Kirchehrenbach
Bürokratie

Kerwa-Zwist in Kirchehrenbach

Die Gastwirtschaft Dennerschwarz hat sich erstmals aus der Organisation des Dorffestes zurückgezogen. Die Auflagen seien zu hoch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wer sich mit einem Bier vom Gasthof Dennerschwarz , dem Fachwerkhaus hinten, auf die Bierbänke vorne an der Straße setzten wollte, bekam es mit dem Schankpersonal des Kerwa-Wirtes Sponsel zu tun. Dem "Betz" war's egal: er trottete "pelzig" durch die Festmeile.  Foto: Hofbauer
Wer sich mit einem Bier vom Gasthof Dennerschwarz , dem Fachwerkhaus hinten, auf die Bierbänke vorne an der Straße setzten wollte, bekam es mit dem Schankpersonal des Kerwa-Wirtes Sponsel zu tun. Dem "Betz" war's egal: er trottete "pelzig" durch die Festmeile. Foto: Hofbauer
Misstöne kamen auf bei der Kirchehrenbacher Kerwa noch bevor das Musikprogramm begann. Denn als sich Gäste mit Krügen vom benachbarten Gasthof "Dennerschwarz " an die Tische auf der Festmeile setzen wollten, wurden sie vom Schankpersonal des Kerwa-Veranstalters Sponsel barsch des Platzes verwiesen: "Schleicht's Euch mit eurem mitgebrachten Bier, hier bewirten wir".
Hintergrund des Unfriedens: Der Gasthof Dennerschwarz hatte sich heuer überraschend von der Traditionsveranstaltung verabschiedet.Stattdessen bot er mit einem Musiker Unterhaltung im eigenen Biergarten. Dort erfuhren die Gäste und Kerwabesucher auf einem Handzettel auch, warum Dennerschwarz-Wirt Hubert Gebhard nach 39 Jahren, in denen seine Familie zusammen mit den Familien Zimmermann, bzw. später der Familie Sponsel "vieles an Arbeit und Liebe" in die Organisation dieses Festes gesteck habe, jetzt erstmals darauf verzichten müsse, die Kerwa auszurichten. Grund dafür seien die stetig wachsenden Auflagen der Behörden bei Festveranstaltungen. Diese reichten vom Jugendschutzbeauftragten, über die Bereitstellung eines Sanitätsdienstes mit Rettungswagen, Absperrungen gegen mögliche LKW-Attacken, Secutity mit Taschenkontrollen, Haftung für Schausteller bis hin zur Gesamthaftung für das Ferstgelände samt dem Umkreis von 200 Metern.


Keine Lösung mit Gemeinde

Dies habe dazu geführt, "dass wir in diesem Jahr besagte Auflagen nicht mehr zu erfüllen vermögen", heißt es in dem Handzettel der Wirte-Familie Gebhard. Und es wird darauf verwiesen: mit der Gemeinde habe man keine Lösung für die Haftung finden können.
In einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Dennerschwarz-Wirt Hubert Gebhard, dass er ständig mit der Gemeinde in Verbindung gewesen sei. "Ich habe der Bürgermeisterin schon letztes Jahr gesagt, dass das mit den Auflagen nicht mehr machbar ist", betont Hubert Gebhard. Beispielsweise sei bei den Ständen ein Abstand von acht Metern zu den Gebäuden gefordert - das sei bei der schmalen Straße aber nicht realisierbar, erklärt der Wirt. "Du stehst mit einem Bein im Gefängnis", habe ihn sein Rechtsanwalt gewarnt. "Ich konnte die Festverordnung daher nicht unterschreiben, betont Gebhard. Die eine Seite des Problems seien die Kosten der Sicherheitsauflagen, auf der anderen Seite stehe das juristische Risiko. Gebhard gibt in aller Deutlichkeit zu bedenken: "Man kann die Kosten nicht stemmen, wenn man alle Auflagen korrekt erfüllt - wenn man nicht alles korrekt macht, trägt man das Risiko, dass der Versicherungsschutz entfällt".


Kerwa ist ein Kulturgut

"Risiken gibt's immer", sagt hingegen Gastwirt Friedrich Sponsel, der heuer die Kerwa alleine ausrichtete. Die mit solchen Veranstaltungen verbundene Problematik habe er schon vor Jahren angesprochen.
Risken hin, Risiken her - Sponsels Einstellung ist: "Das ist ein Dorffest, das die Wirte ausrichten - das ist ein Kulturgut, hinter dem die gesamte Bevölkerung steht. Wenn so etwas stirbt, wäre ein Stück Heimat kaputt".
Die gute Zusammenarbeit mit den Kerwasburschen sei ein Zeichen einer lebendigen Dorfgemeinschaft, betont Festwirt Friedrich Sponsel.


Charakterlose "Fremdtrinker"

Er nimmt es im Übrigen seinem Gastwirts-Kollegen Gebhard nicht übel, dass er zur Kerwa in seinem Gasthof Bier ausschenkt. Das sei seine Entscheidung.
"Es ist jedoch eine Charakterlosigkeit von manchen Gästen, das Bier von dort mit naus zu nehmen und sich bei uns auf die Kerwas-Bänke zu hocken", zürnt Sponsel.
Mit der Kerwa-Konzession habe man quasi das Hausrecht auf dem Gelände. Wem das Kerwa-Bier nicht schmecke, der solle sich halt in ein anderes Wirtshaus setzen, betont der Festwirt und unterstreicht: Wir zahlen die Bühne, die Absperrung und die Musik - die kompletten Unkosten. Dass wir dann eine ganz andere Preiskalkulation haben, ist ja klar".


Nach der Kerwa ist vor der Kerwa

Nach der alten Fußballer-Regel "nach dem Spiel ist vor dem Spiel" blickt Friedrich Sponsel bereits jetzt auf die nächste Kerwa. "Man muss jetzt schauen, was gut gelaufen ist, und was man beim nächsten Mal verbessern kann".
Kirchehrenbachs Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD) verweist darauf, dass sich die Kerwa-Auflagen gegenüber letztem Jahr nicht verändert hätten. Und sie berichtet, dass der Wirt vom Dennerschwarz keinen Antrag für eine Konzession gestellt habe. "Ich habe zweieinhalb Wochen vor der Kerwa bei ihm angerufen und gefragt, was los sei", erläutert die Bürgermeisterin. Daraufhin sei Hubert Gebhard ihr mit dem Vorschlag gekommen, die Gemeinde möge doch als Veranstalter auftreten. "Diesem Vorschlag haben wir so kurzfristig nicht folgen können", betont Anja Gebhardt.
Auf die Frage unserer Zeitung, ob denn die Gemeinde nicht wenigstens die Veranstaltung mit einer Kostenbeteiligung unterstützen könne, erklärt die Bürgermeisterin: "Wie soll ich denn den Vereinen erklären, sie müssten die Security bezahlen, wenn wir bei der Kerwa die Kosten übernehmen würden." Man könne als Gemeinde nicht einen Wirt subventionieren.
Es gebe jetzt eine Nachbesprechung, bei der Überlegungen zur Organisation der Kerwa im nächsten Jahr unternommen würden.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren