Gräfenberg
Hausbau

Familien verlieren tausende Euro an insolvente Firma: Ist ein Betrüger am Werk?

Mehrere Bauherren aus Franken hatten den Wunsch eines Eigenheims. Ersparnisse haben sie in die Grundstücke und Erschließung investiert. Allerdings kam alles anders, wie erhofft: Das bezahlte Geld an die beauftragte Firme ist plötzlich verschwunden. Nun stehen die Familien vor dem Nichts.
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Oliver Katzenberger und Verena Huber mit Tochter Amelia auf dem Baugebiet.  Ihr Grundstück liegt im Hintergrund beim Altenheim. Foto: Petra Malbrich
Oliver Katzenberger und Verena Huber mit Tochter Amelia auf dem Baugebiet. Ihr Grundstück liegt im Hintergrund beim Altenheim. Foto: Petra Malbrich

Der Traum vom Eigenheim hat sich für sechs Bauherren aus Gräfenberg, Nürnberg, Erlangen und Hetzles zum Alptraum entwickelt. Sie verloren Geld im sechsstelligen Euro-Bereich. "Das sieht man sonst immer nur im Fernsehen", sagt Verena Huber. Nun gehören die Gräfenberger Erzieherin und ihr Lebensgefährte, der Beamte Oliver Katzenberger, selbst zu den Betrogenen. Angefangen hatte alles 2014. Ein Geschwisterpaar aus Gräfenberg hatte einen alten Obstgarten, der ungefähr 3000 Quadratmeter umfasst. Diesen wollten die beiden als Baugrund verkaufen, wie Helmut Kellermann, der Eigentümer, erzählt. Unerschlossen, um nicht in Vorleistung gehen zu müssen. Fünf Grundstücke konnte er privat verkaufen, zwei über eine nun insolvente Firma, die sich meldete und versprach, die Vorgaben umzusetzen.

Verträge für Grundstücke abgeschlossen

So schlossen zwei Bauherren den Grundstückskaufvertrag mit Erschließungsvertrag über die Firma ab, fünf Bauherren bezahlten die Grundstückskosten an Helmut Kellermann, schlossen jedoch den Erschließungsvertrag mit der Firma ab. Einer davon war Oliver Katzenberger, der beim Treffen mit dem Makler diesen Erschließungsvertrag über 35.200 Euro über dessen Arbeitgeber, der nun insolventen Firma, einer Unternehmensgesellschaft unterzeichnete.

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Kurz darauf wurden die ersten Kosten fällig und immer weitere Rechnungen für die Erschließung. "Am Grundstück aber tat sich nichts", sagt Katzenberger, der nach einiger Zeit die Zahlung verweigerte. Druck und Drohung mit Zwangsvollstreckung seitens des Bauträgers sei die Antwort gewesen. Selbst als die gesamten Erschließungskosten bezahlt waren, habe die Firma weitere 8000 Euro gefordert, weil sich die Kosten angeblich erhöht hatten. Dieser Betrag wurde laut Katzenberger auch von den anderen Bauherren für die noch immer unerschlossenen Grundstücke gefordert, weshalb die Bauherren einen Anwalt einschalteten.

Anwalt will Kontakt aufnehmen

"Als unser Rechtsanwalt Kontakt mit der Firma aufzunehmen versuchte, wurde der offizielle Geschäftsführer am 15. Februar 2018 aus dem Handelsregister ausgetragen und sämtliche Anfragen blieben unbeantwortet", erzählt Katzenberger. Schriftlich habe er vom Insolvenzverwalter erfahren, dass aufgrund Zahlungsunfähigkeit kein Insolvenzverfahren eröffnet werden könne. Das bedeutet, dass für alle sechs Bauherren das Geld für die Erschließung weg war. Einer konnte bauen, da er über eine bereits erschlossene Straße anschließen konnte. Zwei von den Bauherren verloren noch mehr Geld, hatten sie doch auch das Grundstück über die Firma gekauft. Diese beiden stehen nun vor dem Nichts.

Makler verwundert

Diese Geschichte allerdings verwundert den Makler Klaus Schrenk. Er war bei der nun insolventen Firma angestellt und regelte den Verkauf, auch den Erschließungsvertrag mit den Bauherren wie Oliver Katzenberger. Aber Schrenk wunderte sich ebenso, dass auf den Baugrundstücken nichts voranging. "Ich hatte ein ungutes Gefühl, weil sich dort nichts tat", erklärt er.

Mehr zum Thema Wohnen: 10 Tipps, mit denen sie richtig heizen und lüften - und richtig Geld sparen Laut Schrenk hatten die Bauherren jedoch keinen Erschließungsvertrag über seinen Arbeitgeber abgeschlossen, sondern lediglich einen Vertrag darüber, dass das Grundstück vorbereitet werde. "Es waren dort viele Bäume und es lag viel Schrott herum. Das musste freigemacht werden", erläutert Schrenk den Vertragsinhalt.

Vorwurf an die Stadt

"Ich weiß hundertprozentig, dass die Stadt im Bebauungsplan als Vorhabensträger steht. Der Stadtrat hat dem zugestimmt, da verwette ich jeden Betrag. Als Vorhabensträger muss die Stadt erschließen. Es kann nicht sein, dass Kommunen hinterher sagen, es interessiert uns nicht", schimpft Schrenk. Der Bebauungsplan sei seit einem Jahr genehmigt, meint der Makler. Er vermute, die Kommune wolle nur Zeit schinden.

Lesen Sie auch: Hohe Fördersummen für Familien - Die sechs wichtigsten Fakten zum neuen Baukindergeld Bauherr Oliver Katzenberger kann durch seinen Vertrag jedoch aufzeigen, dass die gesamte Erschließung durch die Firma erfolgen sollte, der Vertrag war auch als Erschließungsvertrag bezeichnet.

Verwaltung dementiert Aussage

Die Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg (VG) dementiert Schrenks Aussage ebenfalls. "Das Thema Erschließung ist nie aufgetaucht", betont Stefan Kohlmann, der Geschäftsführer der VG. "Da es sich nicht um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan handelt, gibt es auch keinen Vorhabensträger", sagt Tanja Kutscher vom Haupt- und Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft.

Als Privatstraße festgelegt

Demzufolge gibt und gab es weder Verträge zwischen der Stadt Gräfenberg und den Eigentümern (weder Verkäufer noch Käufer) noch mit dem von der Firma beauftragten Planungsbüro und ebenso nicht mit dem Makler der Firma. Vielmehr sei in dem von dem Planungsbüro der Firma vorgestellten Bebauungsplan die Straße von Anfang an als Privatstraße festgelegt gewesen. Das wurde vom Stadtrat begleitet und im Bebauungsplan festgelegt. "Wenn wir einen Erschließungsvertrag gemacht hätten, hätte sich die Stadt mit Bürgschaften gesichert. Es kam nie so weit", bekräftigt Kohlmann.

Alle aktuellen Nachrichten rund um die Themen Wohnen und Bauen finden Sie hier! "So bedauerlich das ist, aber es ist ein privat verursachtes Problem, das die Stadt weder verursacht hat noch lösen kann. Aber wir helfen, wo wir helfen können", beteuert Kohlmann. Und das bedeutet, wie auch Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) bekräftigt, dass die Stadt durchaus bereit wäre, Wasser und Kanal zu legen. Die Straße aber werde eine Privatstraße bleiben. Deshalb müsste zum einen jeder Grundstückseigentümer mit der Regelung Wasser und Kanal durch die Stadt einverstanden sein, was auch bedeute, eine Dienstbarkeit eintragen zu lassen. Zum anderen müssen die Bauherren klären, wer der Bauherr der Straße ist. Zwei der Grundstücke suchen wieder einen neuen Bauherren. Immerhin haben sich die Betroffenen nun an die Stadt gewendet, um Lösungen zu finden, um doch noch das Eigenheim bauen zu können.

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