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Kultur

Jüdische Friedhöfe in der Fränkischen Schweiz: stumme Zeugen der Zeit

Sieben Friedhöfe sind die Relikte des einst blühenden jüdischen Lebens in der Fränkischen Schweiz.
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Hagenbach Foto: Reinhard Löwisch
Hagenbach Foto: Reinhard Löwisch
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Bedingt durch die Vertreibung durch die Nationalsozialisten geriet die Kultur der Juden in der Fränkischen Schweiz in Vergessenheit. Heute erinnern an die Zeit der Israeliten in der Region sieben Friedhöfe, die im Gegensatz zu christlichen versteckt, abgesperrt und völlig ohne Besucher ihre Aufgabe als "Haus der Ewigkeit" verrichten. Nach dem jüdischen Glauben ist ein Grab für die Ewigkeit gedacht.

Einer der ältesten Judenfriedhöfe steht in Pretzfeld oberhalb des Kellergeländes: 1607 fand dort die erste Beisetzung statt. Er war zu jener Zeit zentraler Begräbnisplatz des unteren Trubachtales. Heute sind noch etwa 200 Grabsteine erhalten, der älteste datiert ins Jahr 1732.

Nicht weit davon entfernt liegt im Ortsteil Hagenbach ein zweite Begräbnisstätte: Sie wurde 1737 eingeweiht, ist nur halb so groß wie die Pretzfelder und beherbergt doch rund 500 Juden, berichtet Josef Seitz aus Pretzfeld, der das Leben der Juden in der Region erforscht hat. 1934 gab es die letzte Beisetzung, 1941 gab es Pläne, dort Maulbeersträucher zu pflanzen werden, um eine Seidenraupenzucht aufzubauen.

Streng nach Osten ausgerichtet

Die nächste jüdische Begräbnisstätte liegt in Ermreuth bei Neunkirchen am Brand. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde mehrfach (zuletzt 1862) erweitert. 1936 schändeten Nazis den Friedhof - die in jenem und im Folgejahr beigesetzten Personen erhielten keine Grabsteine mehr.

In Aufseß findet sich ein weiterer Judenfriedhof, der - wie alle anderen auch - streng nach Osten ausgerichtet ist und um 1700 "mit Wissen der Herrschaft" angelegt wurde. Bis 1902 wurden hier sogar die Toten aus Bayreuth und aus Hollfeld beigesetzt. In Heiligenstadt gibt es seit dem 18. Jahrhundert einen jüdischen Begräbnisplatz. Die letzte Beisetzung fand hier 1895 statt. Die meisten Juden hatten zu dem Zeitpunkt den Ort längst verlassen. Amerika rief.

Berühmt ist der jüdische Friedhof in Buttenheim, den es erst seit 1819 gibt. Hier liegt Hirsch Strauß, der Vater des Auswanderers und Bluejeans-Erfinders Levi Strauß, begraben. Der siebte jüdische Friedhof der Fränkischen Schweiz liegt in Zeckendorf bei Scheßlitz. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde von den Bamberger Juden genutzt. Rund 600 Grabsteine sind erhalten.

Die Gemeinden überalterten

Viele jüdische Friedhöfe verloren an Bedeutung, weil Kultusgemeinden wegen Überalterung aufhörten zu existieren. In Pretzfeld war das 1866 der Fall, in Egloffstein um 1900. In der Zeit bis 1925 reduzierte sich die Zahl der Juden in der Fränkischen Schweiz von 496 auf 334 Personen. Bis 1933 sank sie auf 277 - und sechs Jahre später gab es keinen einzigen mehr.

Alle Kultusgemeinden verfügten über eine Synagoge, die größtenteils in der Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstört wurden. Nur ein schwacher Trost, dass die Kirchenschänder nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen wurden. Eine der wenigen Synagogen, die nicht zerstört wurde, ist die im "Judenhof", im jetzigen Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld. Der Gebetsraum aus dem 18. Jahrhundert ist vollständig erhalten. Vielleicht deshalb, weil dort schon seit 1850 keine jüdische Gemeinde mehr existierte und vergessen worden war, dass es eine Synagoge gab.

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