Forchheim
Pfalzmuseum

Juden prägten das Leben der Stadt Forchheim

Die Historikerin Martina Wesler bietet mit einem Rundgang und Stationen im Pfalzmuseum Forchheim Schulklassen einen umfassenden Einblick in das jüdische Lebens Forchheims. Es sind noch Spuren in der Stadt vorhanden.
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Auch Moritz Frankenthal war patriotisch. Der Gründer der Folienfabrik auf dem Gelände der heutigen Firma Huhtamaki machte bei der Spende für Hitler mit. Fotos: Pauline Lindner
Auch Moritz Frankenthal war patriotisch. Der Gründer der Folienfabrik auf dem Gelände der heutigen Firma Huhtamaki machte bei der Spende für Hitler mit. Fotos: Pauline Lindner
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Es ist eine eher unscheinbare Tafel im Stadtmuseum. Vier Namen von Gefallenen des Ersten Weltkriegs sind eingemeißelt: Bauer, zweimal Ebert, Heller und Schmidt. Eine Gemeinde bewahrt ihren Toten ein ehrendes Gedenken, kann man aus der Inschrift ablesen.

Wo hing diese Tafel? Diese selbstgestellte Frage bringt Martina Wesler, die Museumspädagogin des Pfalzmuseums Forchheim, in Fahrt, steht sie doch vor dem einen von zwei Überresten der Forchheimer Synagoge in der Wiesentstraße.

Dort beginnt sie ihren Rundgang für Schüler und führt sie über den Rathausplatz und die Hauptstraße in den dritten Stock des Museums. Zwischen den Stationen Industrialisierung der Stadt und Schicksal von Heimatvertriebenen liegt die Station zum jüngsten, traurigsten Kapitel der Geschichte der Forchheimer jüdischen Kultusgemeinde: Die Zerstörung der Synagoge ist dokumentiert durch Fotos und das etwas ramponierte Ner Tamid
(Ewiges Licht), das in die Wiesent geworfen worden war und von einem Privatmann gefunden wurde.

Tafel der Gefallenen

Genau dort hängt die Tafel der Gefallenen. Es sind fünf Mitglieder der Kultusgemeinde, die für ihr Vaterland Deutschland in den Krieg gezogen waren und nicht mehr heimkehrten. Als erster ist Ludwig Bauer (1888-1916) genannt. Er ist der Onkel des gleichnamigen zwölfjährigen Jungen gewesen, der die Sprengung der Synagoge unmittelbar erlebte. Ludwig Bauer jun. lebt heute in den USA und hat dem Historiker Rolf Kießling seine Erlebnisse geschildert.

"Die meisten Juden sahen Deutschland als ihre Heimat, ihr Vaterland an", betont Wesler. Für sie war der Militärdienst und der Kriegseinsatz eine patriotische Pflicht - auch für Ludwig Bauers Vater. "Einem Schreiben Hitlers als Dank für tapferen Einsatz verdankte er seine Freilassung aus dem KZ Dachau", weiß Wesler. Dorthin war er verschleppt worden, nachdem ihm das Aufräumen der gesprengten Synagoge aufgebürdet worden war.
Wesler winkt ihre Gegenüber ums Eck, in den Raum für das frühe Wirtschaftsleben der Stadt. "Mitte des 19. Jahrhunderts war Forchheims Lage ziemlich desolat", sagt sie. Die Garnison war aufgehoben worden.
Zu diesem Zeitpunkt investierten etliche Fürther Juden auch in Forchheim. Moritz Frankenthal und Josef Pfeifer Morgenstern waren die ersten. Sie richteten in der Engelhardsmühle eine Spiegelschleiferei und später Folienfabrik ein.

Die Häuser auf einem Memory

Wiederholen gehört zur Pädagogik. Die Schüler können ihr kurz zuvor erworbenes Wissen um die Häuser und Ladengeschäfte Forchheimer Juden an einem Memory rekapitulieren. Beobachtung der erwachsenen Betrachter: Etliche Häuser haben sich kaum verändert und sogar die Branche war zumindest nach dem Zweiten Weltkrieg gleichgeblieben.

Der aktive Teil des Angebots findet im Gewölbekeller statt: Hier hat Wesler verschiedene Stationen zum jüdischen Leben aufgebaut. Auf einem Tisch hat sie koschere Lebensmittel angerichtet - heutige, wie sie von in Deutschland oder Israel lebenden verwendet werden: eine Fleischdose von einer koscheren Metzgerei aus Frankfurt; Mazzen, Suppentüten und Rotwein aus Hulda in Israel, der ausdrücklich vom Oberrabbinat als "koscher für Pessach" zugelassen ist.

Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass die Forchheimer jüdischen Familien für den Sederabend (Beginn des Pessachfestes) just dieselbe Weinmarke verwendeten. Denn ein Erwerbsfeld der frühen jüdischen Einwanderer in Israel war die Wiederbelebung des Weinanbaus. "Hier können die Lehrer auswählen, was ich den Schülern erklären soll", erklärt Wesler das breite Spektrum samt Fühlkiste mit typisch jüdischen Gegenständen.

Sie legt Wert darauf, ihr Angebot mit den Lehrern und den Lehrplänen der Klassen abzustimmen. Am wichtigsten dabei ist ihr die Verankerung in der Stadt. Was die Schüler vor allem im Religionsunterricht über die Glaubensgemeinschaft erfahren haben, sollen sie mit Menschen in Verbindung bringen, von denen noch Spuren in der Stadt vorhanden sind.

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