Forchheim
Gotteshaus

Kirchensanierung in Forchheim beginnt mit den bunten Fenstern

Die erst 60 Jahre alte Kirche Verklärung Christi in Forchheim muss saniert werden. Die Fenster sind aussage- und farbenkräftig - doch durch sie zieht es.
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Teil der Fensterreihe auf der (vom Altar ausgesehen) linken Seite Foto: Elisabeth Görner
Teil der Fensterreihe auf der (vom Altar ausgesehen) linken Seite Foto: Elisabeth Görner
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Eine kleine Gruppe von Mitgliedern der Pfarrei Verklärung Christi in Forchheim und des spendenden Heimatvereins Forchheim kam in der Kirche zusammen: Anlass war die Übergabe eines symbolischen Checks über 5000 Euro an Pfarrer Martin Emge. Die Renovierung eines der insgesamt 14 Fenster soll von diesem Geld bezahlt werden. Drei der Anwesenden haben noch als Kinder den Bau von Verklärung Christi miterlebt, weil sie damals (schon) in der Nähe wohnten: Dieter George als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins betonte, dass die Kirche mitsamt der ganzen Nordstadt schon zur wichtigen Geschichte Forchheims gehöre (nicht nur die Kaiserpfalz und ähnlich Altes). Pfarrer Albert Löhr (jetzt im Ruhestand) erklärte als Spezialist für die Kunst in dieser Kirche auch die Fenster, und Stadtarchivar Rainer Kestler trug zusätzlich ganz "weltliche" Informationen (zum Beispiel Kosten) über die Kirche bei.

Vor 60 Jahren geweiht

Vor 60 Jahren ist Verklärung Christi in Forchheim als eine der ersten modernen Kirchen in der Region - und als einziges inzwischen anerkanntes Denkmal des 20. Jahrhunderts in Forchheim - geweiht worden. Grundsteinlegung war 1957. Nun ist es Zeit für eine Generalsanierung, wobei die Fenster eine Vorreiterrolle spielen.

Die Architekten der "Nordkirche" waren Winfried Leonhardt, der schon 1963 gestorben ist, und sein Sohn Peter; beide haben insgesamt 18 Kirchen entworfen oder im Sinne des Zweiten Vaticanums renoviert.

Dieter George mahnt Pfarrer Martin Emge, der genauso für St. Martin zuständig ist: "Machen Sie die Kirche nicht zu schön!" Denn das schon von außen als sehr großer, aber recht schlichter, kompakter Backsteinbau erkennbare Sakralgebäude ist auch als Gegenentwurf zum nach dem Krieg hochkommenden Materialismus konzipiert worden. Auch die Innenwände sind nicht etwa getüncht, sondern leben vom Stein, vor allem im Altarraum auf interessante Weise plastisch verarbeitet.

Fenster von Hans Uhl

Die Fenster stammen von dem Künstler Hans Uhl (geb. 1897, Todesdatum unbekannt), der sich bei ihrer Gestaltung auf die "Geheime Offenbarung" des Johannes bezogen hat - nicht auf den düsteren Teil, sondern auf den tröstenden, Hoffnung gebenden: "Seht, ich mache alles neu! Einen neuen Himmel und eine neue Erde!" Man erkennt in den Fenstern immer wieder die Tore des "neuen Jerusalem", die, nur vertikal, auch etwa dem Grundriss der Kirche als Parabel - mit dem Altar kurz vor dem Scheitelpunkt - entsprechen. Man sieht praktisch durchgehend den leicht mäandernden "Fluss des Lebens" und in Form des griechischen Buchstaben Psi - je nach Interpretation - stilisierte Bäume oder auch Menschen, die ihre beiden Arme zum Himmel erheben; jeweils das mittlere Fenster auf der rechten und der linken Seite stellen das berühmte Lamm und den Engel der Offenbarung dar, die beiden (vom Altar aus gesehen) ersten Fenster rechts und links zeigen je zwei Symbole für die vier Evangelisten: einen Menschen (Matthäus), einen Löwen (Markus), einen Stier (Lukas) und einen Adler (Johannes).

Die Farben

Die überwiegenden Farben sind Blau, Weiß (beziehungsweise durchsichtig) und am unteren Rand Rot; dort findet man - in Schwarz gut erkennbar - die Namen aller Apostel. Doch auch Gelb (Tore) und Türkis spielen eine Rolle. Bei Sonnenschein spiegelt der Lichteinfall von außen die Farben wunderschön besonders auf dem Boden der Orgelempore, aber auch an den Säulen des Kirchenraums und zum Teil auch an den Wänden. Das letzte Fenster (wieder vom Altar aus gesehen) links mit dem Namen "Mattias", dem für Judas nachgewählten Apostel, wurde nun als Prototyp im Rahmen der Gesamtrenovierung vom Heimat- und Geschichtsverein ausersehen. Wie alle anderen ist auch dieses Fenster vier mal drei Meter groß. Pfarrer Emge begründete, warum die Renovierung der Fenster für die Atmosphäre im Kirchenraum so wichtig sei: Der Kitt sei so sehr zerbröselt, dass es dauernd ziehe. Man sei erst spät auf die Ursache gekommen. Der Arbeitsaufwand sei groß, da die Fenster ganz aus den Außenwänden genommen werden müssten, und entsprechend hoch seien auch die Kosten. Für die gesamte Renovierung der Kirche wird mit etwa einer halben Million Euro gerechnet. Der Neubau Ende der 1950er Jahre hatte rund 900.000 DM gekostet. Aber Geld ist das eine, der tatsächliche Wert und das Wertvolle sind das andere. Denn diese Kirche hat nicht nur für die Gemeinde selbst, sondern für Forchheim und Umgebung eine besondere Bedeutung: Sie kann den Menschen, die mit ihr zu tun haben, durch ihre große Ruhe ausstrahlende Atmosphäre viel Geborgenheit geben. Man könnte es wie ein starkes Umfasst-Werden empfinden - und gerade die Fenster scheinen dabei ein wenig Erde und Himmel zu verbinden.

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