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"Immer ist es ein Kampf gewesen"

In nur fünf Jahren hat Gerd Zimmer eine turbulente Bürgermeister-Karriere hingelegt. Und, zum Leidwesen seiner Gegner, wohl eine sehr erfolgreiche.
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In fünf Jahren als Erster Bürgermeister hat Gerd Zimmer deutliche Akzente in Hausen gesetzt.  Foto: FT
In fünf Jahren als Erster Bürgermeister hat Gerd Zimmer deutliche Akzente in Hausen gesetzt. Foto: FT

Erster Bürgermeister ist er noch, doch ausüben wird Gerd Zimmer sein Amt bis März nicht mehr. Dann ist Wahl in Hausen. An ihr wird sich der 64-Jährige nur noch als Beobachter beteiligen. Eine Position, an die er sich erst noch wird gewöhnen müssen, denn für Gerd Zimmer waren die Jahre seit 2014 die wohl ruhelosesten seines Lebens. "Immer ist es ein Kampf gewesen."

Diesen Kampf hat der Erste Bürgermeister im zurückliegenden Sommer aufgegeben. Nicht freiwillig. Die Signale seines Körpers habe er als "letzte Warnung" verstanden, sagt der 64-Jährige: Zwei Mal war er "einfach umgekippt" - Spätfolgen eines Schlaganfalles, den er im August 2015 erlitten hatte.

Die Spuren dieses Leidens sind offensichtlich. Gerd Zimmer hat Probleme, rund zu gehen und beim Sprechen fallen ihm manche Wörter nicht ein. Trotz alledem wirkt er gelassen. So gerne er sich im März der Wiederwahl gestellt hätte - seit er sich entschieden hat, dies nicht zu tun, scheint auch eine Last von ihm abgefallen zu sein.

Eine Last, die für Gerd Zimmer definitiv größer war, als sie üblich ist für einen Bürgermeister einer Kommune dieser Größe. Denn Hausen ist ein konservatives Pflaster, in dem die überwiegend katholisch geprägte Bevölkerung daran gewöhnt war, einen CSU-Bürgermeister zu haben. Dann kam Zimmer. Ein "Zugereister", ein Protestant, der nicht mal im Ort, sondern am Rand (in Wimmelbach) lebte und der sich dann auch noch anschickte, der erste SPD-Bürgermeister der Gemeinde zu werden.

Was daraus wurde, weiß jeder, der die Ratspolitik in Hausen seit 2014 auch nur von Ferne beobachtet hat. Gerd Zimmer musste sich von Anfang an mit der Boykotthaltung einer oft verbittert wirkenden Gegnerschaft auseinandersetzten. Das tat er sachlich, aber energisch. Zimmer wirkt wie einer, der spät, aber dann deutlich auf den Tisch haut.

Die Mehrheit der Bürger stand offensichtlich hinter ihm. Die Mehrheit des Gemeinderates ganz oft nicht. Schon deshalb findet es Silvia Zimmer "toll", was ihr Mann geleistet habe. Sie bezeichnet ihn als "Kämpfer". Er selbst sieht sich eher als "vermittelnder Typ".

In jedem Fall muss erstaunen, was Gerd Zimmer trotz der Widerstände in einer einzigen, nicht mal vollendeten Amtszeit hingekriegt hat. Etwa das Baugebiet Lohe 5; ein Feuerwehrhaus mit Bauhof, das für andere Kommunen zum Vorbildobjekt wurde; den Breitbandausbau; neue Bauten für die Offene Ganztagsschule und den Kindergarten; eine Teilsanierung der Schule - und nicht zuletzt eine hochmoderne Verwaltung, wie sie nicht häufig im Landkreis zu finden ist.

Ruhmlose CSU Hausen

"Wir haben zu viel angepackt", meint Gerd Zimmer rückblickend. Ab 1. April, dem offiziell ersten Ruhestandstag, wird der 64-Jährige Zeit haben für all das, was er vernachlässigt hat: Seine drei Töchter, seine vier Enkel, das Reisen mit seiner Frau...

Vor allem wird er sich nicht mehr mit der CSU herumschlagen müssen. Die habe sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, sagt Silvia Zimmer. Und erzählt nur diese eine, symptomatische Geschichte: Nach dem Schlaganfall ihres Mannes im Sommer 2015 verschwand Gerd Zimmers Name auf dem Türschild seines Dienstzimmers. Der Name war umgehend durch ein Schild mit der Aufschrift "Bürgermeister Bernd Ruppert" ersetzt worden. Und als Gerd Zimmer im April 2016 nach der Reha in den Dienst zurückkehrte, hörte er als erste Reaktion eines Gemeinderates: "Wir brauchen einen Bürgermeister, der hundert Prozent gesund ist."

Jetzt, da ihm die Ärztin geraten hat, sich Ruhe zu gönnen und nicht mal mehr die Zeitung zu lesen, muss sich Gerd Zimmer mit solchen Sätzen nicht mehr herumärgern. Der Gemeinde Hausen wünsche er für die Zukunft "alles Gute". Und er wünsche sich einen Gemeinderat, der seine begonnenen Projekte weiterführe. Die Lokalpolitik wird Gerd Zimmer weiterverfolgen. Schon wegen seiner Frau Silvia und seiner Tochter Nadine. Für die SPD bewerben sich beide im März um ein Gemeinderatsmandat.