Anlass für die Jubiläumsfeiern gab, hat der Erlanger Verlag Palm und Enke in seiner historischen Buchreihe "Bibliotheca Franconia" als Band 1 in einem Nachdruck im Jubiläumsjahr erneut auf den Markt gebracht - kommentiert und mit einem Nachwort versehen vom späteren Leiter der Bamberger Staatsbibliothek, Bernhard Schemmel. Er hatte herausgefunden und im Nachwort festgestellt, dass der Begriff Fränkische Schweiz nicht 1829, sondern bereits 1812 (heute weiß man, dass 1807 richtig ist) erstmals in einem Reisebuch über die Fränkische Schweiz verwendet worden war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bamberg einbezogen

Joseph Heller hat sich darüber sicherlich keine Gedanken gemacht, sondern eher um das Gebiet, welches er im Buch darstellen wollte. Seinem Naturell als Bamberger folgend, rechnete er Bamberg und dessen Umgebung zur "Muggendorfer Umgebung", zumindest auf der dem Buch beiliegenden Karte. Sechs Stunden (Fußweg) im Umkreis von Muggendorf, wie er im Buch schreibt, zog er die Grenze.

Merkwürdigkeiten

Bei der Beschreibung der Orte und "Merkwürdigkeiten", wie man früher die Sehenswürdigkeiten nannte, beschränkte sich Heller jedoch wieder auf den Kern der Fränkischen Schweiz. Seine historischen Beschreibungen auf über 180 Seiten mit rund 300 Stichworten sind fundiert und noch heute aktuell. Daher ist dieses Büchlein, das man noch vereinzelt im antiquarischen Buchhandel und im Internet findet, weiterhin ein Nachschlagewerk für Heimatkundler der Region. Heller nahm kein gutes Lebensende: Nachdem seine Barmittel erschöpft waren, wurde er zum Alkoholiker, wie der damalige FT-Redakteur Wolfgang Kreiner in einer Heller-Reportage am 9. Dezember 1978 festgestellt hatte. Es wird vermutet, dass er sich deshalb selber richtete. Man fand auch ein Fläschchen Gift in seinem Schreibtisch. Sein Nachlass an Grafiken und Büchern bekam das Staatsbibliothek Bamberg, weshalb seine Bücher und damit auch sein Wissen weiterhin in Bamberg sicher verwahrt bleiben.

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