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Forchheim
Urteil

Junger Dealer: Tief in Forchheims Drogensumpf verstrickt

Ein 22-Jähriger aus dem Landkreis hatte seine Clique regelmäßig mit Drogen versorgt. Dafür wurde er zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt. Sie wird zur Bewährung ausgesetzt.
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Zwei solche Aktenordner füllen die Anklage- und Verteidigungsschriften von "Ralf", der sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten musste.  Foto: Josef Hofbauer
Zwei solche Aktenordner füllen die Anklage- und Verteidigungsschriften von "Ralf", der sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten musste. Foto: Josef Hofbauer
Die dreistündige Verhandlung vor dem Amtsgericht Forchheim hat bestätigt: Der Angeklagte Ralf S. (Name geändert) war der Dreh und Angelpunkt der Drogenszene im westlichen Landkreis. Er wusste, wo er Grass besorgen konnte. Und das tat er. Selbst das Verfahren wegen vorsätzlicher Weitergabe von Betäubungsmitteln habe ihn nicht davon abgehalten, "weiterhin Stoff zu verticken", wie sich Staatsanwalt Markus Englich ausdrückte. Die Quittung dafür: anderthalb Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Eher kleinlaut zeigte sich Ralf, als er von Richterin Silke Schneider aufgefordert wurde, aus seiner Sicht zu den 32 von der Staatsanwaltschaft vorgetragenen Rauschgift-Verstößen Stellung zu nehmen. "Ganz so ist es nicht gewesen", relativierte der 22-jährige eher schmächtig wirkende Angeklagte. Und den Vorwurf von Staatsanwalt Englich, der ihm gewerbsmäßigen Handel mit den Drogen unterstellt hatte, sei so auch nicht richtig. Nicht er sei der Dealer gewesen, vielmehr habe er das Rauschgift besorgt, stellte Ralf richtig.

"Und wieso sagen die anderen, sie hätten von Ihnen gekauft? Jetzt eiern Sie nicht so rum. Sagen Sie uns, woher Sie die Ware bezogen haben" drängte die Vorsitzende. Worauf Ralf den Kopf senkte, verlegen lächelte und schwieg. "Mein Mandant möchte dazu keine Angaben machen", verdeutlichte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Schwarz aus Erlangen.

Schwierig gestaltete sich die Vernehmung von mindestens einem halben Dutzend von Zeugen, alle aus der gleichen Marktgemeinde. Wer wann von wem welche Menge an Grass gekauft hat und wer wie oft Marihuana konsumiert hat, daran konnte sich mit Ausnahme eines Zeugen keiner so genau erinnern.

"Dürftig" nannte daher Rechtsanwalt Schwarz das Ergebnis der Befragung in seinem Plädoyer. Die am häufigsten verwendeten Formulierungen der Rauschgift-Konsumenten hatten nämlich gelautet "kann sein" oder "das weiß ich nicht mehr so genau".

Dürftige Zeugenaussagen

Meist bestätigten die Kronzeugen erst auf Vorhalt der Richterin ihre Angaben, die sie bei der polizeilichen Vernehmung gemacht hatten. Wiederholt zitierte Silke Schneider aus dem Chat-Verlauf des sichergestellten und eingezogenen Handys, auf dem die Drogenbestellungen von Jens, Uwe, Robin, Tobi, Mark oder des damals minderjährigen Marcel (Namen geändert) dokumentiert waren. Robin beispielsweise konnte sich vor Gericht auch nicht mehr daran erinnern, dass ihm Ralf einmal stärkeres Haschisch besorgt hatte, das er zusammen mit einem Kumpel geraucht hatte.

Schulterzuckend nahm er zur Kenntnis, dass er darüber bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte, er habe nach dem Konsum "überhaupt nichts mehr gebacken gekriegt" und auch sein Kumpel sei gleich nachher eingepennt. "Daran muss man sich doch erinnern", versuchte Silke Schneider dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, allerdings vergebens. "Man redet sich manchmal was schön", dachte daraufhin Silke Schneider laut.

Von den Mitgliedern der Clique machte sich auch keiner Gedanken, ob Ralf durch an der Beschaffung der Drogen verdiene. Sie seien davon ausgegangen, dass er die bestellte Ware zum Einkaufspreis weiter gibt. Gesprochen wurde darüber nicht. Auch die Tatsache, dass Marcel noch minderjährig war, interessierte offenbar niemanden. Er sei zur Clique gestoßen und habe halt auch mal Haschisch probiert, bestätigte er vor Gericht.

Die Verhandlung habe gezeigt, dass Ralf tief in den Drogenhandel von Forchheim und Umgebung verstrickt war, stellte Staatsanwalt Markus Englich zusammenfassend fest. Der Angeklagte konnte jederzeit seine Freunde mit Haschisch beliefern, auch wenn er sicher nicht als großer Dealer anzusehen sei.

32 Delikte nachgewiesen

Dafür sprächen die relativ kleinen Mengen, die er vertickt habe. Hinzu komme, dass es sich um eine so genannte weiche Droge gehandelt habe. Erschwerend wirke sich aber die Vielzahl der Delikte in einer relativ kurzen Zeit aus.

Zwischen September 2013 und Januar 2014, als er von der Polizei unter Drogeneinfluss mit seinem BMW gestoppt worden war, konnten ihm die Ermittler 32 Rauschgift-Delikte nachweisen. Die Fahrt unter Drogeneinfluss und sein Widerstand gegen die Staatsgewalt, als er sich geweigert hatte, einen Drogentest machen zu lassen, brachten ihm zusätzlich eine Geldstrafe von 900 und 1200 Euro ein. Außerdem wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, und Ralf muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Gnädig zeigte sich die Richterin bei der Führerschein-Sperre von drei Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Monate gefordert.

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