Forchheim
Stadthistorie

Historisches Feuer in Forchheim: Als der St. Martins-Kirchturm ausbrannte

Vor 350 Jahren sorgte ein Blitzeinschlag für ein Feuerinferno in Forchheim: Wegen der Katastrophe sieht die Martinskirche heute so aus, wie wir sie kennen.
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Nur wegen des Feuers erhielt der markante Kirchturm sein heutiges "welsches Dach".Foto: Reinhold Glas
Nur wegen des Feuers erhielt der markante Kirchturm sein heutiges "welsches Dach".Foto: Reinhold Glas
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Ähnlich wie die Bürger in Paris am Montag muss es die Forchheimer stark mitgenommen haben, als vor 350 Jahren der Blitz in die Martinskirche einschlug und der alte gotische Spitzhelm plötzlich in Flammen stand. Der Turm stürzte in sich zusammen, Teile durchschlugen das Kirchendach und setzen auch dies teilweise in Flammen. Die vier Turmglocken versanken im Trümmerhaufen, nur zwei überstanden das Inferno. Die Hitze des weithin sichtbaren Feuers zog sogar das Mauerwerk des obersten Turmstockes in Mitleidenschaft.

Im Stadtarchiv ist nachzulesen, dass der Bischof von Bamberg damals nachmittags extra nach Forchheim eilte, wo er mehrmals um die Kirche ging, den Schaden begutachtete und das Unglück bedauerte.

Für die Reparatur ihrer Martinskirche spendeten die Forchheimer Bürger 774 Gulden, die Stadt zahlte 750 Gulden und die St.-Martins-Stiftung 728 Gulden. Vom 10. bis 13. September 1670 richtete Hofzimmermeister Lorenz Dischinger dann anstatt des gotischen Spitzhelms den jetzigen "welschen Turmhelm" auf, welcher noch heute die Martinskirche ziert.

"In der damaligen Zeit war ein Brand eine sehr große Gefahr, da die Gebäude sehr nah beieinander standen", weiß Stadtarchivar Rainer Kestler. Manchmal hätten ganze Häuser weichen müssen, um zu verhindern, dass die Flammen auf weitere Häuserreihen übergriffen. Besonders gefährlich: Im Mittelalter waren die Gebäude in Forchheim hauptsächlich aus Holz gebaut. Zu den ältesten Gebäuden aus Sandstein zählen die Martinskirche, die Kaiserpfalz (14. Jahrhundert) und das Rathaus (1401/1402).

Auch die Feuerbekämpfung funktionierte natürlich komplett anders: "Die Neubürger Forchheims bekamen alle als erstes Wassereimer ausgehändigt", verrät Kestler. Bevor es in der Stadt überhaupt eine Feuerwehr gab, waren zudem dafür die 24 sogenannten "Gassenhauptsleute" zuständig, die durch die Straßen Forchheims patrouillierten.

Als der Türmer Feuerwache hielt

Außerdem gab es in der Königsstadt damals einen Stadttürmer, der, erstmals 1406 erwähnt, auf dem St. Martinsturm Wache hielt. Wie heute überragte der Kirchturm alle Gebäude der Stadt. Von dort aus konnte der Stadttürmer rechtzeitig den Ausbruch eines Feuers melden.

Für den Türmer bestand vor allem in der verhängnisvollen Nacht höchste Gefahr. Am 4. Mai 1669 um 2.45 Uhr schlug der Blitz in den Turm, äscherte das Dach ein und brannte ihn aus. Der Forchheimer Türmer-Sage nach sah der Mann damals keinen anderen Ausweg mehr: Er zog seinen weiten Türmermantel an, nahm seine zwei Kinder zu sich und sprang vom Turm in die Tiefe, während er die allerheiligste Dreifaltigkeit und den Schutzengel anrief.

Durch seinen weiten, vom Wind aufgeblähten Mantel wurde der Türmer der Sage nach nun bis an das Ufer der Regnitz getragen, wo er unversehrt im Gras landete. Eines seiner Kinder aber erstickte in seinem Mantel, während das andere ihm unterwegs über der Mesnerwohnung entglitt und tot in der Nonnengasse (jetzt Nedergasse) gefunden wurde.

Erst 1932/33 endete das Türmeramt. Die Brandbekämpfung in der Stadt oblag der Bürgerwehr seit 1813. 1861 gründete der Turnverein eine freiwillige Turnerfeuerwehr, die ein Jahr später "Freiwillige Feuerwehr Forchheim" genannt wurde.

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