Forchheim
Justiz

Kleine Taten, große Strafe: Anscheinend unbelehrbarer Forchheimer erneut vor Gericht

Ein 20-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Forchheim wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungs- und Sprengmitteln verantworten. Schon seit vier Jahren steht er regelmäßig vor Gericht - das könnte ihm zum Verhängnis werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
26 so genannte "Vogelschreck"-Patronen und 58 weitere Knallpatronen bewahrte der Angeklagte ohne Erlaubnis auf. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn/lby
26 so genannte "Vogelschreck"-Patronen und 58 weitere Knallpatronen bewahrte der Angeklagte ohne Erlaubnis auf. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn/lby

Kein Unbekannter stand am Montag vor dem Jugendschöffengericht im Amtsgericht Forchheim: Der 20-jährige Angeklagte musste sich schon wegen mehrerer kleiner Straftaten verantworten. Vorgeworfen wurde ihm dieses Mal, dass er im Februar Sprengmittel ohne Bam-Zeichen in seinem Anwesen in Forchheim ohne die erforderliche sprengstoffrechtliche Erlaubnis aufbewahrte. Insgesamt waren es 26 so genannte "Vogelschreck"-Patronen und 58 weitere Knallpatronen. Diese hatte er unerlaubterweise im Internet bestellt. Zudem soll der junge Mann einen Joint mit fünf Prozent THC-Gehalt bei sich getragen haben und musste sich so auch für den Besitz von Betäubungsmitteln verantworten.

Verständigung und Geständnis

Gleich zu Beginn der Verhandlung zogen sich das Schöffengericht sowie die Staatsanwältin Lea Klautke und der Verteidiger Ralf Peisl zu einem Rechtsgespräch zurück, um eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Nach 45 Minuten gelang dies: Richter Philipp Förtsch erklärte, dass der Angeklagte, im Falle eines Geständnisses, mit einer Jugendstrafe von acht bis neun Monaten auf Bewährung zu rechnen hat und 450 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen muss.

Über seinen Verteidiger Peisl ließ der Angeklagte verlauten, dass die Sachverhalte stimmen, er die Taten eingesteht und keine weiteren Angaben machen möchte. Die Beweisaufnahme war damit hinfällig. "Sie haben fünf Eintragungen, deswegen sitzen sie jetzt hier. Das sind fünf zu viel", sagte Richter Förtsch und listete die bisherigen Straftaten auf. Seit September 2015 musste sich der Forchheimer unter anderem wegen Sachbeschädigungen oder Fahren ohne Fahrerlaubnis verantworten, und verbüßte auch schon Jugendarrest. "Sie haben schon einiges angesammelt", betonte der Richter und klopfte mit den Fingern auf die Akten.

Reiferückstände sind vorhanden

Förtsch ließ durch einen Vertreter der Jugendgerichtshilfe sozialpädagogische Gesichtspunkte in das Verfahren einbringen. So ist der Angeklagte ohne Vater aufgewachsen. Die alleinerziehende Mutter soll überfordert gewesen sein, weshalb das Jugendamt unterstützend eingegriffen hat. Die Hilfeleistung wurde aber wegen mangelnder Beteiligung des Angeklagten abgebrochen.

Auch sein beruflicher Werdegang ist von Abbrüchen geprägt. Der Forchheimer ist unregelmäßig in die Schule gegangen und hat diese nach dem Wiederholen der achten Klasse ohne Abschluss verlassen. Auch die Berufsschule hat er unregelmäßig besucht und abgebrochen. Als er eine Ausbildung begann, wurde er nach der Probezeit gekündigt.

Dass der Angeklagte seit zwei Jahren in einem festen Arbeitsverhältnis mit einer Zeitarbeitsfirma steht, wurde ihm zu Gute gehalten. Auch, dass er eine feste Partnerin hat, mit der er zusammenziehen möchte.

Ein Weckruf durch die Anwälte?

Zu Beginn ihres Plädoyers forderte Staatsanwältin Klautke den Angeklagten auf, ihr zuzuhören. "Es ist schon fast ein Talent, von einer Sachbeschädigung aus eine Jugendstrafe zu erhalten", sagte sie im strengen Tonfall und entschuldigte sich vorab im Gericht für ihre nächsten Worte: "Sie machen einen Scheiß nach dem anderen!" Sie glaubt nicht, dass der Angeklagte plötzlich etwas daraus gelernt hat, hofft aber auf eine letzte Einsicht. Denn ansonsten würde sich der 20-Jährige "noch das Leben kaputt machen". Denn auch die kleinste Straftat wäre eine zu viel. "Da kann Ihnen Ihre Freundin dann hinter einer Glasscheibe zuwinken." Sie forderte volle neun Monate Bewährungsstrafe und die Übernahme der Verfahrenskosten. Klautke mahnte: "Sehen Sie das als Ihre allerletzte Chance."

Verteidiger Ralf Peisl bezog sich in seinem Plädoyer auf die Sozialprognose. "Es ist nicht von neuer Strafe auszugehen", sagte er und forderte, seinen Mandanten gemäß den zuvor getroffenen Vereinbarungen zu verurteilen. Richter Förtsch verkündete das Urteil: neun Monate Jugendstrafe, zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Die Verfahrenskosten und die 450 Euro hat der Angeklagte zu zahlen.

Nächstes Mal keine Bewährung

Der Richter begründete das Urteil damit, dass der Angeklagte zwar ein Geständnis abgelegt und "keine allzu schweren Straftaten" begangen hat, allerdings haben sich diese aneinandergereiht und er sich somit als unbelehrbar erwiesen. "Eine große Änderung hat nicht stattgefunden. Dem Wort der Staatsanwältin ist nichts hinzuzufügen", sagte er. Er appellierte, dass der junge Mann seinen festen Arbeitsplatz verlieren könnte, wenn er sich nicht an die Gesetze hält. Dieser nickte schuldbewusst. "Sie nicken jetzt, aber ich hoffe, dass es auch dauerhaft so bleibt." Der Richter mahnte: "Bei weiteren Straftaten steht eine Bewährung nicht nur auf der Kippe, sondern kann nicht mehr begründet werden."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren