Gößweinstein
Natur

In die Geschichte eintauchen: Geologische Wanderung zur Stempfermühlquelle

Von der Fellner-Doline aus führte Höhlenforscher Ferdinand Haselmeier eine geologischen Wanderung. Endpunkt war die Stempfermühlquelle - welche gleichzeitig der Höhepunkt der Tour und Anreiz zur Diskussion war.
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Ferdinand Haselmeier (3.von links) erklärt den Teilnehmern auf der Stempfermühlquelle deren geologische Besonderheiten. Unter den zahlreichen Teilnehmern der Wanderung war auch Robert Klupp (rechts), frührer Leiter der Fischereiaufsicht des Bezirks Oberfranken. Foto: Thomas Weichert
Ferdinand Haselmeier (3.von links) erklärt den Teilnehmern auf der Stempfermühlquelle deren geologische Besonderheiten. Unter den zahlreichen Teilnehmern der Wanderung war auch Robert Klupp (rechts), frührer Leiter der Fischereiaufsicht des Bezirks Oberfranken. Foto: Thomas Weichert

Rund 1000 Liter Wasser pro Sekunde schüttet die Stempfermühlquelle mit ihren drei nebeneinander liegenden Quellen und ist damit auch bei größter Trockenheit die stärkste Karstquelle der Fränkischen Schweiz. Großen Anklang fand nun eine geologische Wanderung von der Fellner-Doline bis zur Stempfermühlquelle. Der Hobbygeologe und Höhlenforscher Ferdinand Haselmeier leitete die Führung, an der unter anderem Robert Klupp, früherer Chef der Fischereiaufsicht des Bezirks Oberfranken, teilnahm.

Als Trinkwasserquelle genutzt

Bis 1992 wurde der Ort Gößweinstein aus der Stempfermühlquelle mit Trinkwasser versorgt. So ist es auf einer der Erklärtafeln an der Quellschüttung zu lesen. Eingestellt werden musste die Trinkwasserversorgung von Gößweinstein wegen eines nicht ausweisbaren Wasserschutzgebietes, da über der Quelle direkt der Hauptort Gößweinstein liegt.

Ferdinand Haselmeier, der damals Bauamtsleiter im Gößweinsteiner Rathaus war, erinnerte an den Wassernotstand im Frühjahr des Jahres 1983. Damals seien deutliche Eintrübungen in der Quelle festgestellt worden, weshalb aus ihr kein Trinkwasser mehr entnommen werden durfte. Gößweinstein musste daher über große externe Tankwasserbehälter notversorgt werden. Erst nachdem die Trübung nachgelassen hatte, konnte das Wasser wieder für die Bevölkerung freigegeben werden.

Unfreiwillig zum Zweckverband

Dies sei aber auch der Anfang vom Ende für die Eigenversorgung von Gößweinstein gewesen, denn das Landratsamt Forchheim machte Druck auf die Kommune, sodass 1989 im Marktgemeinderat der Anschluss an den Zweckverband der Wasserversorgung der Wiesentgruppe erfolgte. Diese bezieht ihr Trinkwasser aus der Sachsenmühlquelle, welche laut Haselmeier jedoch eine wesentlich geringere Schüttung habe.

Ursache für die Verunreinigung und Eintrübung des Wassers der Stempfermühlquelle war damals vermutlich verschmutztes und verunreinigtes Oberflächenwasser aus einem, im näheren Einzugsbereich der Quelle liegenden, Grundstücks innerhalb des Ortes Gößweinstein. Das Wasser ist durch die Schneeschmelze ungefiltert und schnell in den Karstuntergrund gelangt.

"Die eigenständige Wasserversorgung in Gößweinstein war den Fachbehörden, insbesondere dem damaligen Wasserwirtschaftsamt Bamberg, schon länger ein Dorn im Auge und man hatte schon lange vor dem Vorfall 1983 den Markt Gößweinstein gedrängt, sich dem Zweckverband der Wiesentgruppe anzuschließen", so Haselmeier.

Dies wollte der Marktgemeinderat jedoch nicht, hatte die Kommune an der Stempfermühle doch eine qualitativ hochwertige und quantitativ stark schüttende Quelle zur Verfügung. Ungünstig sei damals jedoch gewesen, dass sich der Ortsteil Gößweinstein im unmittelbaren Bereich der Quelle befindet, und ein Schutz der Quelle durch Verunreinigung nicht garantiert werden konnte. Man konnte zwar mit entsprechender Chlorung bakteriellen Verunreinigungen vorbeugen, aber einen dauerhaften Schutz nicht gewährleisten.

Letztendlich blieb dem Gemeinderat nichts anderes übrig, als sich dem Druck der Fachbehörden zu beugen und an die Sachsenmühlquelle des Zweckverbandes der Wiesentgruppe anzuschließen. "Denn die Sachsenmühlquelle ist zwar im Gegensatz zur Stempfermühlquelle formal durch die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes geschützt, aber trotzdem auf eine Transportchlorung angewiesen", sagt Haselmeier.

Vorwürfe abgewiesen

Dem widerspricht Wiesentgruppenchef Hanngörg Zimmermann. "Seit Inbetriebnahme der UV-Anlage wurde das Trinkwasser der Wiesentgruppe nicht mehr gechlort und muss dies auch in Zukunft nicht", betont er. Haselmeier entgegnet: "Gerade das Einzugsgebiet der Sachsenmühlquelle ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzung und dadurch auch mit dem krebserregenden Desethylatrazin, einem Abbauprodukt von Atrazin, mit einer Abbauzeit von 50 Jahren, belastet."

Auch dies sei für die Wiesentgruppe kein Thema mehr, nachdem die neue Filteranlage im Jahr 2007 in Betrieb ging, erklärt dazu Zimmermann. "Denn damals wurden drei Filtersysteme eingebaut, darunter auch eine Aktivkohlefilteranlage die Pflanzenschutzmittel bis zu einem fast nicht mehr nachweisbaren Bereich herausfiltert", betont er.

Außerdem leiste die Wiesentgruppe Ausgleichszahlungen an die Landwirte, damit diese in Zukunft keine wasserschädigenden Pflanzenschutzmittel mehr einsetzten.

Wasserentnahme möglich?

Theoretisch wäre es laut Zimmermann möglich, die Stempfermühlquelle mit einer Verbindungsleitung an die Filteranlage der Wiesentgruppe anzuschließen. Dem steht aber ein nicht ausweisbares Wasserschutzgebiet für die Stempfermühlquelle entgegen, da der Ort Gößweinstein dann komplett in diesem Wasserschutzgebeit liegen würde. Und dies darf eben nicht sein, so Zimmermann.

Haselmeier schlägt trotzdem vor, zu prüfen, ob außerhalb des Ortes Gößweinstein nicht eine Wasserentnahme der Stempfermühlquelle möglich wäre. Denn die extrem starke Schüttung der Stempfermühlquelle lässt große Wasservorkommen nach Süden hin bis in die Veldensteiner Mulde vermuten.

"Außerdem sollte auch geprüft werden, ob nicht durch technische Vorhalteinrichtungen bei der Quelle eine mögliche Verunreinigung ausgeschlossen und diese geschützt werden kann", sagt Haselmeier und fügt hinzu: "Bekanntlich gibt es mehrere Ortsbürger aus Gößweinstein, die regelmäßig ihr Trinkwasser aus der Stempfermühlquelle entnehmen und bis heute dadurch keine gesundheitlichen Schäden erlitten haben. Denn die gute Qualität des Wassers ist unbestritten." Weiterhin, mahnt er, sei es überhaupt nicht nachvollziehbar, dass gerade in der sich abzeichnenden Wasserknappheit auf eine der stärksten Quellen in Nordbayern verzichtet werden kann.

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