Forchheim
Geschäftsaufgabe

Kein Investor - Filiale schließt

Im Insolvenzverfahren der Martini Schmuckzeit GmbH ist die Außenstelle Forchheim das erste Opfer - neben einer von drei Niederlassungen in Nürnberg.
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Symbolfoto: Johannes Höllein
Symbolfoto: Johannes Höllein
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Die Stadt wächst, die Wirtschaft boomt. Der Forchheimer Einzelhandel bekommt die daraus resultierenden Effekte jedoch nicht im erhofften Maße zu spüren. Sinnbildlich kommt jetzt ein weiterer Leerstand hinzu, wobei dessen Gründe in Schwabach zu suchen sind. Die dort angesiedelte Martini Schmuckzeit GmbH, die in Franken bislang sieben Filialen betrieb, ist insolvent. Opfer sind zwei Niederlassungen, die in Nürnberg und die in Forchheim, wo Martini Schmuckzeit erst vor wenigen Jahren die Geschäftsräume des alteingesessen Schmuckhauses Stegmeyer übernommen hatte.

Seit einigen Tagen sind die Schaufenster am Paradeplatz nicht mehr erleuchtet, die Tür ist zu. Warum, wird nicht ersichtlich, ein schmuckloses, handgeschriebenes Schild verweist lediglich darauf, das Reparatursachen in der Hornschuchallee abgeholt werden können.

Erfolglose Suche

Auf Nachfrage bei Insolvenzverwalter Patrick Meyerle, der die Insolvenz seit Mitte November begleitet, kam heraus, dass die Tür des Forchheimer Ladens geschlossen bleiben wird. In den vergangenen Wochen habe der Rechtsanwalt in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung die finanzielle Situation des Unternehmens geprüft und zahlreiche Gespräche mit potenziellen Investoren geführt. Für die Filiale in Schwabach sei eine Nachfolgelösung mit einem neuen Betreiber erzielt worden. Für die Filiale in Forchheim habe sich indes kein Investor gefunden, weshalb sie geschlossen wurde.

Zwei Niederlassungen in Nürnberg werden so lange weitergeführt, bis der Abverkauf abgeschlossen ist, eine dritte musste bereits dichtmachen. Insgesamt erfreulich sei, so Meyerle, dass von den zuletzt 23 Mitarbeitern ein Großteil bereits in einem neuen Beschäftigungsverhältnis stehe. Als Grund für die Insolvenz der Martini Schmuckzeit GmbH nannte er den sich stetig verschärfenden Wettbewerbsdruck, dem die Firma entgegenzuwirken versucht habe - jedoch ohne Erfolg.

Gift für den Standort

In Forchheim kommt also noch ein Laden dazu, dessen Schaufenster mit Backpapier verhängt sind. Und es kursieren Gerüchte, dass weitere Geschäftsleute aufgeben wollen. So zum Beispiel in der Hornschuchallee, wo ein drohender Leerstand wohl nur durch den Umstand verhindert wird, dass ein benachbartes Unternehmen expandieren und die Räume übernehmen will. Immerhin.

Leerstände sind Gift für den Standort. Das weiß auch Yvonne Brandner vom Verein "HeimFOrteil", einem Zusammenschluss aus der IG "Die Innenstädter", Werbegemeinschaft und Citymanagement, der am 4. April offiziell aus der Taufe gehoben wird: "Wir sind einem interessanten Wandel ausgesetzt, den es anzunehmen gilt, um der Entwicklung entgegenwirken zu können. Das gelingt nur, wenn nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Wir Geschäftsleute müssen Hand in Hand arbeiten, um uns Gehör zu verschaffen und Ideen auf den Weg zu bringen."

Laut Brandner gelte es, Ansatzpunkte zu finden, um auf Leerstände, Frequentierung oder Aufenthaltsqualität zu reagieren. Zum Beispiel mit einem Beleuchtungskonzept oder Bänken, die zum Verweilen einladen. "Wir müssen einen guten Branchen-Mix schaffen und uns gleichzeitig die Frage stellen, ob wir mit Nürnberg, Erlangen oder Bamberg konkurrieren können oder wollen." Oft seien die Innenstädte mehr oder weniger austauschbar, weil sich überall die gleichen Ladenketten angesiedelt haben. "Forchheim muss seinen Charme bewahren, sich positionieren mit kleinen Fach- und Spezialgeschäften. Kundennah und mit einer großen Portion Herzlichkeit", betont Brandner.

Mehr digital, mehr Transparenz

Der Kunde sei durchaus bereit, im Geschäft zu kaufen. Oft fehle ihm jedoch das Wissen darüber, wo er was wann bekommen kann. Die digitale Vernetzung steht auf der To-do-Liste von "HeimFOrteil" deshalb weit oben. "Wir brauchen Transparenz und eine Plattform, auf der sich Kunden über Läden und deren Angebote informieren, Öffnungszeiten und Parkmöglichkeiten einsehen können." Auf dieser Basis können dann gezielt weitergearbeitet werden.

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