LKR Forchheim
Erste Hilfe

Im Kreis Forchheim gibt es zu wenige Defibrillatoren

Ein Defibrillator kann bei Herzattacken lebensrettend sein. Jede Minute zählt. Doch im Landkreis Forchheim gibt es zu wenige öffentlich zugängliche Geräte.
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Matthias Fuchs von den First Respondern Dormitz bei einer Defi-Unterweisung in Neunkirchen am Brand. Foto: Feuerwehr Neunkirchen am Brand
Matthias Fuchs von den First Respondern Dormitz bei einer Defi-Unterweisung in Neunkirchen am Brand. Foto: Feuerwehr Neunkirchen am Brand
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Noch immer ist der Herztod Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Nüchtern als Zahl betrachtet, gibt es fast einhundert Mal mehr Herztote als Unfalltote. Die Zahl könnte aber reduziert werden, wenn es mehr Defibrillatoren, kurz Defis, geben würde. "Europaweit betrachtet, sind wir hier in Bayern stiefmütterlich aufgestellt. Auch im Landkreis Forchheim gibt es definitiv zu wenige Defibrillatoren", sagt Matthias Fuchs. Er ist bei den First Respondern in Dormitz, hat 30 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet und weiß aus Erfahrung, dass durch ein rechtzeitiges Handeln mit dem Defi die Zahl der Herztoten wesentlich reduziert, ja fast halbiert werden könnte. "Die Menschen sterben nicht auf dem Sofa. Viele sind auf öffentlichen Plätzen unterwegs", sagt Fuchs und erklärt damit, warum Defis "außen" weit verbreitet sein sollten. Sie gehören eigentlich an jeden großen öffentlichen Platz. Im Landkreis Forchheim betreiben die First Responder viel Aufklärungsarbeit, mit Erfolg. Neben Neunkirchen am Brand und Kleinsendelbach hat auch die Gemeinde Weißenohe reagiert und gleich mehrere Defis angeschafft, in Zusammenarbeit mit den First Respondern aus Dormitz.

Es gibt keine Einheitselektrode

"Jeder Hersteller hat seine eigene Elektrodenmanschette. Es gibt keine Einheitselektrode", erläutert Fuchs. Ist der Defi benutzt worden, müssen die Elektroden ausgewechselt werden. Die Dormitzer mussten schon zwei Mal hintereinander mit dem Defi Leben retten. Drei Sätze dieser Elektrodenkassette haben sie immer vorrätig. Braucht nun eine andere Kommune oder Firma eine neue Kassette, kann sie untereinander ausgeliehen werden, um im Notfall wieder sofort handeln zu können. Andernfalls fallen Wartezeiten bis zur Auslieferung der Bestellung an. Zwei bis drei Tage können dabei durchaus vergehen. Dabei zählt gerade beim Herzstillstand jede Sekunde. "Mit jeder Minute, die verstreicht, sinkt die Lebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent", sagt Lothar Philipp vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bamberg-Forchheim. Wenn man sich als helfender Bürger ausreichend fit bei der Wiederbelebung fühle, brauche man keinen Defi, für den man überdies auch Kenntnisse besitzen müsse, findet Bärbel Matiaske, Geschäftsstellenleiterin der "Gesundheitsregion Plus" in Forchheim. Doch Matthias Fuchs, schüttelt hier vehement den Kopf. Für ihn ist die Herz-Druck-Massage, wie die Wiederbelebung genannt wird, der erste Schritt, die Überbrückung, bis eine andere Person einen Defibrillator geholt hat. Denn: Mit der Herz-Druck-Massage könne man überbrücken, den eigenen Herzschlag könne man damit nicht ersetzen, bekräftigt Fuchs.

Defi-Schocks

Mit den Defi-Schocks könne jedoch der eigene Herzrhythmus wiederhergestellt werden. Durch die frühzeitige Reanimation und Defibrillation würden über 50 Prozent der Fälle erfolgreich verlaufen.

Lebensrettende Beispiele

Er kennt lebensrettende Beispiele aus der Praxis. Bei einer Frau mussten die First Responder den Defi einsetzen. Drei Mal wurde defibrilliert. Von einer Defibrillation bis zur nächsten vergehen zwei Minuten. In der Zeit prüft der Defi und gibt je nach Schockanalyse einen weiteren Schock frei. Bei der Frau waren zwischen den drei Schocks somit nur sechs Minuten vergangen, bis der Notarzt eingetroffen ist. Ohne Defi würde die Patientin nicht mehr leben, trotz der minimalen Zeitspanne bis zum Eintreffen des Arztes. Heute führe sie wieder ein ganz normales Leben, weiß Fuchs. Sicher braucht es auch Kenntnisse. Zunächst muss ein Helfer wissen, wo sich ein Defi befindet, er kann das an einem grünen Hinweisschild erkennen. Denn überall, wo sich ein Defi befindet, weist das Schild darauf hin. Manche Defibrillatoren sind in der Verwaltung oder in Banken untergebracht. Manche sind dauerhaft öffentlich zugänglich, die anderen nur zu den Geschäftszeiten. Auch darüber sollte man Kenntnis haben, und nicht zuletzt ist das ein Grund, warum es mehr öffentlich zugängliche Defis geben sollte.

Im Ernstfall

Im Ernstfall spricht der Defi dann mit dem Ersthelfer, nennt Schritt für Schritt, was zu tun ist. Matthias Fuchs gibt regelmäßig Einweisungen, wenn im Gemeindegebiet oder in Nachbarkommunen ein Defi angeschafft wurde. Trotzdem brauche es einen "Kümmerer", eine Person, die den Defi immer wieder überprüft, so dass er im Ernstfall auch funktioniert. Sonst bringt der beste Defi nichts und der Herztod bleibt Todesursache Nummer 1. Vieles kann den Herztod auslösen: ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall, eine Vergiftung. Wichtig ist, dass sofort reanimiert und defibrilliert wird.

Hilfemaßnahmen

Schritt 1: Bewusstseinskontrolle: Ist die Person bewusstlos, wird die Atmung kontrolliert. Funktioniert diese oder nicht?

Schritt 2: Sofort mit der Reanimation, also mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.

Schritt 3: Jemand sollte sofort den Defibrillator holen, damit mit der Defibrillation begonnen werden kann.

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