Pottenstein
Naturfrevel

Illegale Grabung in einer Höhle bei Pottenstein

Wilde Grabungen von verantwortungslosen Zeitgenossen passieren immer wieder, jüngst in einer Höhle bei Pottenstein in der Fränkischen Schweiz.
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Eine illegale Grabung in der Hallenhöhle Zahnloch (auch Sandloch genannt) bei Pottenstein Foto: privat
Eine illegale Grabung in der Hallenhöhle Zahnloch (auch Sandloch genannt) bei Pottenstein Foto: privat
Wilde Grabungen zerstören unwiederbringliche Fundsituationen in Naturhöhlen. Der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Bayern zeigt sich besorgt. Mit Beginn der Urlaubssaison steige laut Pressemitteilung auch wieder der Besuch der vielen Höhlen im Fränkischen Jura durch abenteuerlustige Gruppen oder Einzelpersonen.

Auch das Referat "Höhle und Karst" im Verein "Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst" beobachtet eine zunehmende Grabungsaktivität im Naturparkgebiet, in dem immerhin etwa 2000 Höhlen im Höhlenkataster Fränkische Alb (HFA) registriert sind. Der Verein beobachtet mit Sorge die jüngst in einer Höhle bei Pottenstein festgestellten enormen Eingriffe in das Bodensediment, die ohne behördliche Genehmigung von Unbekannten stattgefunden haben. "Höhlen sind keine Goldgräberclaims", warnt Dieter Preu vom Referat "Höhle und Karst".

Laut Landesverband ist der Anlass zu solchen Abenteuern die Hoffnung, in den Höhlen Überreste eiszeitlicher Tiere zu finden, denn Höhlenbär, Höhlenlöwe und Höhlenhyänen haben zu diesen Zeiten die Gegend bevölkert und ihre Knochen haben in den schützenden Sedimentschichten in den Höhlen Tausende von Jahren überdauert. Gleiches gilt auch für die Überreste menschlicher Kulturen. Denn für die Vorfahren war die Höhle als Wohnplatz und Opferstätte ein willkommener Ort.


Fundgrube für die Wissenschaft

Höhlen sind also wahre Fundgruben für die Wissenschaft, denn in ihnen finden sich Relikte der Vergangenheit, die im Freiland durch Witterungseinwirkung längst vergangen sind. Verständlicherweise müssen diese Fundorte auch für zukünftige Forschungen erhalten werden. Deshalb sind Höhlen und deren Inhalte durch entsprechende Gesetze streng geschützt.

Die wenigsten wissen, dass bereits ein Spatenstich einen Eingriff in den Boden darstellt und somit nur mit vorheriger Genehmigung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Naturschutzbehörden bei den Landratsämtern erfolgen darf. Das gilt sowohl für Tiefbaumaßnahmen, Ausschachtungen - für Höhlen und ihre Sedimentinhalte im Besonderen.


Irrglauben

Dabei herrsche laut Landesverband Höhlenforschung vielerorts die irrige Meinung vor, dass die Einwilligung des Grundstückseigentümers bereits eine Grabungserlaubnis darstellt - dem ist aber nicht so. Wenn die Zustimmung der zuständigen Behörden nicht vorliegt oder verweigert wird, ist jegliche Art von Grabung in Höhlen verboten.

Dem trägt auch das neue Bundesnaturschutzgesetz Rechnung, indem es "offene Felsbildungen, Höhlen sowie naturnahe Stollen" unter besonderen Schutz stellt. Die Höhlenforschung arbeitet hier in engem Schulterschluss mit den Behörden. Es werden die in den Wintermonaten stattfindenden Zählungen der Fledermäuse mit den Naturschutzbehörden abgestimmt und keine Grabung in Höhlen ohne Abstimmung mit dem Denkmalschutz und dann in ständigem Kontakt vorgenommen.


Kontrollen

Bei Kontrollbegehungen durch Mitarbeiter der dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Bayern angeschlossenen Vereine im Fränkischen Jura werden immer wieder nicht genehmigte Grabungen angetroffen und in der Regel angezeigt. Das Finden fossiler Knochen von Höhlenbär, Höhlenhyäne oder Höhlenlöwe und auch archäologischer Gegenstände sei für die Schatzsucher wie ein Treffer im Lotto. Es ergebe laut Landesverband also keinen Sinn, irgendwo den Spaten anzusetzen. "Grabungen bleiben ausschließlich der Wissenschaft vorbehalten und da geht ohne fachbehördliche Genehmigung der Maßnahme gar nichts", teilt Bernhard Nerreter, Vorsitzender des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Bayern, mit.


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