LKR Forchheim
Gericht

Kirchehrenbach/Forchheim: Schläge und Würgen auf der Kirchweih - Riss in Trommelfell

Auf der Kirchweih in Kirchehrenbach am 24. August 2018 hat ein damals 19-Jähriger einen 20-Jährigen aufs Ohr geschlagen. Das wurde am Montag vor dem Amtsgericht in Forchheim verhandelt. Zusätzlich soll der 19-Jährige eine Studentin gewürgt haben.
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Auf der Kirchweih in Kirchehrenbach hat ein 19-Jähriger im vergangenem Jahr einen jungen Mann geschlagen und eine Frau gewürgt. Er wurde vom Amtsgericht Forchheim verurteilt. Symbolfoto: Karl-Josef-Hildenbrand/dpa
Auf der Kirchweih in Kirchehrenbach hat ein 19-Jähriger im vergangenem Jahr einen jungen Mann geschlagen und eine Frau gewürgt. Er wurde vom Amtsgericht Forchheim verurteilt. Symbolfoto: Karl-Josef-Hildenbrand/dpa

Drei Besucher der Kerwa in Kirchehrenbach haben am 24. August des vergangenen Jahres auf ein Taxi gewartet. Bis ein 19-Jähriger anfing, grundlos einen jungen Mann aus dieser Gruppe zu beleidigen. Bei der verbalen Attacke blieb es allerdings nicht: Der Angreifer schlug dem Opfer auf das linke Ohr. Beim anschließenden Gerangel würgte er obendrein eine junge Frau.

Gestern musste sich der Angeklagte aus dem Forchheimer Landkreis vor dem Amtsgericht in Forchheim verantworten. Vorgeworfen wurde ihm vorsätzliche Körperverletzung in zwei Fällen. Richter Philipp Förtsch, Staatsanwältin, Jugendgerichtshilfe und Zeugen waren vor Ort - nur der Angeklagte nicht.

Er musste aus dem Bett geklingelt werden: "Ich war irgendwie auf 13 Uhr", lautete seine Entschuldigung.

Keine Erinnerungen an Geschehen in Kirchehrenbach

Zur Tat selbst konnte der Angeklagte keine Angaben machen: "Ich kann mich nicht äußern, weil ich nichts mehr weiß." Alkohol sei der Grund für die Gedächtnislücke, gab der mittlerweile 20-jährige Angeklagte an.

Wie viel der Beschuldigte getrunken hatte, konnte er nicht mehr sagen: "Ich war auf der Kerwa und hab's übertrieben." Ein Alkoholtest seitens der Polizei liegt nicht vor, weil der Angeklagte erst einige Zeit nach der Tat festgestellt wurde.

Allerdings bestätigte die 23-jährige Studentin aus dem Kreis Forchheim, dass der Angeklagte alkoholisiert gewirkt hatte: "Warum sollte man sowas sonst machen", fragte sie sich. Er habe das spätere Opfer schließlich grundlos beleidigt und im Anschluss einfach zugeschlagen.

Schläge und Gerangel auf Kirchweih in Kirchehrenbach

"Den ersten Schlag mit der Faust konnte ich noch abwehren", erinnerte sich die Studentin. Dann soll es einen zweiten Schlag und ein Gerangel gegeben haben. Sie wusste noch, dass ihr Bekannter sagte, "dass sein Ohr weh tut, und dass er nichts mehr hört".

Richter Förtsch wollte jedoch genauere Angaben zu dem Gerangel haben, und ging dem Vorwurf des Würgens nach. "Ich lag auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten - der Angeklagte auf mir drauf", beschrieb die 23-Jährige das Gerangel.

Außerdem sei sie von dem 20-Jährigen gewürgt worden, weshalb sie geschrien habe. Kurzzeitige Schmerzen habe sie während des Würgens erlitten, allerdings keine blauen Flecken oder Abdrücke. "Ich hatte keinen bleibenden Schäden", erklärte die Studentin.

Angeklagter entschuldigt sich

Der Angeklagte nutzte seine Chance und entschuldigte sich vor Gericht bei der Zeugin. Er reichte ihr die Hand.

Bei seinem zweiten Opfer hat sich der Angeklagte bereits auf einem Frühlingsfest im Landkreis entschuldigt. Das bestätigte der 21-Jährige bei seiner Zeugenaussage.

Der junge Mann, der durch einen Schlag auf das Ohr, einen Riss im Trommelfell und ein Lärmtrauma erlitten hatte, konnte sich nur dunkel an die Tat erinnern. Seine Erinnerungen deckten sich allerdings mit der Aussage der Zeugin zuvor.

Keine bleibenden Schäden nach Kirchweih-Gerangel

"Wissen sie, warum sie geschlagen wurden", wollte Förtsch wissen. "Das weiß ich nicht", antwortete der 21-Jährige. "Ich wollte mich nur aus allem raushalten", sagte er abschließend. Er habe keine bleibenden Schäden davon getragen: "Ich höre wieder richtig."

Ein dritter Zeuge bestätigte ebenfalls die Beschreibungen der Tatnacht. Alle drei Aussagen stimmten überein. Alle drei Zeugen gingen davon aus, dass der Angeklagte alkoholisiert war.

Davon ging auch die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer aus. Sie befand den Angeklagten der zweifachen Körperverletzung für schuldig und forderte eine Strafe von 40 Tagessätzen zu je 60 Euro.

Da Richter Förtsch "keine Zweifel an den Zeugenaussagen" hatte, verurteilte er den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Er muss eine Geldauflage in Höhe von 1500 Euro an die Awo zahlen. Diese Summe muss in Raten von jeweils 300 Euro beglichen werden, so Förtsch. Das Urteil ist rechtskräftig.

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