Dormitz
Protest

In Dormitz machen Befürworter der Umgehungsstraße mobil

Die Befürworter der Westumgehung von Dormitz machen auf ihre Situation aufmerksam. Sie haben Lärm, Dreck und gefährliche Verkehrssituation satt.
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Nun machen die Befürworter der Umgehungsstraße in Dormitz an der Hauptstraße mobil. Foto: Petra Malbrich
Nun machen die Befürworter der Umgehungsstraße in Dormitz an der Hauptstraße mobil. Foto: Petra Malbrich
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"Wir haben auch ein Recht auf Ruhe und saubere Luft", steht in großen Lettern auf den gelb-grünen Plakaten, die an fast jedem zweiten Gartenzaun in der Hauptstraße in Dormitz hängen. Jede Kröte werde besser geschützt als die Kinder - so lautet die Wortwahl auf anderen Bannern, auf denen die Westumgehung des Ortes gefordert wird. Viele andere Grundstücke sind mit einem klaren "Nein zur Westumgehung" plakatiert. Etliche Umgehungsstraßen-Befürworter, darunter auch viele Kinder, haben sich am Brunnen getroffen und möchten vor allem eines: den Eindruck revidieren, dass selbst immer mehr Anwohner der Hauptstraße gegen die Westumgehung seien. Diesen Eindruck erweckten die Gegner, als sie vor wenigen Wochen zu einem Pressegespräch beim Rosenbacher Berg eingeladen hatten. Die Bürgerinitiatve Munk (Für ein modernes, umweltbewusstes Neunkirchen am Brand), der Bund Naturschutz, der Jagdpächter und der Hegeverband, die Bürgerinitiative für umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal und die Interessensgemeinschaft der Landwirte meinten, dass angesichts des immensen Flächenfraßes durch die zwei Kilometer lange Umgehungsstraße selbst immer mehr Bürger an der Hauptstraße gegen die Westumgehung plädieren würden.

Eindruck täuscht

Dass dieser Eindruck täuscht, zeigten die Bürger, die mit allen Nachteilen des Ist-Zustands an der Hauptstraße leben, auf. Die vielen gegenteiligen Meinungen der Nein-Plakate lassen sich ihrer Meinung nach leicht begründen. Ein Landwirt, der das Banner am Gartenzaun befestigt hat, wohne überhaupt nicht mehr dort. Zehn leere Anwesen gebe es in der Hauptstraße, sagen die Befürworter, deren Worte im Verkehrslärm untergehen. Dabei sei es eigentlich leise, der Berufsverkehr von Erlangen nach Neunkirchen ist am Freitag um 18.30 Uhr vorbei. Trotzdem fahren leere Lastwagen, ein Bagger und etliche Autos die Straße rauf und runter. Ein Vater ist mit seinen Kindern per Fahrrad unterwegs - auf dem Gehweg. "Man traut sich nicht mehr auf der Straße zu fahren, doch die Gehwege sind auch nicht breit genug", erklärt Zweiter Bürgermeister Matthias Fuchs (ÜWB). Von der erhöhten Unfallgefahr ganz zu schweigen. "Hier sind häufig Unfälle, bei denen Erste Hilfe geleistet werden muss", berichtet Anwohner Ingo Hommel. In den letzten zwölf Jahren habe es über 20 Schwerstverletzte, einer ist sogar verstorben, und unzählige Leichtverletzte gegeben, zählt Fuchs auf.

Keine Alternative

Für die Befürworter steht schon lange fest: Es gibt keine Alternative zur Westumfahrung. Anwohnerin Edith stehen die Argumente der Gegner bis zum Hals. "Diejenigen, die die Einstellung der Planung fordern, leben in ruhigen Wohngebieten. Aber die anderen sollen hier im Lärm und im Dreck wohnen", schimpft sie und bekommt Schützenhilfe von Elke: "Wir werden wie Menschen dritter Klasse behandelt, dürfen kein Recht auf Ruhe haben." Sie hat eine behinderte Tochter, die sie nicht alleine auf die Straße lassen kann. Das enorme Verkehrsaufkommen, immerhin 11.000 Fahrzeuge pro Tag, schaffe eine Situation, die ihre Tochter nicht beurteilen könne.

Das Verkehrsaufkommen

Genau das Verkehrsaufkommen nehmen die Gegner als Grund, die Planung der Westumgehung einzustellen. Laut deren Aussage würde der Verkehr laut einer Zählung abnehmen. Das Gegenteil sei der Fall, behauptet die Gegenseite, ein weiterer Anstieg von zwölf Prozent sei prognostiziert worden. Dabei stinkt es den Befürwortern jetzt schon. Durch den Feinstaub könne man nicht mehr lüften. Die Nase sei immer dicht, sagt eine Frau, die in der Nähe des Brunnens wohnt.

Um 4.30 Uhr geht es los

Ab 4.30 Uhr donnert der Schwerlastverkehr über den Asphalt. "Durch diese Erschütterungen ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Die Kinder müssen aber zwei Stunden später zur Schule", schimpft Elke. Warum die Gegner, die in Zeiten des Klimawandels den Verzicht auf die Westumgehung fordern, dies mit dem Flächenfraß begründen würden, ist den befürwortern schleierhaft. Von 18 Hektar und einer Trassenbreite von 21 Metern sprechen die Gegner. Das reine Asphaltband würde elf Meter betragen, der Flächenverbrauch laut Befürworter nicht einmal neun Hektar. Dafür gebe es ein Gutachten, meinte ein Anwohner. Und über den als lärmdämmende Alternative genannten Flüsterasphalt schütteln die Befürworter nur den Kopf. "Der Flüsterasphalt macht uns ganz kaputt. Mehr Feinstaub durch stärkeren Abrieb", erklärt Ingo Hommel. Der Flüsterasphalt werde zudem doppelt so hoch gebaut und sei doppelt so teuer und müsse alle paar Jahre komplett erneuert werden. Nicht die ganze Hauptstraße sei gegen die Umfahrung, sagen die Befürworter. Sie wollen sich gegen "Fake News" wehren und hoffen auf Leute, die mit ihnen fühlen.

Termin am Mittwoch

Am Mittwoch, 12. Juni, trifft sich Bürgermeister Holger Bezold (FW) um 17.30 Uhr mit Vertretern der Befürworter und der Gegner im Rathaus, in der Hoffnung, einen Konsens zu finden.

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