Affalterthal
Gebietsreform

Im Kreis Forchheim vor 40 Jahren: Gemeinden verschwinden, Vereine entstehen

Vor 40 Jahren verschwanden im Raum Egloffstein durch Eingemeindung zwei Gemeinden, dafür entstanden zwei Vereine neu.
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BFestumzug anlässlich 24. Heimattag des FSV in Affalterthal. Einträchtig beisammen die Affalterthaler Vereine,  vorne die Singgruppe des Heimatvereins, dahinter die Ortsfeuerwehr mit Fahne und anschließend der Schützenverein Affalterthal mit den Soldatenkameraden.  Foto: löw
BFestumzug anlässlich 24. Heimattag des FSV in Affalterthal. Einträchtig beisammen die Affalterthaler Vereine, vorne die Singgruppe des Heimatvereins, dahinter die Ortsfeuerwehr mit Fahne und anschließend der Schützenverein Affalterthal mit den Soldatenkameraden. Foto: löw
Zum 1. Mai 1978 ist im Landkreis Forchheim etwas sehr Nachhaltiges passiert: Die Zahl der Gemeinden wurde im Zuge einer Gebietsreform faktisch halbiert von 61 auf 29. Politisches Ziel war es, die Arbeit in den Rathäusern zu professionalisieren. Bei Egloffstein hörten zwar zwei Gemeinden auf zu existieren, an ihre Stelle traten aber zwei neue Vereine: der Schützenverein Affalterthal und der Heimatverein Affalterthal.

Die Affalterthaler verstehen zu feiern, was sie mit dem früheren Brunnleitenfest und dem heutigen Eichertreffen (Traktorfreunde) seit Jahrzehnten unter Beweis stellen. Auch das Ende der Selbständigkeit ihrer Gemeinde war ein Grund zum Feiern. In Brunnleitental wurde ein Festzelt aufgestellt, es wurden "Promis" eingeladen und Urkunden und Geschenke an die früheren Gemeinderäte verteilt, derweil sich die Dorfjugend und die Bürger über kostenlose Würste und eine Maß Freibier freuen durften.


Ein Dorf im Dorf

Es war noch einmal ein Kraftakt für die kleine Gemeinde Affalterthal im Vorfeld der Eingemeindung. Da man nicht wusste, ob im neuen Gemeinderat Mehrheiten zu finden sind für die gewünschten Bauprojekte im und um das Dorf, hatte der damalige Bürgermeister Hans Deuerlein noch schnell zwei neue Löschwasserbehälter und drei Wirtschaftswege bauen lassen, die "107 Hektar Nutzfläche erschließen", meinte Deuerlein damals. Außerdem wurden das Brunnleitental mit einer Million D-Mark erschlossen - heute ein Dorf im Dorf - und die Trinkwasserversorgung ausgebaut.


Schnell noch gebaut

Ähnlich war die Situation in Bieberbach. Unter Bürgermeister "Hanni" Ziegler wurden Gemeindestraßen gebaut mit einer Länge von circa 20 Kilometern, das Schulhaus und fünf Löschwasserbehälter errichtet, der Friedhof neu gestaltet und Gehsteige angelegt. Nachdem schon 1975 die Bieberbacher Kinder endgültig ihre eigene, 1963 gebaute Schule zugunsten der neuen "Zentralschule" in Egloffstein hatten verlassen müssen, stand auch im Gemeinderat die allerletzte Sitzung an, die am 1. Mai 1978 ebenfalls mit Abschiedsurkunden und Geschenken für die Gemeinderäte endete.


Stiller Protest?

Bieberbach hatte schon 1972 im Zuge der Landkreisreform vom Landkreis Pegnitz in den Landkreis Forchheim "umziehen" müssen. Eines jedoch haben die Bieberbacher bis auf den heutigen Tag beibehalten: Die Soldatenkameradschaft gehört nach wie vor zum Kreisverband Pegnitz im Landkreis Bayreuth. Ob das nach 40 Jahren noch ein stiller Protest ist?

In Affalterthal wurde bei der "Abschlussfeier" 1978 auf Anregung des stellvertretenden Landrates Paul Lachmayer ein Bürgerverein gegründet, "um die Ortsteilinteressen und den Gemeinschaftsgeist weiter zu pflegen", so die Begründung. Die Anregung fiel auf fruchtbaren Boden. Viele traten spontan dem Verein bei. Der Bürgermeister versprach, eine Vereinsfahne zu stiften. Aus dem Bürgerverein heraus gründete sich der "Schützenverein Brunnleiten", er heißt heute "Schützenverein Affalterthal". Am 17. März 1979 konstituierte sich der Heimatverein Affalterthal - "in Gegenwart namhafter Gäste". Der anwesende Fritz Preis, zu der Zeit Vorsitzender des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV), sorgte dafür, dass der Heimatverein als Ortsgruppe dem FSV beitrat. Ex-Bürgermeister Hans Deuerlein übernahm den Vorsitz. Er gab auch die Marschrichtung des Vereins vor: Wanderwege pflegen, Brauchtum fördern und nach dem Motto handeln "Einigkeit macht stark".


Flottes Tempo

Der Schützenverein legte ebenfalls ein flottes Tempo vor: Bei einer Schießübung der Patenkompanie am 16. April in Nürnberg wurde die Vereinsgründung beschlossen und am 25. Mai 1978 vollzogen. Am 13. Juni wurde bereits das 85. Vereinsmitglied gemeldet und Baptist Pflaum wird als "Vereinsmotor" bezeichnet. Am 13. September trat Gudila Freifrau von Pölnitz als 100. Mitglied dem Schützenverein bei und Heinz Meier wurde erster Schützenkönig.


Aufbauhilfe aus Gößweinstein

Aufbauhilfe leistete der Gößweinsteiner Schützenverein "Gut Ziel", der die Affalterthaler Schützen als Gäste auf seiner Anlage ein erstes Training absolvieren ließ und hierfür sogar eigene Vereinsgewehre zur Verfügung stellte. Bereits Ende des Jahres 1978 war das Schützenhaus mit sechs Ständen fertig und man verfügte über vier Vereinsgewehre.


Großes Fest im Juli

An diese Zeit der Vereinsgründungen wird am letzten Juli-Wochenende mit einem großen Fest erinnert: Der Heimatverein hat für den 28. Juli den Kabarettisten Bernd Regenauer und die Volksmusikgruppe "Dadaraa" verpflichtet. Den Sonntag gestaltet der Schützenverein mit einem Jubiläumsschießen und einem Festgottesdienst im Freien. Es wird also wieder einmal gefeiert in Affalterthal.
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