Baiersdorf

In Baiersdorf bringt der Kren alle zum Strahlen

Isabella I. übernimmt das Zepter von Lea I. und repräsentiert in den kommenden zwei Jahren Meerrettich-Standort Baiersdorf. Die 28-Jährige hat auch beruflich mit dem scharfen Gemüse zu tun.
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Lea I. (l.) reicht ihr Amt an Isabella I. weiter. Fotos: Weiler
Lea I. (l.) reicht ihr Amt an Isabella I. weiter. Fotos: Weiler
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Wenn es nach Klaus Karl-Kraus geht, hat Meerrettich nicht nur eine gesunde und bekömmliche Wirkung, sondern gibt sogar wertvolle Impulse für die Demokratie. Bei der Krönung der neuen Meerrettichkönigin im Baiersdorfer Kulturzentrum Jahnhalle beklagte der Kabarettist die mangelnde Schärfe im Wahlkreis.

Da könnte die Krenmetropole Baiersdorf sicherlich Abhilfe schaffen, indem sie die Politiker durch Meerrettichgenuss in einen Zustand geistiger Klarheit, argumentativer Zuspitzung, geballter Schlagfertigkeit und Wortwürze versetzt.

Damit wäre nicht zuletzt die aktuell vorherrschende Wahlmüdigkeit beseitigt, witzelte Kraus weiter.
Souverän führte der fränkische Launemacher durch die Krönungszeremonie und entlockte den rund 150 Gästen der Veranstaltung Gelächter und Beifall. Kraus animierte sie das ein ums andere Mal zum Singen und Schunkeln.


Mit strahlendem Lächeln

Nach den Interviews mit den drei letzten Meerrettichköniginnen und dem 83-jährigen Kren-Original Gretel Hawel aus Höchstadt sowie dem tränenreichen Abschied von Meerrettichkönigin Lea I. betrat endlich die neue Königin Isabella I. die Bühne. Würdevoll und mit strahlendem Lächeln.

Begleitet wurde sie von einer Gruppe Krenweiber. Von ihrer Vorgängerin Lea I. bekam die neue Königin das Krönchen ins Haar gesetzt. Hanns-Thoma Schamel, Geschäftsführer der gleichnamigen Meerrettichfirma, hängte ihr die Schärpe um und Bürgermeister Andreas Galster (CSU) schmückte sie mit der herzförmigen Königinnenkette, auf der zwei Meerrettich-stangen abgebildet sind.

Am Ende drückte ihr auch noch Klaus Karl-Kraus das goldene Zepter in die Hand. Mit den Insignien ihrer Macht bekleidet, brachte die überwältigte frisch Inthronisierte erst einmal nur einen Satz über die Lippen: "Es ist toll!"
Doch schnell gewann Isabella I. ihre Geistesgegenwart zurück und konnte Klaus Karl-Kraus exakt beantworten, was an diesem Amt das Tolle ist: "Was ist schöner, als sich für seine Heimat einzusetzen und sie zu vertreten?" Keine Frage: nichts!

Die Entscheidung, vor zehn Jahren die Krönung einer Meerrettichkönigin in Baiersdorf einzuführen, sei eine richtungsweisende Idee gewesen, sagte der Bürgermeister stolz. Seitdem werde der Meerrettich in der Öffentlichkeit noch stärker wahrgenommen werde, als dies schon immer der Fall gewesen sei.

Baiersdorf habe sich endgültig damit als Meerrettichstadt in Deutschland positioniert. Und der Meerrettich sei "ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns manche anderen beneiden", glaubt Galster.

In der fränkischen Region verfügen aber auch andere Ortschaften über wirtschaftliche Alleinstellungsmerkmale. Als Beispiel nannte Galster Bubenreuth mit seinem Instrumentenbau. Als Gäste bei der Krönungsfeier begrüßte Galster unter anderem den Bundestagsabgeordneten Stefan Müller (CSU) , den Vizepräsidenten des bayerischen Landtags Jörg Rohde (FDP), den Röttenbacher Altbürgermeister Hans Mitschke oder auch den Bürgermeister von Hausen, Franz Renker (FW).


Wärmend durch alle Glieder

Als eine "dreifache Wunderwurzel" pries Hanns-Thomas Schamel den Meerrettich in seiner Festansprache an. Er sei besonders scharf, besonders gesund und obendrein eine kulinarische Delikatesse, die mit einer Geschmacksexplosion auf der Zunge beginne, anregend in den Kopf aufsteige und schließlich wärmend durch alle Glieder ströme.

Insofern habe der Meerrettich eine ganzheitliche Wirkung, zumal er mit seinem hohen Gehalt an Vitaminen, antibiotischen Substanzen und ätherischen Ölen das Immunsystem kräftige, dem Krebs vorbeuge und die Vitalität steigere.


1000 Arbeitsstunden pro Hektar

Seit über 500 Jahren habe sich nichts daran geändert, dass im ältesten und traditionsreichsten Meerrettichanbaugebiet schwere Arbeit geleistet werde, um die goldgelben Meerrettichstangen für die Verarbeitung bereitzustellen. Über tausend Arbeitsstunden pro Jahr und Hektar. Den Krenbauern ist es laut Schamel zu verdanken, dass der Meerrettich Jahr für Jahr pünktlich angeliefert werde. Seine Firma biete mehrjährige Anbauverträge und garantiere, die gesamte bayerische Meerrettichernte abzunehmen.

Neben bester Produktionsfrische seien die Schonung der Umwelt durch kurze Lieferwege und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region hervorzuheben. Schamel verwies auf eine ganze Wertschöpfungskette: vom Verkäufer über den Händler, den Hersteller, den Mitarbeiter und den Handel bis hin zum Kunden. Sie alle profitierten vom Geschäft mit dem Meerrettich.

"Der Meerrettich ist nicht einfach Nostalgie, die wir pflegen in Baiersdorf und darüber hinaus, sondern er ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung", sagte CSU-Politiker Stefan Müller in seiner Rede. Deshalb sei es wichtig, "dass wir solch ein gekröntes Haupt wie Isabella I. haben, die den Meerrettich über Baiersdorf hinaus vertritt".
Lea Merdok, die Amtsvorgängerin von Isabella I., gab dieser einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: "Es ist am besten, so viele Märkte zu besuchen und so viel mitzumachen, wie nur geht. Hätte ich selbst in meinen zwei Amtsjahren nicht so viel gemacht, so hätte ich es hinterher bereut."


Scharf und gesund

Isabella I. ist 28 Jahre alt, heißt mit bürgerlichem Namen Isabella Miller. Ihr gehört ein Gastronomiebetrieb in Baiersdorf. Damit erfüllt sie sämtliche Voraussetzungen, um das Amt einer Meerrettichkönigin bekleiden zu können. Denn neben einem Alter zwischen 18 und 30 Jahren muss eine Königin auch beruflich etwas mit Meerrettich zu tun haben.

Schon vorher sei der Kren auf dem Speiseplan ihres Restaurants gestanden, sagte Isabella I. Künftig werde sie aber "das schärfste Menu Baiersdorfs" anbieten. Darunter versteht sie in kleines Menü, das alle vier Wochen wechseln soll. Der Meerrettich wird dabei allerdings immer eine tragende Rolle spielen.

Sie freue sich, ein "gesundes Produkt mit tollen Eigenschaften" vertreten zu dürfen, sagte Isabella I.

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