LKR Forchheim
Verfahren

Irrfahrt im Drogenrausch durch den Landkreis Forchheim: Angeklagter muss sich vor Gericht verantworten

Körperverletzungen, eine Irrfahrt durch den Landkreis im Drogenrausch und schließlich Randale bei der Polizei und im Krankenhaus: Ein Mann musste sich dafür nun vor dem Bamberger Amtsgericht verantworten - doch der Angeklagte ist schuldunfähig.
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Nachdem er sich selbst und andere verletzt hatte, wurde der Angeklagte in einer Klinik fixiert. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa/Symbolbild
Nachdem er sich selbst und andere verletzt hatte, wurde der Angeklagte in einer Klinik fixiert. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa/Symbolbild

Erst hat er zwei Männer in Forchheim verletzt, dann ist er im Drogenrausch durch den Landkreis gefahren, hat in der Polizeiinspektion in Ebermannstadt einen Polizisten umgerissen und sich dann im Krankenhaus selbst verletzt und randaliert - und das ist erst der Anfang: Die Liste der Straftaten des Angeklagten, der sich in dieser Woche vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten musste, ist lange.

Das besondere an dem Fall: Es handelte sich um ein reines Sicherungsverfahren. Denn der Beschuldigte war bei den Taten schuldunfähig. Laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft litt er zum Tatzeitpunkt an einer paranoiden Psychose mit akutem Wahn und stand zusätzlich unter THC-Wirkung. "Daher ist eine strafrechtliche Verantwortlichkeit nicht gegeben und somit eine Verurteilung nicht möglich", erklärt Peter Neller, Richter am Amtsgericht und Leiter der Pressestelle.

Jedoch sei es möglich, Maßregeln der Besserung und Sicherung zu erteilen. Das Urteil: Das Gericht ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an, wie es Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt hatten.

Irrfahrt durch Landkreis Forchheim im Drogenrausch

Begonnen hat der Angeklagte mit seinen Straftaten am 8. März in Forchheim. Dort schlug er erst einem Mann mit der Faust ins Gesicht, nur um gleich darauf einen anderen Mann gegen einen Briefkasten zu stoßen. Wenige Minuten später setzte sich der Angeklagte in ein Auto und fuhr los Richtung Muggendorf - obwohl er Alkohol und Drogen im Blut hatte.

Und so startete die Irrfahrt des Mannes: Nahe der Abzweigung bei Reifenberg überholte der Mann trotz Gegenverkehrs mehrere Fahrzeuge. Die Fahrerin eines Kleintransporters konnte einen Zusammenstoß nur durch eine Vollbremsung verhindern. Bei zwei weiteren waghalsigen Überholmanövern, eines vor Gasseldorf und eines in Streitberg, erlitt ein Fahrer ein Schleudertrauma, an zwei Autos entstand insgesamt Sachschaden von rund 6500 Euro.

In Muggendorf nahmen Polizisten den Mann schließlich fest. Doch in den Räumen der Polizeiinspektion Ebermannstadt randalierte der Angeklagte weiter: Er prallte gegen einen Polizeibeamten und riss diesen zu Boden. Das Landratsamt Forchheim ordnete daraufhin an, den Mann im Klinikum St. Getreu in Bamberg, einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, unterzubringen.

Angeklagte verletzt sich selbst

Dort eskalierte die Situation dann vollends: In seinem Patientenzimmer schlug der Angeklagte zehn mal mit seinem Kopf gegen einen Wasserhahn und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Einen Pfleger, der eingreifen wollte, verletzte der Angeklagte mit einem Ellenbogenschlag an der Nase.

Weil er sich selbst verletzte, wurde der Mann in das Klinikum am Bruderwald verlegt und dort auf der Station "Intensiv I" fixiert. In den Morgenstunden des 9. März konnte sich der Mann von seinen Fesseln befreien, ergriff eine Glasflasche, drohte den Pflegekräften und forderte diese auf, den Raum zu verlassen. Zwischenzeitlich hatte der Angeklagte den Flaschenboden herausgeschlagen und sich selbst am Hals verletzt.

Polizist droht mit Waffe

Gegenüber den zwei hinzugerufenen Polizeibeamten leistete der Mann dann heftig Widerstand, ein Polizist musste nach mehrmaliger Androhung Pfefferspray versprühen. Schließlich zog einer der Polizisten seine Dienstwaffe und drohte, zu schießen. Doch auch das schien den Mann nicht zu beeindrucken: Der Angeklagte forderte den Polizisten auf, ihn zu erschießen und stach mit der Flasche in Richtung des Polizisten. Erst nach weiteren Androhungen gelang es den Polizisten, den Mann zu fesseln.

In dieser Woche musste sich der Angeklagte nun vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten. Dort wurden Zeugen vernommen und das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigens verlesen, berichtet Pressesprecher Neller. Als Zeugen sagten insbesondere die Geschädigten der Irrfahrt aus. Soweit sich der Angeklagte an die Taten erinnern konnte, habe er diese eingeräumt und sich persönlich bei den Geschädigten entschuldigt. Das Gericht ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an.

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