Igensdorf
Naturschutz

Initiative "Blühendes Igensdorf" sorgt jetzt schon für Artenvielfalt

Lange vor dem Volksbegehren haben Igensdorfer bemerkt, dass mit der Insektenwelt etwas nicht stimmt. Sie gründeten die Initiative "Blühendes Igensdorf".
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Ehrenamtliche bearbeiten eine kleine Gemeindefläche. Nach dem Mulchen und Rechen wird in drei Wochen angesät. Foto: Petra Malbrich
Ehrenamtliche bearbeiten eine kleine Gemeindefläche. Nach dem Mulchen und Rechen wird in drei Wochen angesät. Foto: Petra Malbrich
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Rund 25 Igensdorfer handeln beim Thema Artenvielfalt und könnten damit zum Vorbild für die Kommunen im Landkreis Forchheim werden. "Blühendes Igensdorf" nennt sich die Initiative aus Ehrenamtlichen, die, lange bevor das Volksbegehren "Artenvielfalt" in aller Munde war, die Weichen für den Schutz von Insekten und des heimischen Ökosystems gestellt haben. Im Herbst 2018 gründeten sie die Initiative. Zunächst waren über 20 Helfer an der Kirche in Rüsselbach und mulchten dort eine Fläche der Kirchengemeinde. In drei Wochen werden diese Frauen und Männer wieder zu den vorbereiteten Flächen gehen und für eine Blumenvielfalt ansäen.

50 Blumensorten

"Wir haben kiloweise Saatgut bei einem Betrieb mit einheimischen Saaten gekauft, passend zu den hiesigen Böden", informiert Andreas Michalka, der Ansprechpartner der Initiative "Blühendes Igensdorf". Aus gut 50 verschiedene Blumensorten besteht das Saatgut, mindestens 20 davon werden je nach Lage und Bodenbeschaffenheit aufgehen und Bienen, Hummeln und viele andere kleine Insekten anlocken. Gemäht wird maximal zwei Mal im Jahr. Inzwischen sind die Ehrenamtlichen am Rathaus in Igensdorf angekommen, ein Helfer schiebt das Gerät über die Rasenfläche am Parkplatz zwischen Rathaus und Feuerwehr. Ein Dreivierteljahr ist es her, dass die Idee zu dieser Initiative geboren wurde. Andreas Michalka und Jörg Sieben, beide Hobbyimker, bemerkten an den Erträgen im Bienenstock, dass etwas gewaltig nicht stimmte. "Man hat gesehen, dass die Bienen kein Futter mehr finden", erklärt Michalka. Das alleine wäre noch kein Problem, denn die Honigbienen könnten gefüttert werden, aber nicht die Insekten und die Vogelwelt, die darunter genauso leiden. Auch sie fanden und finden nichts zum Leben, das täglich zum Überleben wird. Doch das gesamte Ökosystem hänge von der Artenvielfalt ab, erläutert Michalka. Er und Jörg Sieben überlegten. "Wie müsste die Landschaft aussehen, um vernünftige Voraussetzungen, angefangen bei den Insekten, zu schaffen?", überlegte Michalka. Nur auf die Landwirtschaft zu schimpfen, war den Männern zu einseitig. "Wir möchten nicht eine Gruppe gegen eine andere ausspielen, sondern betrachten es als gemeinschaftliche Aufgabe", sagt der Mittelrüsselbacher. Klar wirke sich die beim Volksbegehren "Artenschutz" geforderte Prozentzahl an blühenden Wiesen positiv aus, da es in der Landwirtschaft gleich große Landstriche seien, die sich dann ändern. "Aber zu diesen zehn Prozent kann auch jede Gemeinde und jeder Einzelne beitragen", beteuert Michalka.

Netzwerk schaffen

Das Ziel der Initiative ist deshalb, ein Netzwerk zu schaffen, bei dem die Landwirte, die Kommunen, die Kirchen, Vereine, Unternehmer und Organisationen sowie jeder einzelne Gartenbesitzer mitwirkt, um eine gesunde Artenvielfalt zu schaffen. Dazu gehöre vor allem auch, ein anderes Bewusstsein zu schaffen, damit beginnend, dass ein Steingarten weder ordentlich noch schön sei, da keine Nahrung für die Insekten zu finden sei. Gesucht werden auch Unterstützer, um das Netzwerk zu schaffen. Neben dem FC Stöckach, der St.-Jakobus-Kirchengemeinde Kirchrüsselbach und dem Dorfverschönerungsverein Rüsselbach konnten auch Obstbau-Fahner aus Igensdorf und die Brennerei Häfner aus Oberrüsselbach gewonnen werden. Auch der Markt Igensdorf unterstützt die Initiative.

Ehrenamtlich betreut

"Ich habe meine Kommunalbienen", erklärt Bürgermeister Wolfgang Rast. Diese werden auch ehrenamtlich betreut, von Jörg Sieben und Clemens Meindel von der Marktverwaltung Igensdorf. Nicht nur deshalb sind Clemens Meindel und Kollegin Gabriele Reichert auch ehrenamtlich bei der Initiative dabei. Die Gemeindeflächen werden durch diese Ehrenamtliche nach und nach umgestaltet und nicht mehr so oft gemäht. Die Bürger müssten sich eben daran gewöhnen, dass es nicht mehr so ordentlich aussieht, meint der Bürgermeister. Wobei "ordentlich" eine Frage des Bewusstseins sei. An den öffentlichen Flächen werden Infotafeln angebracht, die darüber informieren, was hier blüht und warum. Bleibt als weiterer wichtiger Schritt für die Initiative, mehr Unterstützer und Paten zu finden. Die Paten betreuen eine Fläche, sie schauen dort nach dem Rechten. Muss etwas getan werden, melden sie das bei der Initiative und anstehende Arbeiten werden organisiert. Auch jeder Bürger darf sich melden, wenn er in seinem Garten für Artenvielfalt sorgen möchte.

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