Forchheim
Rettungseinsatz

Immer der Schnauze nach: So trainiert die Rettungshundestaffel Forchheim für Ernstfälle

Bei der Suche nach Vermissten setzt die Polizei auch auf die Unterstützung von Spürnasen. Die Forchheimer Rettungshundestaffel trainiert für den Ernstfall.
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Juliane Waas übt mit ihrem Australian Shepherd auf dem Trainingsgelände. Jutta Rudel
Juliane Waas übt mit ihrem Australian Shepherd auf dem Trainingsgelände. Jutta Rudel
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ascar rast zwischen Bauschutt, Geröll und Gerüsten umher, rennt Leitern hoch und streckt ab und an seine Schnauze in die Höhe. Der Australian Sheppard vollbringt gerade Höchstleistung: Er versucht die Witterung eines versteckten Menschen auf dem Gelände der Firma Plail in Forchheim aufzunehmen. "Es ist kein richtiges Trümmersuchgelände, aber zum Trainieren der Grundlagen ganz gut", sagt Juliana Waas, Hundeführerin von Lascar und Ausbildungsleiterin des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH) Forchheim. Zweimal pro Woche wird geübt: Trümmer-, Flächen- oder Personensuche, neudeutsch "Mantrailing".

Ausbildung für Mensch und Tier

Bevor es losgeht, zückt Waas Babypuder aus der Tasche und streut es in die Luft. "So sehen wir, woher der Wind kommt." Denn Hundeführer müssen darauf achten, ob die Witterung verfliegt. Bei heißem Wetter steigt diese nach oben, bei starkem Wind wird sie zerteilt.

Das lernen die Hundeführer in der zwei- bis dreijährigen Ausbildung. Dabei steht viel Theorie auf dem Plan: Einsatztaktik, Thermik und Wetterkunde zum Beispiel. In der Praxis wird der Hundeführer beim Training geschult und auch der Hund muss seine Ausbildung absolvieren. Sie besteht aus zwei Säulen, wie Waas erklärt: Der Hund muss zum einen spielerisch lernen, Menschen zu suchen. Zum anderen muss er sich mitteilen. Unterschieden wird dabei in "Verbeller" - also Hunde, die beim gesuchten Menschen bleiben und lautstark bellen - und in "Freiverweiser". Die Hunde laufen zum Hundeführer zurück, geben ein Zeichen und führen ihn zur Person.

In der Forchheimer Staffel sind neun Hunde geprüft, drei in Ausbildung. Unterschiede bestehen in der Rasse und in der Kompetenz: "Flächen- und Trümmerhunde riechen alle menschlichen Gerüche, Trailerhunde suchen nur eine bestimmte Person", erklärt Michael Müller, Vorsitzender und Zugführer. Die Hunde erhalten ein Stück vor die Schnauze gehalten, dass nur die gesuchte Person benutzt hat. "Beliebtes Opfer ist die Zahnbürste", sagt Waas.

Eine Gemeinsamkeit haben alle Rettungshunde: Sie sind hochkonzentriert. "Wenn ich Zuhause die Hose anziehe, wissen meine Jungs schon, was los ist und lassen sich von nichts mehr ablenken", sagt Waas. So zum Beispiel auch zur Personensuche vor wenigen Wochen in Eltmann. Nach eineinhalb Stunden muss die Staffel aber gewechselt werden, sonst wird es zu anstrengend für die Hunde. Da kann es passieren, dass die Forchheimer auch zu weit entfernten Einsätzen nachalarmiert werden. "Im vergangenen Jahr bis nach Sachsen", sagt der Zugführer. Trümmersuchen seien zwar recht selten, doch Müller rückte zum Beispiel 2006 nach Bad Reichenhall an, als die Eishalle einstürzte. Auch für Einsätze bei Höhlen in der Fränkischen Schweiz sei das Trümmertraining nützlich.

Spenden und Mitglieder erhofft

Damit der BRH weiterhin Leben retten kann, ist der Verein, der sich ausschließlich selbst finanziert, auf Spenden angewiesen. "Allein die Ausrüstung eines Hundeführers kostet etwa 400 Euro", sagt Müller. Zudem hoffen die Forchheimer auf Verstärkung. "Viele sagen, ich geh nur in die Rettungshundestaffel, wenn ich einen Hund habe. Aber wir brauchen auch andere Einsatzkräfte ohne Hund", sagt er. Zum Beispiel Einheitsführer, Suchtruppenhelfer oder auch einen Drohnenpiloten. Wer BRH-Mitglied werden möchte, kann sich einfach melden oder mit seinem Vierbeiner zum Training vorbeikommen. Die Ausbildungsleiterin prüft dann, wer das Zeug zum Rettungsteam hat. "Besser riechen als wir können alle Rassen. Wichtig ist, dass die Hunde Kondition und Energie haben", sagt sie. Für die Spürnasen ist es harte Arbeit, die aber Spaß machen soll. Waas stellt klar: "Das Ganze muss für die Hunde ein riesen Spiel sein."

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