Siegritz
Infoveranstaltung

Jede Unterschrift bringt Pacht

Die Marktgemeinde Heiligenstadt wirbt für den Breitbandausbau. Je mehr Bürger sich für den Glasfaseranschluss entscheiden, desto leichter fällt die Finanzierung.
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Die Marktgemeinde hofft, dass viele Bürger die Pachtverträge unterschreiben.Carmen Schwind
Die Marktgemeinde hofft, dass viele Bürger die Pachtverträge unterschreiben.Carmen Schwind
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"Dieses Breitbandnetz ist ihr Breitbandnetz. Es ist ihr Eigentum. Und darauf können sie stolz sein", trug Rüdiger Schmidt in einer Informationsveranstaltung am Montag in Siegritz vor. Er ist Geschäftsleiter der Marktgemeinde Heiligenstadt und seit kurzem Geschäftsführer der Breitband Markt Heiligenstadt GmbH. Seit Jahren hat er sich um dieses Thema gekümmert.

Jetzt ist es soweit. Der erste Bauabschnitt in Siegritz, Veilbronn und Leidungshof hat begonnen. Viele Bürger waren gekommen, um sich zu informieren. "Bisher war alles kostenlos für sie. Jetzt ist es wichtig, dass sie Pachtverträge mit dem Pächter, der Firma Bisping & Bisping, unterzeichnen. Denn mit jeder Unterschrift erhalten wir Pacht und finanzieren damit ihr Breitbandnetz", erklärte Schmidt.

Glasfaser bis ins Haus

Bisher hatten die Grundstückseigentümer sogenannte "Gestattungsverträge" erhalten. Damit erlaubten sie, dass ihre Grundstücke kostenlos an das Breitbandnetz angeschlossen werden. Der Rücklauf war mit 91 Prozent sehr hoch. Das Konzept sieht vor, dass in Heiligenstadt Glasfaser bis in jedes Haus gelegt wird. "Damit hatte der Marktgemeinderat entschieden, dass er in die Zukunft investiert", meinte der Geschäftsführer.

Er erklärte, dass die Gemeinde bereits 2016 mit dem Breitbandbau hätte beginnen können. Hier hatte sich die Marktgemeinde für das Bayerische Ausbauprogramm beworben. Allerdings wäre dann die Telekom Eigentümer des Netzes gewesen und die Glasfaser wäre nur bis an die Verteilerkästen gelegt worden. Deshalb hatte sich der Marktgemeinderat für das Bundesprogramm und ein Elf-Millionen-Euro-Projekt entschieden.

Die Bagger graben bereits

"Nach zähen Verhandlungen haben wir eine vorzeitige Baufreigabe erhalten. Deshalb sehen sie seit 1. Oktober Bagger graben", sagte Rüdiger Schmidt. Diese Bagger gehören den Firmen Aytac und IBU-Tiefbau. Mesit Kücükdumlu von IBU-Tiefbau berichtete, dass aktuell fünf Kolonnen an dem Projekt arbeiten, zwei im Tiefbau und drei sind mit dem Erdaushub beschäftigt. "Es gab schon erste Probleme, da wir auf Fels gestoßen sind", gab er an und die Zuschauer murmelten: "Na, so eine Überraschung."

Da seine Mitarbeiter selbst auch Internet benötigen, um mit ihren Familien zu kommunizieren, zeigte Kücükdumlu großes Verständnis für die "unterversorgten" Bürger. Steffen Strott von der Planerfirma LAN-Consult erklärte den Zuhörern, dass an der alten Netzstruktur nichts verändert wird, sondern dass eine zweite angelegt werde.

Eine Zuhörerin wollte wissen, ob sie ihre Fritzbox weiternutzen kann. Susi Bisping meinte, dass es darauf ankäme, welche das sei. Eine andere Zuhörerin berichtete, dass sie gerade erst einen Zwei-Jahres-Vertrag mit der Telekom abgeschlossen habe. Aus dem werde sie wahrscheinlich nicht früher herauskommen, war die Antwort. Susi Bisping empfahl aber, mit dem Anbieter zu sprechen und mit einer Kopie des Vertrags zur Firma Bisping & Bisping zu kommen; die wolle sich kümmern.

Förderung noch nicht endgültig

Die Zuhörer wollten auch wissen, ob Siegritz im August das neue Breitband nutzen kann. "Das dürfte kein Problem sein", meinte Strott. Susi Bisping erklärte, dass auch Fremdanbieter wie die Telekom das Netz gegen Entgelt nutzen können, sich aber noch niemand gemeldet habe. Martin Leybold von der Firma Lemka ergänzte, dass die Gemeinde vom Fremdanbieter ebenfalls Pacht erhalte. Ein Bürger wollte seinen Hausanschluss nicht im Keller, sondern im ersten Stock. "Wenn sie das Plastikrohr nach oben selbst verlegen und gegen UV-Strahlen schützen, geht das", antwortete Leybold.

Eine längere Diskussion gab es auf die Frage, wie denn die Marktgemeinde alles finanzieren will. "Wir bekommen Zuwendungen vom Bund und Freistaat und Einnahmen durch die Pachtverträge", erklärte Schmidt. Der Fragende wollte es jedoch genauer wissen. Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) wollte Details der Verträge nicht öffentlich machen. Außerdem sei der finale Förderbescheid noch nicht da. Die Finanzierung sei aber gesichert. "Mich regt das Schlechtgerede auf. Viele Gemeinden würden sich die Finger schlecken, wenn sie so ein Netz hätten", warf ein Besucher ein und erhielt von den Bürgern Applaus.

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