Forchheim
Musik

Israelische Musiker überraschen Publikum in Forchheim

Ein kleines Bläserensemble aus Israel bezauberte die Zuhörer in der Forchheimer Kaiserpfalz. Das Ensemble lockte das Publikum aus der Reserve.
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Die Musiker aus Israel beim Auftritt in Forchheim Foto: Elisabeth Görner
Die Musiker aus Israel beim Auftritt in Forchheim Foto: Elisabeth Görner
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In Bayreuth findet in diesem Sommer das 69. internationale Festival junger Künstler statt, und seit vier Jahren arbeitet der Förderkreis der Kaiserpfalz Forchheim mit den Bayreuther Organisatoren zusammen, die jeweils am ersten oder zweiten Sonntag im August eine Gruppe der Musiker von dort nach Forchheim schicken. Man will so zusätzliche Kontakte speziell zu jungen Menschen aus aller Welt knüpfen und dem Forchheimer Publikum immer wieder internationale Gäste vorstellen können. 2019 sind in Bayreuth insgesamt 30 Nationen vertreten. Ewald Maier begrüßte in seiner Funktion als Vorsitzender des Förderkreises im Innenhof der Pfalz diesmal ein kleines Bläserensemble aus Israel: Itay Shamir (20 Jahre alt, Querflöte und Piccolo), Lior Halili (22, Oboe und einzige Frau des Ensembles), Itay Dayan (20, Klarinette), David Wassermann (20, Horn) und Rotem Nir (21, Fagott). Die fünf jungen Leute haben sich in einem Jugendorchester kennengelernt, studieren jetzt zusammen an der Musikhochschule Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv, nehmen das zweite Mal an dem Festival in Bayreuth teil und nennen sich seit 2018 das "Tel-Aviv-Wind-Ensemble". Natürlich kennen die israelischen Musiker die Fugen J. S. Bachs, wenn auch nicht aus Kirchen, sondern aus Konzertsälen mit großen Orgeln. Um gerade deutschen Ohren besonders entgegenzukommen, leiteten die Ensemblemitglieder mit ihren dafür auch eher ungewöhnlichen Instrumenten das Forchheimer Konzert mit dem Präludium plus Fuge in d-Moll von Bach ein. Den ersten Teil vor der Pause beendeten sie mit der Trio-Sonata in F-Dur, den zweiten Teil begannen sie wieder mit der Fuge in g-Moll.

Eine Orgel "ersetzen"

Es war erstaunlich, wie Querflöte, Oboe und Klarinette als die vor allem die Melodien tragenden und hervorstechendsten Blasinstrumente - meistens mehr begleitend und auf der Basis der Klänge von Fagott und Horn - in Kammermusikart sogar eine Orgel "ersetzen" konnten. Es fiel dem Zuhörer sogar leichter, die Kompositionsstruktur zu erkennen. Alle drei Bach-Werke waren arrangiert von Mordechai Rechtman, der 1926 in Wuppertal geboren wurde, 1934 mit den Eltern nach Palästina emigrierte und noch heute als Fagottist, Dirigent und Arrangeur aktiv ist.

Zusammenstellung überrascht

Sehr überraschend war die Zusammenstellung der Stücke insgesamt: Wenn auf Bach die Ouvertüre zur und die reine Instrumentalfassung von vier Liedern aus der "Dreigroschenoper" von dem jüdischen Komponisten Kurt Weill (geb. 1900 in Dessau, gest. 1950 in New York) - der die Musik zum Brecht'schen Theaterstück schuf - folgen, zuckt vielleicht mancher Liebhaber der klassischen Musik erst kurz zusammen. Aber beim intensiveren Einhören kann man feststellen, dass das scheinbar nicht Zusammenpassende doch verblüffende Ähnlichkeiten aufweist. Etwas salopp und sehr verkürzt ausgedrückt, könnte man auch sagen: Bach, nur an einigen Stellen etwas "schräger".

"Moritat von Mackie Messer"

Nach der "Moritat von Mackie Messer" kam begeisterter Applaus vom Publikum. Auch der vorletzte Punkt des offiziellen Programms, die "Sechs Bagatellen" für Bläserquintett - entstanden 1953 - von dem erst 2006 verstorbenen, zur Avantgarde der modernen Musik gehörenden ungarisch-österreichischen Komponisten György Ligeti (aus jüdischer Familie; Vater und Bruder sind in KZs umgekommen, die Mutter hat Auschwitz überlebt), lockte die im Gros nicht mehr ganz jungen Zuhörer so aus der Reserve, dass besonders am Schluss dieser kleinen, kurzen Musikstücke - nichts anderes bedeutet hier das Wort Bagatelle - deutlich Lacher zu hören waren, wenn etwa nach schon erster Stille doch noch das Fagott einen allerletzten Ton draufsetzte. Vom Charakter her waren die Stückchen sehr unterschiedlich: von quirlig-lebendig über vorsichtig fragend, fast schon traurig, bis zu - durch Synkopen unterstrichener - Entschlossenheit, das Leben (nicht nur musikalisch) anzupacken.

Der Fagottist

Der Fagottist Rotem Nir hat das wunderschöne Traditional "Shalom Aleychem" nach einem schon vorliegenden Arrangement von Boris Pigovat speziell für sein Ensemble bearbeitet, und genau so ging es abschließend wirklich ans Herz: durchaus etwas melancholisch, aber auch tröstend und zugleich dem Leben zugewandt - das aschkenasisch-hebräische "Der Friede sei mit dir, mit euch!". Die spürbare Rührung wurde, nachdem Ewald Maier sich mit herzlichen Worten und leuchtenden Sommersträußen bei den Musikern bedankt hatte, durch die temperamentvolle Zugabe der "Torero"-Melodie aus Bizets "Carmen" noch einmal aufgelockert. Das Publikum bedankte sich seinerseits bei den jungen Künstlern mit reichem Schlussapplaus. Gerade in diesen Tagen ist es nicht selbstverständlich, dass eine israelische Gruppe nach Deutschland kommt und mit so hoher musikalischer Qualität und auch mit einer solchen Höflichkeit und Bescheidenheit, gleichzeitig mit freundlich-fröhlicher Ausstrahlung so großen Hörgenuss und einfach Freude bereitet. Die Zuhörer aus Forchheim und Umgebung werden das Konzert im geschichtsträchtigen Innenhof der Kaiserpfalz in kultureller Hinsicht in sehr guter Erinnerung behalten - und vielleicht sogar ein wenig in politischer.

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