Kappel
Entwicklungshilfe

Im Land der Massai - "Opa Martin" hat plötzlich 300 Enkelkinder

Mit 84 Jahren besuchte Martin Merz aus Kappel (Kreis Forchheim) seine Tochter in Tansania. Er hat bleibende Eindrücke von dem stolzen Hirtenvolk.
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Martin Merz in Tansania Foto: privat
Martin Merz in Tansania Foto: privat
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Die Ankunft in der Steppe war für Martin Merz aus Kappel bei Hiltpoltstein, als wäre er hundert Jahre zurückgeworfen worden. "Wir können uns das nicht vorstellen", sagt Merz. Vergangenes Jahr, mit 84 Jahren, hatte er beschlossen, seine Tochter Elisabeth zu besuchen und deren Arbeit bei den Massai kennenzulernen. Schon nach ihrer Ausbildung als Hauswirtschafterin hatte sie über die Neukirchener Mission, eine evangelische Missionsgesellschaft aus dem Siegerland, eineinhalb Jahre in Tansania verbracht. Dann absolvierte sie eine Lehre als Krankenschwester im Südklinikum Nürnberg und interessierte sich für das Werk von Angelika Wohlberg. Auf Mission wollte Elisabeth Merz ohnehin wieder gehen. Als sie Angelika Wohlberg und deren Kinderheim und Schule kennenlernte, war es keine Frage, dass sie als Managerin der Schule für 300 Kinder einsteigen würde. Warum gerade die Schulbildung für die Kinder so wichtig war, sollte Elisabeths Vater Martin Merz bald erfahren.

Angekommen in Arusha

Angekommen war er in der Stadt Arusha in Tansania. Dort herrschte viel Leben mit Einkaufszentren. "Sogar deutsches Bier konnte man dort kaufen", erinnert sich Merz. Aber dann in Malambo kam ein richtiger Sprung ins vorherige Jahrhundert. "Sie haben kein Licht, kein Wasser, keine Toiletten und keinen Strom. Die Massai-Hütten sind aus Lehm und Kuhdung gebaut und das Dach aus Astgeflecht", erzählt Merz. "Diese Arbeit verrichten die Frauen und Mädchen", fügt er an. Und was tun die Männer? "Die sind stolz. Sie arbeiten nichts", antwortet Merz. Die Ziegen werden von den Söhnen gehütet. Die Frauen - die Männer haben meist zwei Frauen und viele Kinder - hingegen wurden geschlagen, wenn sie widersprachen. Eine der Schülerinnen aus Angelikas und Elisabeths Schule hatte das zehn Jahre lang mit ansehen müssen, bis die Mutter allen Mut fasste, vor dem Ehemann flüchtete und im Kinderheim Zuflucht fand. Die beiden Deutschen ermöglichten dem Mädchen eine Schulbildung. "Heute studiert sie in Albanien", weiß Martin Merz zu erzählen.

Besuch in Kappel

Auch in Kappel hat er schon Besuch von Massai bekommen, eine davon war das Mädchen Namajana. Genau diese Freude, diese Dankbarkeit der Mädchen, Jungen und der Frauen, teils auch von Männern, ist es, was Merz' Tochter treibt, zu helfen, und auch Martin Merz, die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. "Diese Dankbarkeit und Freundlichkeit ist unbeschreiblich", betont Merz. Als er zu den Massai in die Steppe unterwegs war, überlegte er, wie er die Menschen begrüßen sollte. Jede Sorge war überflüssig. "Opa Martin" riefen sie ihm zu, und jeder Schüler wollte, dass er sie mit Handauflegen segnete. Auch das war für den gläubigen Mann aus Kappel, der selbst mit der Verkündigung des Evangeliums auf Mission war, ein unvergessliches Erlebnis. "Sie nennen Elisabeth Mama, deshalb bin ich ihr Opa. Ich habe somit über 300 Enkelkinder", erklärt Merz erfreut.

In der Schule

Bei der Schule sind Gästehäuser gebaut, dort wurde Martin Merz untergebracht. Wasser, Strom und Toiletten sind vorhanden. Als eine der besten Schulen ist die Schule von Angelika und Elisabeth bekannt. Sie ist christlich geführt, doch im Vordergrund stehen Lesen, Rechnen und Schreiben. 20 Computer sind vorhanden. Die Nachfrage für den Schulunterricht ist dementsprechend groß. "Sie haben keine Berufe", betont Merz. Das soll sich ändern, und die Frauen leisten viel Überzeugungsarbeit, um aufzuzeigen, wie wichtig eine Schulbildung ist. Die Regierung bewilligte inzwischen den Bau einer zweiten Schule. Das Gebäude hat Martin Merz gesehen. "Das Material, der Beton und was sonst benötigt wurde musste aus 300 Kilometer Entfernung herbeigebracht werden. Sie fuhren mit Lkws durch die Steppe", erzählt Merz. Die Kinder veranstalteten eine Begrüßungsfeier für ihren "Opa Martin". Er bekam einen handgefertigten Gürtel mit Namen geschenkt, als der Bürgermeister ihn kennenlernen wollte. "Die Frauen fertigen ihn, nähen das mit ganz feinen Perlen", erklärt Merz. Ein buntes Perlenarmband haben sie ihm außerdem geschenkt und Halsketten mit einem Kreuz. Diese Arbeiten verkaufen die Frauen am Straßenrand, um ein bisschen Geld zu verdienen. Ein Massai, der als evangelischer Prediger dort arbeitet, bat Martin Merz, eine Predigt zu halten. Auch das hat den heute 85-Jährigen aus Kappel tief bewegt. Über seine Erfahrungen berichtet er, wenn die Werksgründerin mit Elisabeth Merz und einigen Massai am Samstag im evangelischen Gemeindehaus in Hiltpoltstein über ihre Arbeit und ihr Werk erzählen. Über das Massailand erzählen Angelika Wohlberg und Elisabeth Merz am Samstag, 20. Juli, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Hinterer Berg 1 in Hiltpoltstein. Der Eintritt ist frei.

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