Heroldsbach
Glaube

Kirchenstreik in Heroldsbach: Frauen bleiben vor der verschlossenen Kirchentüre

Die Frauen des Pfarrgemeinderates im Seelsorgebereich Hausen-Heroldsbach treten vom 11. bis 18. Mai in den Streik. Sie werden in dieser Zeit keine Dienste tun und die Kirche nicht betreten. Deshalb fallen auch die meisten Gottesdienste aus.
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Eine Woche lang wollen die Frauen des Heroldsbacher Pfarrgemeinderats, darunter Vorsitzende Stefanie Heller, streiken. Foto: Franziska Rieger
Eine Woche lang wollen die Frauen des Heroldsbacher Pfarrgemeinderats, darunter Vorsitzende Stefanie Heller, streiken. Foto: Franziska Rieger

Sie protestieren gegen Missbrauch und für Gleichberechtigung in der katholischen Kirche: Frauen der Heilig Kreuz Gemeinde in Münster haben alle Frauen unter dem Motto "Maria 2.0" aufgerufen, im Marienmonat Mai in einen "Kirchenstreik" zu treten. An dem nehmen auch die Heroldsbacher Frauen teil. Stefanie Heller, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, erzählt im Gespräch, was die Frauen mit dem Streik erreichen wollen. Was steckt hinter der Aktion Maria 2.0?

Stefanie Heller: Die Frauen sollen von Samstag, 11.Mai, bis Samstag, 18. Mai, keine Kirche betreten und keinen Dienst tun. Wir wollen draußen bleiben, so wie wir auch sonst vor verschlossenen Türen der Kirche stehen. So sind Weiheämter für Frauen eine geschlossene Türe, die sie nicht aufbekommen. Wir fordern eine Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Ziel ist es, dass Frauen und Männer gemeinsam in der Kirche zusammenarbeiten. Frauen sind in der katholischen Kirche nicht von allen Funktionen ausgeschlossen. Es gibt viele Aufgaben und Funktionen, die eine Frau ohne Weihe besetzen darf, zum Beispiel Seelsorger oder Amtsleiter. Ein Drittel davon sollte von Frauen besetzt sein, so eine Richtlinie. Aber selbst davon sind wir noch weit entfernt. Das ist Zukunftsmusik. Gleichzeitig soll durch den Streik sichtbar werden, wie viel Arbeit die Frauen in den Gemeinden leisten. Welche Forderungen hat die Initiative?

Die Forderungen der Initiative sind im Wesentlichen der Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche. Dazu kommen die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen, der Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen. Weil auch hier Menschen sind, die mit den Strukturen der Kirche kämpfen. Den Frauen beim Kirchenstreik geht es aber vor allem um die Gleichberechtigung der Frau. Den Frauen geht es um die Frauenthemen. Bisher fehlt ein Stück weit das Weibliche. Wie sind die Heroldsbacher Frauen auf die Aktion Maria 2.0 gekommen?

Unsere jüngeren Mitglieder im Pfarrgemeinderat haben davon im Internet gelesen. Einige junge Frauen haben dann gesagt, dass sie dabei gerne mitmachen würden. Alle waren davon begeistert. In der letzten Pfarrgemeinderatssitzung am 20. März haben wir dann beschlossen, uns an diesem Streik zu beteiligen.

Und was sagt der Pfarrer der Gemeinde, Klaus Weigand, zu der Aktion?

Herr Pfarrer Weigand steht hinter uns. Wir agieren mit unserem Pfarrer. Was glauben Sie, wie die Kirchenbesucher auf die Aktion reagieren? So wie ich bisher gehört habe, gibt es durchaus auch Ältere, die das prima finden. Aber auch solche, die das nicht verstehen können. Für Jüngere ist Gleichberechtigung meist selbstverständlich. Das ist ja auch das Problem: Junge Frauen verlassen die Kirche schweigend und sind nicht mehr da. Sie sind müde vom Diskutieren. Das Thema Gleichberechtigung hat sich gebessert, indem darüber geredet wird. Aber trotz des vielen Redens hat sich nichts verändert.

Warum nicht einfach der katholischen Kirche den Rücken zuwenden?

Wir lieben unsere Kirche. Wir wollen sie nicht verlassen, sondern von innen heraus verändern und verbessern, damit es wieder eine lebendige Kirche wird.

Wie wird sich der Kirchenstreik auf die Gottesdienste auswirken?

Wir Frauen in Heroldsbach gestalten den Streik aktiv und laden zu einem gemeinsamen Gottesdienst am Sonntag, 12.Mai, um 10 Uhr auf dem Dorfplatz mit dem Thema "Frauen in der Kirche" ein. Wir wollen keinen Streik, sondern miteinander reden und auf das Thema aufmerksam machen. Unter der Woche fallen die Gottesdienste in den Kirchen in Oesdorf, Wimmelbach und Poppendorf aus. In Oesdorf fallen die Gottesdienste beispielsweise aus, weil es dann keine Mesnerin und Lektorin gibt. Das Gespräch führte Franziska Rieger.

Das Diakonat weiblich besetzen

Wenn Frauen in der Kirche aufbegehren, kommt das nicht immer gut an. Klaus Weigand, der Pfarrer der Pfarrei St. Michael Heroldsbach, unterstützt die Aktion der Frauen. Genauso wie Stefanie Heller sagt er, gehe es dabei nicht um den Streik, sondern um den Dialog. "Es geht nicht um das Anprangern", sagt Weigand. Frauen würden schließlich wichtige Aufgaben in der Kirche übernehmen.

Und dazu sollte auch gehören, dass das Diakonat weiblich besetzt werden sollte. Nicht nur die Gleichstellung der Frau, sondern auch der Priestermangel sprächen dafür. "Frauen sollen aber nicht die Lückenbüßer sein", betont Weigand.

Auch höhere Weiheämter als das Diakonat könnte sich Weigand in Frauenhand vorstellen. Doch dafür sei es noch zu früh. "Man muss erst einmal einen Anfang machen", so Weigand.

Beim Erzbistum in Bamberg ist die Aktion der Heroldsbacher bekannt, wie Pressesprecher Harry Luck berichtet. Von anderen Pfarreien, in denen gestreikt wird, wisse man nichts. Weil die Aktion nicht zentral organisiert wird, könnten aber noch spontan Pfarreien dazukommen, vermutet er.

Mit der Forderung, dass Frauen in der Kirche gleichberechtigt sein sollen, laufe man offene Türen ein. Im Seelsorgebereich, als Pastoral- oder Gemeindereferent seien Frauen bereits tätig. Im Ordinariat des Erzbistums Bamberg gebe es beispielsweise eine Personalchefin. Unter Papst Franziskus sei außerdem eine Kommission zur Untersuchung des Frauendiakonats in der katholischen Kirche errichtet worden. "Wo es bislang nicht möglich ist, sind Weiheämter. Das ist Männern vorbehalten", so Luck.fr

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