Ebermannstadt

Kein Spaß: Schluss mit Comedy

Nach 19 Jahren und 69 Auftritten namhafter Kabarettisten fällt der letzte Vorhang für Comedy auf'm Dorf in Gasseldorf.
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Foto: Hofbauer
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Jetzt komm ich noch einmal und dann nimmermehr. Dieses Zitat aus dem Märchen Brüderchen und Schwesterchen von den Gebrüdern Grimm trifft die aktuelle Situation bei Comedy auf"m Dorf ganz gut. Der Auftritt von Urban Priol am 5. Juli im Comedyzelt in Gasseldorf ist die vorerst letzte Veranstaltung dieser Reihe.
Nachwuchssorgen und Ehrenamtliche, die in die Jahre gekommen sind, nennt Konrad Dresel, Kassier der Sportgemeinschaft Gasseldorf (SGG), unter deren Dach die Veranstaltungsreihe läuft, als Gründe für den Entschluss, vorerst einmal zu pausieren. "Es waren 19 wunderbare Jahre, in denen unsere Gasseldorfer Vereine die Veranstaltungen durchgezogen haben", so Dresel. Aber die Mitglieder der sechs Vereine des 500 Einwohner zählenden Dorfes seien nun an ihre Grenzen gestoßen.


Schon etwas traurig

Bei einer Besprechung aller Vereinsvertreter habe sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen, dass es kein 20 Jähriges Bestehen der Reihe geben soll und die Kabarettreihe mit dem Auftritt von Urban Priol endet. Ein wenig traurig sind Konrad Dresel und Norbert Schleicher, die seit Jahren das Programm zusammengestellt haben schon, zumal viele Erinnerungen mit der Reihe verbunden sind.
"Bei der allerersten Veranstaltung, zu der unser früherer Stadtrat Günther Brütting Klaus Karl Kraus (KKK) gewonnen hatte, haben wir noch weiße Zettelchen als "Eintrittskarten" ausgeschnitten", lacht Norbert Schleicher. "Als Beleuchtung hatten wir Baustellenstrahler und das Mikrofon für den Künstler hatten wir von der Blaskapelle ausgeliehen und KKK ans Revers geknipst, doch es ist immer wieder heruntergefallen", erinnert sich Konrad Dresel.
Doch der Erfolg war überwältigend. Die Leute waren begeistert, weshalb Norbert Schleicher bei einem Auftritt von Mäc Härder allen Mut zusammennahm, und ihn ansprach, ob er nicht in Gasseldorf auftreten wolle. "Ich war ganz schön nervös", gesteht Schleicher, dessen Befürchtungen völlig unbegründet waren. Das Ergebnis: Am 1. April 2000 gastierte Mäc Härder im Gemeindehaus.
"Ich weiß nicht mehr genau wo das war, aber ich habe miterlebt, dass "Sixpack" vor halb leerem Haus aufgetreten ist. Für mich unvorstellbar, Deshalb habe ich sie nach Gasseldorf geholt", erzählt Konrad Dresel. Am Anfang waren es lokale Größen wie Wolfgang Buck, das Totale Bamberger Cabaret (TBC) oder Heidi Friedrich aus Bamberg.


Das Geld vergessen

Dann wagte sich Norbert Schleicher an "große Kaliber" wie Urban Priol. Der kannte Gasseldorf, weil er mit dem Boot immer wieder einmal auf der Wiesent unterwegs war. "Aber das habe ich erst von seinem Management erfahren", erinnert sich Schleicher. Lachend denkt er daran zurück, dass Priol damals seine Gage in Gasseldorf vergessen hat. Dabei hatte ihm seine Agentur noch eingeschärft, er solle das Geld unbedingt gleich mitbringen.
Damals waren wir noch nicht so bekannt. Heute ist das kein Problem mehr. Michael Altinger, Günter Grünwald, Rolf Miller, Luise Kinseher, Andreas Giebel, Monika Gruber, Hans Klaffl, Django Asül und viele andere folgten. "Wir haben Michl Müller zu einem, Zeitpunkt verpflichtet, da hat der noch als Härter in Schweinfurt bei der "Svenska Kugellagerfabrik" (SKF) gearbeitet. Das war 2008, erinnert sich Konrad Dresel. So wurde Michl Müller mit vier Auftritten zu einem Stammgast in Gasseldorf. Ebenfalls vier Auftritte hatte Michi Altinger und Urban Priol gibt im Juli bereits sein sechstes Gastspiel an der Leinleiter.


Kulturpreis erhalten

Diese engagierte, ehrenamtliche Kulturarbeit würdigte der Kreistag des Landkreises Forchheim 2014 mit dem Kulturpreis. 60 überörtlich bedeutende Veranstaltungen, die bis dahin stattgefunden hatten, wertete Landrat Hermann Ulm (CSU) als Zeichen von Stetigkeit und Nachhaltigkeit. Die Kulturarbeit der Freiwilligen, die hinter Comedy auf'm Dorf steckten, habe Alleinstellungscharakter.
Die initiative leiste mit ihrer ehrenamtlichen Kulturarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung des ländlichen Raumes. Sie fülle die Dorfgemeinschaft mit Leben und verschaffe Gasseldorf überörtliche Beachtung.


Sag niemals nie

Ein Motivationsschub war mit der Verleihung des Kulturpreises allerdings nicht verbunden. "Vielleicht ist das ein Generationenproblem", mutmaßt Dresel, der bei den jüngeren jene Begeisterung für Comedy auf"m Dorf vermisst, wie sie die Gründer der Reihe vor 19 Jahren an den Tag gelegt haben. Bleiben wird auf alle Fälle das Logo. "Das ist urheberrechtlich geschützt", erzählt Norbert Schleicher. Möglicherweise braucht die Veranstaltungsreihe aber auch nur eine Art Lifting, ein neues Outfit. "Erst einmal ist Pause", verdeutlicht Konrad Dresel. Er schränkt aber ein. "Man soll nie nie sagen."


Kommentar von Josef Hofbauer: Als viel zu selbstverständlich hingenommen!


Zweifellos, die Sportgemeinschaft (SG) Gasseldorf, die weder im Fußball noch in irgendeiner anderen Disziplin am Spielbetrieb teilnimmt, spielt in Sachen Comedy in der ersten Liga. Das spiegelt in besonderer Weise der Kulturpreis wider, mit dem das ehrenamtliche Engagement für dieses Gemeinschaftsprojekt ausgezeichnet wurde.
Dabei konnte die SG stets auf ein Helferteam bauen, das bei der Gasseldorfer Kerwa genauso mit anpackte, wie beim Backofenfest oder den Kulturveranstaltungen, wo sie an ihren grünen T-Shirts mit dem gesetzlich geschützten Veranstaltungs-Logo zu erkennen waren. Eine unerlässliche Stütze war von Anfang an Andy Distler, der bis heute für die Technik verantwortlich zeichnet. Von A wie Aumeier oder Asül bis Z wie Zimmerschied reichte die Liste der Persönlichkeiten, die sich in der Heimat der Haberochsen die Klinke in die Hand gaben. Ob urige bayerische Gaudi (Da Huawa, da Meier und I) oder fränggischer Dreggsagg (Michl Müller), ob Nockherberg-Fastenpredigerin Luise Kinseher oder der fränkische Grantler Matthias Egersdörfer, sehen wollten diese Kabarett-Größen meistens Gäste aus Forchheim und den Nachbarlandkreisen. Besucher aus Ebermannstadt und Gasseldorf blieben Mangelware. Der Auftritt von Markus Maria Profitlich 2016 im Festzelt und das Gastspiel der "Blumengroup" im Dezember 2017mussten sogar mangels Nachfrage abgesagt werden. Auf Dauer enttäuschend für die Veranstalter, deren Engagement im Umkreis von zwei, drei Kilometern wohl als Selbstverständlichkeit betrachtet wurde. So gab es anlässlich des kulturellen Ritterschlages durch den Landkreis 2014 keinen offiziellen Glückwunsch durch einen der drei Ebermannstadter Bürgermeister. Ist Loben so schwer? Kostet es so viel Überwindung, jemandem für eine Leistung zu danken?
Vielleicht hat sich das Format aber auch überholt. Die jüngeren, die in die Rolle von Ex-Vorstand Hermann Kronas, Günther Brütting, Konrad Dresel und Norbert Schleicher schlüpfen sollten, haben offenbar nicht den Bezug zu diesem Genre wie die Gründer von Comedy auf'm Dorf. Den Wert der Veranstaltungsreihe werden die Bürger aber erst erkennen, wenn es dieses Angebot nicht mehr gibt. Dann bleiben nur noch Erinnerungen. Und beim einen oder anderen stille Trauer.
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