Wiesenthau
Gottesdiensttest

Kirchengemeinde St. Matthäus inWiesenthau: Gotteslob mit vollem Körpereinsatz

Beim Besuch der katholischen Kirchengemeinde St. Matthäus in Wiesenthau erleben wir Aushilfspfarrer Henry Hector Atugonzo aus Uganda, der mit viel Charme und Witz besticht.
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Die Pfarrkirche St.Matthäus in Wiesenthau wurde schon 1410 urkundlich erwähnt, Teile davon finden sich auch noch im heutigen Gotteshaus, das immer wieder umgebaut und erweitert wurde. Die letzte große Renovierung wurde 2011 begonnen und im Frühjahr 2014 mit der Weihe des neuen Volksaltars abgeschlossen. Foto: Johannes Höllein
Die Pfarrkirche St.Matthäus in Wiesenthau wurde schon 1410 urkundlich erwähnt, Teile davon finden sich auch noch im heutigen Gotteshaus, das immer wieder umgebaut und erweitert wurde. Die letzte große Renovierung wurde 2011 begonnen und im Frühjahr 2014 mit der Weihe des neuen Volksaltars abgeschlossen. Foto: Johannes Höllein

Das Urteil unseres Testers:

Der Gottesdienst in Wiesenthau war vom Ablauf her unaufgeregt und weitgehend gewöhnlich. Für das Besondere sorgt Pfarrer Henry Hector Atugonzo aus Uganda. Er spricht einzelne Besucher mitten in der Messe an, gibt ihnen ein "Daumen hoch" mit auf den Weg. Seine Heiterkeit, sein Charme und sein Witz sind ansteckend. In seinem Gottesdienst sind Gelächter und Applaus nicht fremd. Er hat Freude an seinem Glauben - und genau da holt er die Wiesenthauer ab, die ihm die eine oder andere Textunsicherheit gerne verzeihen. Alle sind sich einig, Pfarrer Atugonzo darf auch 2020 wieder nach Wiesenthau kommen.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Das Orgelspiel zu Beginn ist kraftvoll und sicher, der passende Rahmen für den Einzug von Ministranten, Pfarrer und Mesner. Der Geistliche, Father Henry Hector Atugonzo aus Uganda, der wie 2018 wieder für vier Wochen in Wiesenthau hospitiert, wirkt etwas angespannt.Gleichzeitig weckt sein Auftritt - zumindest bei Gottesdienstbesuchern, die ihn nicht kennen - Neugierde darauf, wie eine Messe mit afrikanischem Einschlag aussehen könnte.

2. Musik

Der Organist beherrscht sein Instrument sehr gut. Die ausgewählten Lieder haben eine einprägsame Melodie und machen es den Gottesdienstbesuchern leicht mitzusingen. Der Organist schlägt ein gut gewähltes Tempo an, das es allen ermöglicht, mitzukommen, ohne schleppend zu sein. Insgesamt eine gute Mischung aus angemessener Feierlichkeit und akustischer Ästhetik. Pfarrer Atugonzo stimmt daneben ein englisches Lied an, das er sehr gefühlvoll intoniert und sich selbst mit einem afrikanischen Zupfinstrument begleitet. Stimmig.

3. Lesungen

Die Lesung trägt ein Gemeindemitglied laut und verständlich vor. Der Text ist kurz und prägnant, das trägt zur Kurzweil des Gottesdienstes bei.

4. Predigt

Pfarrer Henry Hector Atugonzo macht seine Sache sehr gut. Zwar hat er mit einigen deutschen Wörtern zu kämpfen und muss hier und da noch einen genauen Blick in den vor im liegenden Text werfen, doch er spricht klar und versteht es, seine Botschaft zu vermitteln. Das macht er mit vollem Körpereinsatz, umschreibt seine Bewunderung für die Güte Gottes mit einem "Wow!", reckt die Jubel-Faust gen Himmel, animiert die Gläubigen einzustimmen. Überhaupt versprüht der Geistliche in seiner Predigt Heiterkeit, Charme und Witz und erzählt zum Thema Erntedank noch, wie er 2018 viele fränkische Äpfel gegessen habe, heuer aber verzichten musste.

5. Kommunion/Abendmahl

Umspielt von den passenden Orgelklängen wird dem Abendmahl ein würdiger Zeitrahmen eingeräumt. Nach einer Zeremonie im kleinen Kreis am Altar, treten der Pfarrer und ein Gemeindemitglied in den Mittelgang, wo sich die rund 70 Gottesdienstbesucher in Zweierreihen aufgestellt haben, und verteilen die Hostien. Ohne Eile, aber zügig erhält jeder seinen Teil vom Leib Christi und geht über den Außengang zurück an seinen Platz. Ein eingespielter Ablauf.

6. Predigt

Der Segnungsspruch orientiert sich an der üblichen Form (Ich segne euch im Namen des Vaters...), greift aber erneut die Erntedank-Thematik auf, wobei sich Pfarrer Atugonzo den aufgebahrten Teil der eingebrachten Feldfrüchte genau anschaut und Vergleiche zu seiner afrikanischen Heimat zieht, wo das Fest ähnlich begangen wird.

7. Ambiente

Für katholische Verhältnisse wirkt St. Matthäus ziemlich aufgeräumt, alles andere als überfrachtet. So können die einzelnen Elemente - klassische und durchaus pompöse Kirchen-Ästhetik im Wechsel mit schlichter Moderne - für sich wirken. Passend dazu fügt sich der Erntedank-Schmuck ein: Die farbenfrohen Feldfrüchte, die vor dem Volksaltar, einem schlichten Steinquader, arrangiert sind, kommen schön zur Geltung.

8. Kirchenbänke

Die Bänke aus hellem Eichenholz sind recht neu, schlicht, aber praktisch und einladend. Der Besucher hat eine aufrechte Sitzposition, für die Haltungswechsel - aufstehen und hinknien inklusive - muss er keine Verrenkungen machen, es ist genug Platz. Einziger, aber kleiner Wermutstropfen ist die etwas dünne Sitzauflage, die kaum Polsterung bietet, so dass langes Sitzen zur Herausforderung werden kann.

9. Beleuchtung

Die Wiesenthauer Schlosskirche ist hell, freundlich und einladend. Die großen Fenster spenden reichlich Licht, was auch durch die Fensterbilder nicht vermindert wird. Zur Unterstützung - jedoch an diesem Sonntagmorgen eigentlich nicht nötig - brennen Hängeleuchten über den Gläubigen, die Musiknoten und Text in ihrem Gotteslob problemlos lesen können.

10. Sinne

Die Augen können sich in der hellen Kirche entspannen. Die Farb- und Kontrastabstimmung passt, genauso wie Lautstärke und Klang von Musik, Gesang und Textbeiträgen. Der Geruchssinn wird sanft gekitzelt, denn auch der Einsatz von Weihrauch ist wohl dosiert - und selbst die Oblate schmeckt. Der Tastsinn bleibt unberührt, für Gefühl sorgt Pfarrer Henry Hector Atugonzo, der die Gottesdienstbesucher mit seiner unbeschwerten Art einfängt.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdiensttest die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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