Forchheim
Lebensberatung

Hilfsangebote können in Forchheim verstärkt werden

Die Ehe- und Familienberatung in Forchheim kann mit dem neuem Mitarbeiter Wolfram Schmidt wieder vermehrt Anfragen bedienen.
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Anna-Maria Welsch-Bomba, Anna Raab-Stärk und Wolfram Schmidt (von links), der heuer nach Forchheim gezogen ist und die Eheberatungsstelle der kath. Kirche unterstützt.  Foto: Petra Malbrich
Anna-Maria Welsch-Bomba, Anna Raab-Stärk und Wolfram Schmidt (von links), der heuer nach Forchheim gezogen ist und die Eheberatungsstelle der kath. Kirche unterstützt. Foto: Petra Malbrich

Das Handy ist das Kommunikationsmittel schlechthin. Einerseits. Zugleich ist es immer häufiger Grund, dass es in Partnerschaften gewaltig kriselt. Der Vorwurf: Mit dem Partner ist nichts mehr anzufangen, weil er dauernd mit dem Handy beschäftigt ist. Der andere schaltet dann den Fernseher ein. Gespräche werden kaum mehr geführt. "Ich würde ja gerne mit dir reden, wenn du .... ", lauten oft die Beschuldigungen dem Partner gegenüber. Statt konstruktiver Kommunikation folgen weiterer verbaler Angriff und Verteidigung. Solche Szenen werden nicht selten in der Eheberatung in Forchheim geschildert, die psychologische Beratung bei Ehe- und Partnerschafts-, Familien und Lebensfragen bietet.

Mit dem Pastoralreferenten Wolfram Schmidt ist die Beratungsstelle wieder gut besetzt und das Team, zu dem auch Anna Raab-Stärk und Anna-Maria Welsch-Bomba gehören, kann innerhalb kurzer Zeit Termine anbieten.

Es sind nicht nur junge Leute, die bei der Beratung Hilfe suchen. "Die Mehrheit der Hilfesuchenden sind Ende 30 bis Anfang 60 Jahre alt, überwiegend katholisch, was aber daran liegt, dass der Landkreis Forchheim katholisch ist, und die meisten Hilfesuchenden sind verheiratet", sagt Wolfram Schmidt. Manchmal seien es auch ältere Paare, die kurz vor der Goldenen Hochzeit stehen und vom Arzt geschickt wurden, ergänzt Welsch-Bomba. Einzelpersonen, die im Freundeskreis Probleme haben oder mit den Kindern, Menschen, die gerade trauern; Depressive und oft Menschen, die Selbstwertprobleme haben, fügt Welsch-Bomba an. Es betreffe also immer Menschen, die sich in einer Krise befinden. "Es kann sein, dass sich die Paare auseinandergelebt haben, mangels Kontakt. Manche Frauen fühlen sich allein gelassen oder die Menschen befinden sich in einer Übergangsphase, wenn beispielsweise die Kinder erwachsen sind und ausziehen oder man in den Ruhestand eintritt", schildert Schmidt. Häufig sei jedoch Trennung und Scheidung ein Thema und die Eheberatung ein "letzter Strohhalm".

In einem Schutzraum reden können

Andere Menschen brauchten die Beratung, um in einem Schutzraum reden zu können oder auf dem neuen Weg ein Stück begleitet zu werden, wenn die Trennung unumgänglich sei. Es sei nicht die Aufgabe der Eheberater, die Paare wieder zusammenzubringen, und das erwarte der Arbeitgeber auch nicht. "Die Beratungen sind ergebnisoffen", sagt Schmidt. "Viele Menschen denken, sie erhalten hier ein Rezept, aber das geht nicht. Wir sind eine Hilfe zur Selbsthilfe", erläutert Welsch-Bomba.

Wer glaubt, die Eheberater fällen nach den Ausführungen der Paare ein Urteil, liegt falsch. "Wir sind keine Richter und eine Wahrheit gibt es nicht. Unser Job ist es, die Sicht für den anderen zu öffnen. Was hört der Partner bei den Ausführungen des anderen", führt Anna Raab-Stärk aus. Zum Vorschein kämen dann oft Kränkungen oder die Probleme, die die Hilfesuchenden aus der Herkunftsfamilie mitbringen. Das komme in der Beratungsstunde zum Vorschein. "Es geht dann ums Hinschauen. Dabei geschieht viel, und das Verstehen beginnt", sagt Raab-Stärk. So könne es sein, dass sich einer der Partner nicht respektiert, nicht wertgeschätzt fühle. Manchmal seien es Machtspiele und ganz oft jedoch die Bedürfnisse des Einzelnen; erläutert Raab-Stärk.

"Den Klienten, selbst den religiös ungebundenen, ist es wichtig, eine kirchliche Beratungsstelle aufzusuchen", erklärt Welsch-Bomba. Manche Klienten seien nach einer Beratung auch erstaunt gewesen, dass weder über Gott gesprochen noch gebetet wurde, weiß Raab-Stärk. Die Kirche leiste mit der Beratungsstelle einen wichtigen Dienst, erfülle die Seelsorge.

Manche Dinge kann der "normale Seelsorger" einfach nicht mehr leisten. Wolfram Schmidt kennt das aus seiner früheren Wirkungsstätte als Pastoralreferent in Kulmbach, wo er viel mit Familien und Kindergruppen arbeitete. "Es gab immer mehr Situationen, wo weder die Dogmatik, noch die Moraltheologie noch die Kirchengeschichte hilft", sagt Schmidt. Er sei dann in die Beratung gegangen, um diesen Menschen helfen zu können. Schmidt, der eine Ausbildung zum Eheberater gemacht hat, ist auch Familientherapeut. Die 600 Stunden Ausbildung zum Eheberater mussten auch Raab-Stärk, Religionspädagogin, und Welsch-Bomba, Grundschul- und Mittelschullehrerin, absolvieren.

Anna-Maria Welsch-Bomba erzählt, sie habe in ihrer Lehrtätigkeit bemerkt, wie wichtig diese Beratungen seien. Die Elternsprechstunden seien immer mehr zur Eheberatung geworden.

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