Forchheim

Hoffnungsschimmer im Sanierungsstau im Kreis Forchheim

2015 will der Kreis Forchheim 1,7 Millionen Euro in den Unterhalt stecken und 1,8 Millionen für neue Straßen ausgegeben. Wollte der Kreis sämtliche Planungen im Straßenbau erfüllen, müsste er 25 Millionen Euro investieren, sagt Tiefbauamtschef Dieter Els.
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Eine von vielen Straßen des Landkreises, die auf die Sanierung wartet: die FO 16 zwischen Hagenbach und Poppendorf. Foto: Josef Hofbauer
Eine von vielen Straßen des Landkreises, die auf die Sanierung wartet: die FO 16 zwischen Hagenbach und Poppendorf. Foto: Josef Hofbauer
Er sei wie ein "Prediger in der Wüste" sagte CSU-Kreisrat Edwin Dippacher über Dieter Els. Der Tiefbauamtsleiter hielt seine jährliche Predigt über den Zustand der Straßen im Landkreis Forchheim allerdings sehr knapp. Und er begann mit einer ironischen Untertreibung: "Die Lage ist scho a weng ernst." Es gehe um "die Sicherung von Mobilität und Wachstum"; auch stehe die Verkehrssicherheit auf dem Spiel, betonte Dieter Els am Dienstag im Bau- und Verkehrsausschuss des Kreises.

"Das Kreuz mit den Straßen"

Vielleicht ist der Tiefbauamtschef des Predigens einfach müde geworden. Jedenfalls verzichtete er auf lange Erklärungen und verwies auf einen Beitrag, den er den Kreisräten in den Unterlagen mitgeschickt hatte: "Das Kreuz mit den Straßen und Wegen." Dieser Bericht von Cornelia Hesse (Bayerischer Gemeindetag) kritisiert die landesweite "Unterfinanzierung" und den
"Sanierungsstau".

Teil der "Herkulesaufgabe", die Cornelia Hesse einfordert, ist der Brückenbau: 15 Prozent der Brücken in den Kommunen müssten komplett ersetzt werden.

Zwar meinte Edwin Dippacher, die 1,7 Millionen Euro, die der Landkreis im kommenden Jahr für den Straßen-Unterhalt einplant, "sollten beim Prediger in der Wüste einen Hoffnungsschimmer wecken". Doch der sprunghaft steigende Verkehr könnte alle Hoffnungen zunichtemachen. Cornelia Hesse rechnet vor, dass bis ins Jahr 2025 die "deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen" die Fahrtenzahlen um knapp neun Prozent steigen lassen: von 57,3 auf 62,4 Milliarden Fahrten.

Ein Lkw wie 67 667 Pkw

Und mit ihnen steigen die immensen Belastungen der Straßen. Vor allem durch die Lastkraftwagen. Dem Hesse-Bericht ist zu entnehmen, dass eine LKW-Achse mit zehn Tonnen die gleiche Auswirkung auf den Straßenbelag hat wie 160 000 Pkw-Achsen mit 0,5 Tonnen. Daraus ergibt sich: 67 667 Pkw beanspruchen die Straße in der selben Weise wie ein Lkw.

Wie Dieter Els gestern sagte, müssten im Landkreis Forchheim 25 Millionen Euro aufgebracht werden, um sämtliche Investitionen und Unterhaltsmaßnahmen ermöglichen können. Doch addiert man die Summen in den Prioritätenlisten, investiert der Landkreis bis 2019 nur knapp zehn Millionen Euro in den Unterhalt und etwa neun Millionen in den Neubau. Insgesamt 18,7 Millionen Euro also in den nächsten fünf Jahren. Davon entfallen 3,5 Millionen Euro auf das Jahr 2015 (1,7 Millionen Euro Unterhalt, 1,8 Millionen Euro Neubau).

"Vertrauen gesunken"

Richard Gügel (FW) forderte, die Straßen der Prioritäten-Liste vor Ort anzusehen. Landrat Herrmann Ulm (CSU) versprach, eine Ortsbesichtigung zu organisieren. Die Mehrheit des Ausschusses hielt es mit Reinhold Otzelberger (SPD): "Die Liste von Dieter Els hat Hand und Fuß. Es stehen keine neuen Projekte im Programm und endgültig entschieden wird erst bei den Haushaltsberatungen." Lisa Badum (Grüne) fand dagegen: Was die Neubaumaßnahmen betreffe, sei "der Informationsstand mangelhaft".

Otto Siebenhaar (FW) sprach gar davon, dass sein "Vertrauen gesunken" sei, weil Dieter Els die Sanierung der Straße von Wiesenthau nach Schlaifhausen - "einer der schlechtesten, die wir haben" - auf das Jahr 2019 verschoben habe. Begründung Els: Die Strecke sei auf 50 km/h reduziert, zudem sei eine Umgehung im Gespräch.
Bei einer Gegenstimme von Lisa Badum akzeptierte dann der Ausschuss das Unterhalts- und Investitionsprogramm 2015 bis 2019.

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