Kersbach
Ortsjubiläum

Kersbachs Geburtsstunde bleibt ein Geheimnis

Thomas Greif hielt in der Schulturnhalle einen unterhaltsamen Festvortrag zu 1000 Jahre Kersbach, das wahrscheinlich viel älter sei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Thomas Greif zog mit dem Festvortrag die Zuhörer in seinen Bann.Gerhard Hoch
Thomas Greif zog mit dem Festvortrag die Zuhörer in seinen Bann.Gerhard Hoch
+3 Bilder
Zum Höhepunkt des Kersbacher Festjahres fand nun der Festvortrag in der Schulturnhalle statt. Hauptorganisator und Motor der Veranstaltungen Ludwig Preusch konnte dazu neben Bürgermeister Franz Streit auch Pfarrer Martin Emge sowie einige Stadträte begrüßen. Thomas Greif, ein gebürtiger Kersbacher, beleuchtete die 1000 Jahre Kersbachs unter verschiedenen Gesichtspunkten. Mit seiner Art des Vortrags zog er sofort die Zuhörer in seinen Bann.

Er stellte die Frage, warum das Jubiläum gar keines ist? Woanders habe man einen Beleg wie zum Beispiel in Herrenhut, wo ein Baum gefällt wurde und noch heute der Mittelpunkt eines Ortes ist. Aber für Kersbach gibt es keine Geburtsurkunde, wie bei vielen anderen Orten. So bleibt festzuhalten, dass Kersbach mindestens 1000 Jahre alt ist, aber wahrscheinlich viel älter.

In einer Urkunde vom 26.10.1017 wird es erstmals erwähnt. Ob es Urkunden gab, die verbrannt oder vernichtet wurden, weiß keiner. Die Erwähnungsurkunde hat Kaiser Heinrich II., der Gründer des Bistums Bamberg, ausgestellt. Dass eine Kapelle schon 1007 in "Kyrsebach" vorhanden war, ist urkundlich nicht zu belegen. Den einzigen Rückschluss darauf lässt nur das romanische Erzkruzifix aus dem Kersbacher Kirchenschatz zu, das im Original im Diözesanmuseum ausgestellt ist. Dann verschwand Kersbach für dreihundert Jahre in der Versenkung der Regionalgeschichte und taucht erst 1323-1328 wieder auf, und zwar als "Kerspach".


Die Kirsche als Namensgeber

Der Referent ging dann im dritten Teil seines Festvortrags auf sieben historische Augenblicke Kersbachs ein. Wie Greif berichtete, gibt sehr viele Ortsnamen, welche von Personen abgeleitet sind. Ein Beispiel hierfür ist Buckenhofen, d.h. der Hof des Buckos oder Siegritzau die Aue des Sieghard. In Fall des Jubiläumsdorfes hat sich die Kirsche als Namensgeber durchgesetzt. Im Rechtsbuch von Hohenlohe finden sich im 1348 erstmals Hinweise auf die Lebensverhältnisse und die damit verbundene Nennung von Einwohner des Ortes.

Die neue Pfarrei war ein weiterer Punkt in Greifs Ausführungen. Wie bereits bekannt, war die Gründung der Pfarrei eng mit dem Kirchengut der Mutterpfarrei St.Martin verbunden und der Grund, dass die Kersbacher aufgrund der Witterung nicht immer nach Forchheim wollten. Auch alle Taufen und Beerdigungen fanden bis dato nur in Forchheim statt.

400 Jahre nach der erstmaligen urkundlichen Erwähnung wurde Kersbach am 09.09.1417 zur eigenständigen Pfarrei erhoben und somit auch ein eigener Friedhof und eine Taufkapelle geschaffen. Das herausragende Ereignis im 18. Jahrhundert war der Neu- besser der Umbau der Pfarrkirche durch den Baumeister Johann Michael Küchel. Die Besonderheit war auch die hohe Wehrmauer, welche bis auf den westlichen Teil erst zu Beginn der 1970er Jahre abgetragen wurde.

Warum bekam damals ein Dorf mit 44 Häusern ein Gotteshaus. Der Grund ist darin zu finden, dass Kersbach bis ins 19. Jahrhundert ein Ottilienwallfahrtsort war. Die Reliquien der hl. Ottilie soll Kaiser Karl IV. aus dem Elsass nach Kersbach gebracht haben. Verwunderlich ist nur, dass die heilige Ottilie in der Gründungsurkunde der Pfarrei nicht erwähnt wird, obwohl über Generationen hinweg die Ottilienverehrung eine große Rolle spielte.

Kersbach hatte schon immer eine Grenzlage in Richtung Südwesten, so beginnt unweit des Ortes Mittelfranken. Eine Besonderheit aus dieser Lage war, dass die evangelischen Reichsfürsten den gregorianischen Kalender nicht anerkannten, und so war Silvester in Baiersdorf elf Tage später als in Kersbach. Da hätte man Weihnachten zweimal feiern können, aber welcher Kersbacher wollte nach Baiersdorf? Auch der Markgrafenkrieg setzte Kersbach zu, und es wurde gebrandmarkt und geplündert.


Die Bedeutung der Eisenbahn


Die Eisenbahn war für Kersbach schon immer von großer Bedeutung. So lag Kersbach von Beginn an an der Trasse der seit 1844 fahrenden "Ludwigs-Nord-Süd-Bahn", welche von Lindau nach Hof führte. Das Regnitztal war eine Hauptverbindungsroute. Martin Luther wanderte dort nach Rom und Goethe nach Italien und dieser schrieb in sein Tagebuch, dass die Wege wegen des sandigen Bodens sehr schlecht sind. Die Züge der Bahn hielten jedoch nicht in Kersbach. Es bedurfte mehrerer Eingaben der Gemeinden Kersbach, Effeltrich, Poxdorf und Gaiganz in München. Am 01. Mai 1897 war es dann für Kersbach soweit, dass Züge hielten. Den historischen Bahnhof hat inzwischen die neue ICE-Trasse aufgefressen, deren Lärmschutzwälle nun das Regnitztal dominieren.


Königlicher Besuch

Auch königlicher Besuch ließ sich in Kersbach schon blicken. Auf Einladung des königstreuen Studienprofessors Hans Räbel aus Forchheim kam Kronprinz Rupprecht am 8./9. Juni 1929 nach Forchheim. Die meiste Zeit des Besuches spielte sich in Forchheim und auf der Ehrenbürg ab, aber seine Durchlaucht weilte für eine Stunde am 8.Juni auch in Kersbach, begrüßt von Bürgermeister Heinrich Hofmann und Pfarrer Alfons Burger mit sehr kurzen und vorsichtigen Reden. Dies war der antidemokratischen Gesinnung von Hans Räbel geschuldet. Jedoch hinterließ die ländliche Veranstaltung, so das Bezirksamt, ihren Eindruck auf den Kronprinzen und sein Gefolge.

Zum Schluss konnte der Festredner noch kleine Anekdoten aus Kersbach erzählen und er fragte sich, ob der Kronprinz wirklich der letzte prominente Gast war? Nein, denn in den 70er Jahren soll Roberto Blanco seinen Fuß in einem Festzelt auf Kersbacher Boden gesetzt haben und Thomas Greif konnte sich erinnern, dass dieser im Festzelt am Sportheim gesungen hat. Auch dass der Nachtzug der Bahn einmal in Kersbach gehalten hat, ist bekannt. Der Rosenschorsch, der von einer Reise nach Jerusalem zurückkam, überredete den Schaffner so lange, bis der Zug in Kersbach anhielt. Sicher hingegen sei, dass im Dezember Angela Merkel mit dem ersten schnellen ICE von München nach Berlin an Kersbach vorbeifahren wird.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Franz Streit die Gäste im Auftrag der Stadt Forchheim begrüßt und in launigen Worten von seiner Recherche für das Grußwort ebrichtet. So habe er eine Begebenheit gefunden, die aber nirgends wirklich belegt ist: Kaiser Karl IV. soll auf einem Ritt von Bamberg nach Nürnberg von einem Kersbacher aus dem Hinterhalt mit einer Zwistel und einem Kirschkern ins Auge getroffen worden sein. Der Verletzte ließ die Reliquie der hl. Ottilie holen und wurde geheilt. Sein launiges Fazit gipfelte in der Feststellung: Was ein Kersbacher mit so einem "Kirschstein" alles kann!

Die Ausstellung mit vielen Bilder aus der guten alten und auch neuen Zeit ist noch am Dienstag in der Schulturnhalle zu sehen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren