Forchheim
Musikreihe

Klangvielfalt mit Körpergefühl: Meisterklasse spielt in der Kaiserpfalz in Forchheim

"Young meets Old" -Junge Menschen stoßen auf altes Gemäuer. So definiert Susanne Fischer, die Chefin des Pfalzmuseums, die am Freitag gestartete neue Reihe des Museums. In Kooperation mit der Hochschule für Musik in Nürnberg präsentiert das alte Haus zweimal im Jahr junge Musiker.
Artikel drucken Artikel einbetten
Xigio Wang intonierte das Stück "Nifelheim". Foto: Pauline Lindner
Xigio Wang intonierte das Stück "Nifelheim". Foto: Pauline Lindner
+4 Bilder

Ansprechpartner auf Seiten der Hochschule ist der Professor für Percussion Radoslaw Szarek. Da ist es verständlich, dass er als erstes seine Meisterklasse konzertieren ließ. Seine sechs Schüler Ferdinand Reitberger, Philipp Mohr, Tim Weidig, Felix Bratfisch, der Chinese Xigio Wang und aus der Türkei Keren Alptekin stellten sich mit ihren Lieblingswerken auf verschiedenen Percussionsinstrumenten, vor allem Vibra- und Marimbaphon, vor. Die Gelegenheit, ihre Hörgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen, nahmen sehr viele Forchheimer wahr.

Oder waren es doch eher die Sehgewohnheiten? Ein Ensemble, da stellt man sich eine Gruppe brav auf ihren Stühlen sitzender Musiker vor, fast veschwindend hinter Instrument und Notenpult. Selbst der Pianist kann sitzen. Doch das funktioniert bei Größe und Bau einer Marimba - übrigens das Nationalinstrument Venezuelas - nicht. Sie lässt sich nur unter Einsatz des ganzen Körpers spielen.

Nicht nur die Hände mit den vier Filzschlägeln sind in virtuosem Tempo im Einsatz. Um den ganzen Tonumfang zu nutzen, sind auch dauernd Seitwärtsbewegungen mit den Füßen notwendig. Und das im Rhythmus der meist recht schnellen Stücke. Allein schon das dazu nötige Körpergefühl nötig Respekt ab. Szarek sagte selber, dass das Spielen eines Percussionsintruments weitaus anstrengender ist, als beispielsweise der doch recht große Kontrabass.

Hörgewohnheiten überprüfen - das dürfte das passende Stichwort gewesen sein für den Konzertbeginn. Erst kommt von hinten einer der Musiker und klopft auf einem "Holzstück" einen Rhythmus, von der Seite kommt der nächste mit einem anderen Rhythmus - bis alle sieben sich zu einer Art Gesprächsrunde vor dem Publikum versammeln. Die wenig variierten Rhythmen ergeben zusammen eine Vielfalt, die an die Nuancen einer gestenreichen Unterhaltung erinnern. Komponiert hat diese "Music for Pieces of Wood" der Amerikaner Steve Reich, der sich der minimalistischen Musik verschrieben hat.

Klangvielfalt könnte man dagegen über den zweiten Beitrag des Abends schreiben, über ein Solostück, das Wang intonierte. "Nifelheim" nannte der Ungar Csaba Zoltaj seine Komposition. Erst recht gilt dies für das Stück "Gravity", das der Amerikaner Marc Mellits für fünf Spieler an zwei Vibra- und zwei Marimbaphonen komponiert hat. Präzise Tonfolgen grenzen sich gegeneinander ab und verflirren immer wieder zu einem einzigen Klangbild.

Szarek hat in den 80er Jahren für sich selbst Mike Manieri entdeckt, der wiederum das Vibraphon zum Jazz brachte. Die bewährte Balladenstruktur erhält durch das Instrument - und die virtuose Darbietung - etwas weitaus Klingenderes, ja Oszillierendes, als es bei einer gewöhnlichen Instrumentierung der Fall wäre. "Percussion ist ein Stück weit Musiktheater", stellte Szarek ein Stück für Djembe und Stimme vor. Sein Inhalt ist die Unfallbeschreibung durch einen Schizophreniker, die auch mit dem Einsatz des ganzen Körpers und ausgeprägter Mimik Tim Weidig vortrug.

Zurück zu den Wurzeln dürfte man "Trio per Uno" von N. J. Jivkovic betiteln, beschränkt sich doch das eingesetzte Instrumentarium auf verschiedene Trommeln und Klangstäbe. Der Effekt des Stückes beruht auf dem Tempo und der Präzision, mit der die drei Schlagwerker ein Tönefeuerwerk erzeugen. Mit frenetischem Beifall bedankten sich die Besucher für die nicht alltäglichen Klangeindrücke.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren