Gräfenberg
Glaube

Kirchenaustritte schonungslos analysiert

Die Dekanatssynode stellte sich einer unangenehmen Wahrheit: Auch im Dekanat Gräfenberg laufen der evangelischen Kirche die Gläubigen davon.
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Berthild Sachs forderte bei der Synode Mut zu unkonventionelle Ideen.  Foto: Petra Malbrich
Berthild Sachs forderte bei der Synode Mut zu unkonventionelle Ideen. Foto: Petra Malbrich

Es kriselt in der evangelischen Kirche. Dieser landesweite Trend hält auch in den kleinen ländlichen Regionen Einzug: Die stabilen Verhältnisse wanken, das Interesse an der Kirche wird immer weniger. Auch im Dekanat Gräfenberg.

Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Während sich die Zahl der Taufen noch die Waage halten, zählt das Dekanat fünf Mal so viele Austritte wie Eintritte. "Wir sind nun unter die 12 000 Gemeindemitgliedergrenze gerutscht. Das macht eine Kirchengemeinde in der Größe von Hiltpoltstein aus", sagt Dekanin Sachs ernst in die Runde. Vorher waren es noch 13 000 Gläubige, die sich im Dekanat der evangelischen Kirche zumindest auf dem Papier zugehörig fühlten.

Besagte Runde besteht aus Pfarrern und Mitglieder aus den Kirchenvorständen der zwölf zum Dekanat gehörenden Gemeinden und der Landessynode, die sich im Saal des evangelischen Gemeindehauses in Neunkirchen am Brand zur Dekanatssynode getroffen haben.

Es sind neben den hauptamtlichen Pfarrern gerade die engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern und somit eine der tragenden Säulen der Kirche, die sich über die Zukunft der Kirche Gedanken machen. Darauf will die Dekanin aufbauen.

Der Umbruch ist sichtbar

Der Auf- und Umbruch sei bereits sichtbar. In Gräfenberg erleben wird Dekanin Berthild Sachs die Früchte dieser Arbeit nicht mehr. Sie ist in vier Wochen Dekanin in Schwabach. Aber den Weg dorthin bereitet sie vor und lässt es sich nicht nehmen, das im Dekanat Vorhandene hervorzuheben und den Mitarbeitern zu danken. Deren Arbeit und daraus resultierenden Angebote werden in der Gesellschaft gut angenommen, wenngleich in der Öffentlichkeit wenig hervorgehoben. Allen voran die Diakonie, die im Bereich Kinder, Jugend und der Pflege herausragende Arbeit leiste und trotzdem den steigenden Bedarf nicht decken könne.

Da ist das Jugendheim in Kappel, das inzwischen eine feste Konstante geworden ist und sich neben der Bibelarbeit mit Jugendlichen zu Jugendfreizeiten entwickelte, die zum Selbstläufer geworden sind, wie Sachs betonte. Es gibt den Bereich Erwachsenenbildung, was ebenfalls hervorragende Früchte zeige, gerade durch die Zusammenschlüsse zu Bildungsregionen.

Außergewöhnliche Gottesdienste

Ehrenamtlich wurde das bislang geleistet, professionelle Partner werden gerade gesucht. Darüber hinaus gibt es die Partnerschaftsarbeit mit Tansania. Und es gibt außergewöhnliche Gottesdienste, die gut angenommen werden. Mit dem Thema Gottesdienstgestaltung wurde sich an dem langen Arbeitstag der Synode noch eingehend beschäftigt.

Ein eigenes Kapitel, um das Augenmerk künftig vermehrt auf neue Ideen zum Gottesdienst zu legen, erhielt dieser Bereich, zu dem Pfarrer Christof Hechtel vom Gottesdienstinstitut Nürnberg referierte. "Unser Gottesdienst - Sehnsucht und Zukunft" lautete das Motto dazu. Warum das Thema so notwendig ist, zeigte Dekanin Berthild Sachs in ihrer Analyse zu den Kirchenaustritten auf. "Hinzu kommt der demografische Trend. Von den Neubürgern sind nur ein Bruchteil evangelisch", erklärte Sachs.

Kirche hat Konkurrenz

Zehn Prozent weniger Kirchenmitglieder bedeute aber nicht zehn Prozent weniger Arbeit. Das wirke sich auch auf die Pfarrstellen aus. Das Dekanat Gräfenberg würde nur noch acht Pfarrstellen von den bisher 10,75 Stellen haben. Nicht von heute auf morgen. "Die Arbeit wird immer individueller. Gottesdienste von der Stange gefallen nicht mehr. Wir stehen in Konkurrenz zu anderen Anbietern in der Jugendarbeit und Bildung und religiöser Angebote zu der hier steifen Kirche", meinte Sachs.

Seelsorge alleine reicht nicht

Der notwendige Umbruch und Aufbruch sei bereits sichtbar, in den Kirchenvorständen und Dekanatsausschüssen vor Ort. "Die Mitglieder in den Gremien sind jünger und weiblicher geworden und die Neuzugezogenen und kirchlichen Quereinsteiger bringen unkonventionelle Ideen. Das hat Wirkung. Bei den Gottesdiensten wird über neue Formate nachgedacht. Das erfordert Mut", gestand die Dekanin.

Veränderungen soll es auch außerhalb der Kirchenmauern geben. Der Pfarrer ist längst nicht mehr mit Seelsorge und den Gottesdiensten beschäftigt, sondern müsse Kenntnisse im Steuer- und Arbeitsrecht haben, in Betriebswirtschaft und Bauleitung. "Muss das sein?", fragte Sachs und deutete damit schon künftige Veränderungen in vielen Bereichen an, die unter dem Schlagwort Kooperationen stehen. Das kann auch eine Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und Kirchengemeinden sein. Eine ökumenische Zusammenarbeit oder im säkularen Bereich, bringt die Dekanin als Lösungsvorschlag auf den Tisch. "Das soll nicht als Notlösung betrachtet werden", betonte Sachs. Es sei vielmehr ein Netz, das Evangelium weiterzutragen. Die Kooperation dürfe nicht an Dekanatsgrenzen Halt machen. Wohin der Weg führe, sei noch offen. "Es ist noch nicht sichtbar, was wir sein werden", zitierte Sachs am Anfang des Rückblicks. Mit dem Bekenntnis "Wir sind schon Gottes Kinder", benannte die Dekanin die Grundlage, das Fundament der neuen Gedanken zur weiteren Stabilität der Kirche.

Vor allem will man dem Vorschlag von Gräfenbergs Pfarrer David Vogt folgen und die positive Seite der Kirche in die Schlagzeilen bringen. Jede Pfarrei hat dazu gerade in der Adventszeit vielfältige spirituelle und kulturelle Angebote.

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